10 Tipps für eine starke Blase

Bei Diabetes besonders wichtig: Einer Reizblase, Harnwegsinfekten sowie Inkontinenz vorbeugen. Was jeder tun kann, um seine Blase gesund zu halten

von Andrea Grill, 01.09.2016

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Still und leise macht die Blase ihren Job. Sie fällt uns erst dann auf, wenn es Probleme gibt. Harnwegsinfekte zum Beispiel. "Frauen sind davon etwa viermal so häufig betroffen wie Männer", erklärt Urologin Professor Daniela Schultz-Lampel, Leiterin des Kontinenzzentrums am Schwarzwald-Baar Klinikum in Villingen-Schwennigen.

Ein Grund: Die weibliche Harnröhre ist kürzer als die männliche. Das macht es Bakterien leichter, in die Blase zu wandern. Auch unter einer "undichten" Blase, also einer Inkontinenz, leiden Frauen öfter als Männer. Der übermäßige Drang, zur Toilette zu gehen, trifft dagegen beide Geschlechter gleichermaßen.

Diabetiker plagt diese sogenannte Reizblase aber viel häufiger als Gesunde im gleichen Alter. Das liegt unter anderem daran, dass bei ihnen die Reizweiter­leitung der Nerven gestört sein kann, ­erklärt Dr. Andreas Wiedemann, der die Klinik für Urologie am Krankenhaus Witten leitet. Doch man könne auch dann viel für eine starke Blase tun, und auch im fortgeschrittenen Alter lohne es sich noch vorzubeugen.

1. Den richtigen Takt finden

Wer immer zu lange wartet, bevor er auf die Toilette geht, überdehnt seine Blase. Ihre Muskulatur leiert aus, und sie kann den Urin irgendwann nicht mehr richtig entleeren. Jedem Harndrang nachzugeben ist aber auch ungünstig. Es entsteht ein Teufelskreis, bei dem man immer häufiger muss. Sechs bis acht Toilettengänge am Tag gelten als gutes Mittelmaß.

2. Stress abbauen

Am Spruch "Die Blase ist der Spiegel der Seele" ist viel Wahres dran. Bestimmt haben Sie auch schon erlebt, dass Sie öfter aufs Klo müssen, wenn Sie angespannt sind. Ist der Stress ein Dauerzustand, sollten Sie mit Entspannung gegensteuern. Ob autogenes Training, progressive Muskelentspannung oder Yoga – guttut, was Ihnen zusagt.

3. Abnehmen

Wenn Sie Übergewicht abbauen, ist das nicht nur für den Blutzucker gut, sondern auch für die Blase. Denn die Körpermasse drückt von oben auf den Beckenboden. Außerdem kann Übergewicht auch den Blasennerven schaden. Schaffen Sie es abzunehmen, wird der Harndrang nachlassen.

4. Die Blase erziehen

Den Blasenmuskel können Sie tatsächlich trainieren. Wenn Sie das Gefühl haben, aufs Klo zu müssen, zögern Sie den Gang ein wenig hinaus, und kneifen Sie Ihren Schließmuskel zusammen. Indem Sie "unten zumachen", entspannt und beruhigt sich die Blasenmuskulatur. Mit konstantem Training lernt die Blase auf Dauer, mehr Harn zu speichern.

5. Den Beckenboden stärken

Der Beckenboden spannt sich wie ein Trapez aus Muskelschichten unterhalb der Blase und unterstützt die Schließmuskeln. Bei vielen Frauen ist, etwa nach Schwangerschaften, der ­Beckenboden geschwächt, es kommt zur Inkontinenz. Alle "sanften" Sportarten wie Walken, Schwimmen oder Pilates können ihn stärken. Noch gezielter wirkt ein Beckenbodentraining, das speziell geschulte Physiotherapeuten anbieten. Die Übungen können Sie auch im Alltag anwenden.

Bei Blasenschwäche gut versorgt


Mehrere Millionen Menschen in Deutschland sind wegen einer Blasenschwäche auf Vorlagen oder Windeln angewiesen. Das sogenannte Hilfsmittelverzeichnis regelt, welche dieser Produkte die gesetzlichen Krankenkassen (GKV) erstatten. Nachdem das Verzeichnis 23 Jahre lang unverändert gültig war, ist es jetzt endlich überarbeitet worden.


Künftig seien nur noch qualitativ hochwertige Inkontinenzhilfen zugelassen, teilt der GKV-Spitzenverband mit. So soll gewährleistet sein, dass Betroffene gute Produkte ohne Aufzahlung "auf Kasse" erhalten. Ganz wichtig für die Patienten sei aber auch eine individuelle Beratung, sagt Apotheker Werner Heuking aus Dinslaken. Die erfordere ein persönliches Gespräch und viel Zeit. "Nur so kann ich gemeinsam mit dem Kunden herausfinden, welches Produkt für ihn am bes­ten geeignet ist, und ihm erklären, wie man es richtig anwendet."

6. Den Blutzucker senken

Geben Sie Harnwegsinfekten keine Chance! Je besser Ihr Stoffwechsel eingestellt ist, umso eher kann Ihr Immunsystem die Erreger abwehren. Je weniger Zucker der Urin enthält, umso schlechter können sich die Keime in Ihrem Blasentrakt ansiedeln und vermehren.

7. Medikamente checken

Scheucht Sie der Drang nachts aus dem Bett? Dann lohnt es sich vielleicht, gemeinsam mit dem Hausarzt Ihr Medikamenten-Sortiment durchzusehen. Sind Mittel gegen Bluthochdruck oder fürs Herz dabei? Manche dieser Medikamente sind harntreibend und sollten besser nachmittags als vor dem Schlafengehen eingenommen werden. Auch der Wechsel auf ein alternatives Präparat mit ähnlichen Wirkstoffen kann helfen.

8. Ausreichend trinken

Wenn Sie wenig trinken, werden Nieren und Harnwege nicht so gut durchspült, und Bakterien können sich leichter ansiedeln. Nehmen Sie deshalb genügend Flüssigkeit zu sich, um Infekten vorzubeugen. Bei wenig Bewegung reicht etwa ein Liter pro 50 Kilogramm Körpergewicht; wenn Sie Sport treiben, brauchen Sie mehr. Eine Blasenschwäche verbessert sich übrigens nicht, wenn man weniger trinkt!

9. Pflanzenkräfte nutzen

Ob Bärentrauben-Blätter oder Cranberry-Saft: Extrakte aus Arzneipflanzen können kurzfristig helfen, Infekten vorzubeugen. Lassen Sie sich in der Apotheke geeignete Präparate empfehlen. Studien gibt es auch zur vorbeugenden Wirkung von D-Mannose. "Diese Zuckerart beeinflusst den Blutzucker nicht und eignet sich daher auch bei Diabetes", so Urologin Schultz-Lampel. D-Mannose fängt Bakterien im Urin ab, bevor sie sich an der Blasenwand festsetzen.

10. Rechtzeitig zum Arzt gehen

Zögern Sie bei ernsten Problemen mit der Blase nicht, zum Arzt zu gehen! Lassen Sie sich helfen, wenn Ihre Lebensqualität ­beeinträchtigt ist, weil Sie zum Beispiel ständig Harndrang verspüren oder ungewollt Urin verlieren. Auch beim Verdacht auf einen Harnwegsinfekt, bei wiederholten Entzündungen, Schmerzen beim Wasserlassen oder auffällig verfärbtem Urin sollten Sie die Ursachen abklären lassen.


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