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Diabetes: So finden Sie die richtigen Schuhe

Wer Diabetes hat, muss besonders auf seine Füße achten — und trägt am besten Schuhe, die optimal sitzen. Tipps für den nächsten Einkauf

von Alexandra von Knobloch, 09.08.2019
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Wir beanspruchen sie den ganzen Tag, kümmern uns aber kaum um sie. "Im Gegensatz zu den Händen, die wir aktiv steuern und stets im Blick haben, werden die Füße oft zu wenig beachtet", erklärt Gidon Bönhof, Studien­arzt am Deutschen Diabetes-Zentrum (DDZ) in Düsseldorf. Bei Diabetes kann das böse Folgen haben, denn dieser geht oft mit Schäden der Nerven oder Blutgefäße in Beinen und Füßen einher, und damit steigt das Risiko für schlecht heilende Fußwunden. Dies nennen Ärzte "dia­betisches Fußsyndrom". "Ungefähr jeder vierte an Diabetes Erkrankte leidet irgendwann daran", berichtet Bönhof, der an dia­betesbedingten Nervenschäden forscht. Häufige Auslöser von Fußwunden sind Druck- oder Scheuerstellen durch schlecht sitzende Schuhe. Doch dem lässt sich vorbeugen.

"Auch gesunden Menschen wird man als Arzt nicht raten, schlecht sitzende Schuhe zu tragen", sagt Bönhof. "Für nicht mehr ganz junge Menschen mit Diabetes gilt das besonders." Der Grund: Dia­betiker sollten alles vermeiden, was an den Füßen zu Fehlstellungen führen oder scheuern könnte. Beides führt zu Druckstellen, woraus sich langwierige Wunden entwickeln können, insbesondere wenn die Nerven- oder Gefäßfunktion bereits beeinträchtigt ist.

Was ist ein fußgerechter Schuh?

Worauf Diabetiker beim Schuhkauf achten sollen, erklärt Uwe Rhefus, Orthopädieschuhmachermeister aus Dormagen, der sich auch in der Arbeitsgemeinschaft Diabetischer Fuß der Deutschen Dia­betes Gesellschaft engagiert: "Fußgerechte Schuhe sind normale Schuhe mit speziellen Eigenschaften." Sie sind zum Beispiel aus Leder und daher atmungsaktiv. Sie sind ausreichend weit, breit und lang genug, sodass sie nirgends drücken. Innen haben sie wenige oder keine Nähte, damit sie nicht scheuern. Und sie geben den Füßen durch die Hinterkappe Halt, um unter anderem Blasen zu vermeiden.

"Wer bereits eine Fußfehlstellung hat, sollte sie vorsorglich mit Einlagen ausgleichen, die der Orthopäde verordnen kann", empfiehlt Rhefus. Solche Einlagen passen in Schuhe, die als Bequem-, Komfort- oder Sensitiv- schuhe verkauft werden. Diese Bezeichnungen sind aber keine Garantie für eine optimale Passform. Deshalb hilft nur: ausprobieren, welches Modell gut sitzt.

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Eine Neuropathie ändert alles

Spätestens wenn bei einem Diabetiker eine Nervenschädigung (Neuro­pathie) festgestellt wird, sollte er möglichst nur noch Schuhe tragen, die als Prophylaxeschuhe oder auch als Diabe­tesschutzschuhe bezeichnet werden. Solche Schuhe sind in der Regel innen gepolstert, um Druckstellen zu verhindern. Sie sind ausreichend breit und weit. Und haben weiche Vorderkappen, damit kein Druck auf die Zehen entstehen kann. Die Schuhe sollen nahtfrei sein, sodass Reibung vermieden wird, und sie bestehen aus atmungsaktivem Material, um die für Keime anfällige Haut von Diabetikern zu schonen. Spezielle Formen bei Sohle und Fersenkappe schützen den Fuß.

Weiterer Vorteil: In diese Schuhe lassen sich sogenannte diabetesadaptierte Fußbettungen einlegen, welche die Last des Körpers gleich verteilen und Druckspitzen vermeiden.Diese verordnet der Arzt, der den Diabetes behandelt.

Sicherheit geht vor

Solche Sicherheitsmaßnahmen sind notwendig, weil Diabetiker mit Neuro­­pathien Schmerzen, etwa aufgrund eines Steinchens im Schuh oder einer störenden Naht, schlechter oder gar nicht spüren. "Sie können sich einfach nicht mehr auf ihre Wahrnehmung verlassen", verdeutlicht Uwe Rhefus. Der Schuh muss Risiken ausgleichen, die Betroffene selbst nicht mehr gut beurteilen können. Wer gefährdet ist, sollte daher Dia­betesschutzschuhe tragen: verlässliche Weggefährten für Problemfüße.

Der Weg zum guten Schuh

  • Abends kaufen: Dann sind die Füße dicker. Schuhe, die abends passen, drücken am nächsten Morgen nicht
  •  Luft nach vorne: Im Stehen sollte vorne ein Zentimeter Platz sein; evtl. den großen Zeh vom Verkäufer ertasten lassen
  •  Auf Weite und Breite achten: Weite Schuhe haben Luft nach oben, breite eine große Auftrittsfläche (Letztere im Orthopädiefachhandel erhältlich)
  • Bei Gefühlsstörungen möglichst geschlossene Schuhe wählen (besserer Schutz vor Steinchen oder Scherben)
  • Ausgelatschte Schuhe entsorgen: Trägt man sie jeden Tag, können Schuhe nach ca. sechs Monaten die Passform verlieren, sagt Orthopädie­­schuhmachermeister Uwe Rhefus
  • Tipp: Fußumriss auf Papier nachzeichnen, vorne einen Zentimeter zugeben, ausschneiden, Schablone in den Schuh legen. Passt faltenfrei? Gutes Zeichen!

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