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Diabetes: Gut vorbereitet ins Krankenhaus

Wenn eine Operation in einer Klinik ansteht, hilft eine gute Vorbereitung, um Komplikationen wegen ­des Diabetes zu verhindern

von Birgit Ruf, aktualisiert am 22.07.2016
Seniorin im Krankenhaus

Gut aufgehoben: Patienten mit Diabetes benötigen besondere Aufmerksamkeit


Es herrscht Hochbetrieb in Deutschlands Kliniken. Rund 16 Millionen Eingriffe nahmen Ärzte allein 2013 vor – ­30 Prozent mehr als 2005. Spezia­­listen setzen künstliche Gelenke ein, entfernen Gallenblasen, erneuern trübe Augenlinsen. Besonders oft in der Klinik zu Gast sind Menschen mit Dia­­betes. Sie stellen rund ein Drittel der Patienten, die statio­när behandelt werden. Das liegt auch daran, dass Diabetes etliche Folgekrankheiten im Schlepptau hat, etwa chronische Fußwunden oder Herzprobleme.

In diesen Fällen gehört die optimale Behandlung des Diabetes zu den wichtigsten Maßnahmen, die Ärzte im Krankenhaus ergreifen. Denn gute Zuckerwerte sind die Voraussetzung dafür, dass etwa ein diabetisches Fußgeschwür abheilen oder ein erneuter Infarkt abgewehrt werden kann.

Häufiger Komplikationen

"Dennoch zeigt die Erfahrung, dass bei Diabetikern während eines Eingriffs und danach deutlich häufiger Komplikationen auftreten", sagt Professor Erhard Siegel, Diabetologe und Chefarzt am St. Josefskrankenhaus Heidelberg. Besonders gefährdet seien Patienten, die mit der "Neben­­diagnose" Diabetes behandelt werden. Patienten, die zum Beispiel vom Orthopäden in eine Fachklinik geschickt werden, weil eine Bandscheibenoperation oder ein Hüftgelenkersatz nötig ist.

Diabetes wird oft vergessen

Es passiere immer wieder, so Siegel, dass der Diabetes bei Eingriffen, die mit der Zuckerkrankheit nichts zu tun haben, "übersehen" werde. Mögliche Folgen seien nicht nur entgleiste Zuckerwerte, sondern auch schlecht heilende Operationswunden oder Druckgeschwüre, weil ein Patient mit diabetesbedingtem Nervenschaden falsch gelagert wurde. "Wer Diabetes hat, sollte sich deshalb vor einem geplanten Eingriff in jedem Fall Gedanken darüber machen, in welche Klinik er geht", sagt Erhard Siegel.

Idealerweise verfügt das Krankenhaus, in dem der Eingriff vorgenommen wird, über eine Abteilung für Innere Medizin und Diabetologie. Als Qualitätsmerkmal gilt mittlerweile ein Zertifikat, das die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) für Kliniken vergibt, die für die Betreuung von Patienten mit der Nebendiagnose Diabetes besonders geeignet sind. Eine Suche ist auf der Internetseite der DDG möglich (www.deutsche-diabetes-gesellschaft.de/zertifizierung). Rechtzeitig vor dem Termin sollte man mit seinem Hausarzt bzw. Diabetologen beraten, ob und wie die Diabetesbehandlung angepasst werden muss. "Idealerweise wird das Diabetesteam der Klinik dabei eingebunden", sagt Dia­betologe Dr. Georg Guggenberger, der am Helios Amper-Klinikum Dachau auch chirurgische Patienten mit der Nebendiagnose Diabetes betreut.

Medikamente für die OP anpassen

"Typ-2-Diabetiker, die mit Metformin behandelt werden, sollten das Medikament 48 Stunden vor der Operation absetzen", so Guggenberger. Andere Zucker­senker dürfen in der Regel am Abend vor dem Eingriff das letzte Mal genommen werden. Ob eine vorübergehende Umstellung auf Insulinspritzen nötig ist, hängt vom Einzelfall ab. Gegebenenfalls müssen auch andere Medikamente abgesetzt bzw. vorübergehend durch andere Wirkstoffe ersetzt werden.

"Bei insulinbehandelten Diabetikern wird die Behandlung je nach Art der Insulintherapie sowie Dauer und Schwere des Eingriffs angepasst", sagt Guggenberger. Bei einem kleinen Eingriff, nach dem man bald wieder essen darf, wird die Therapie meist nur kurzfristig verändert, und der Patient über­­nimmt das Management rasch wieder selbst.

Steht eine größere Operation an – etwa am Magen-Darm-Trakt – und ist vorübergehend eine künstliche Ernährung nötig, wird der Blutzucker von den Ärzten je nach Bedarf mit Insulin- und Traubenzucker-Infusionen gesteuert. Wie auch immer: Gut vorbereitet und in der richtigen Klinik steht einer schnellen Genesung auch mit Diabetes nichts im Weg.

Checkliste: Das brauchen Sie für die Klinik

  • Arztbriefe und Befunde für die geplante Operation
  • Krankenhauseinweisung, Versicherungskarte, Ausweis
  • Medikamentenplan (alle Medikamente, die Sie nehmen, auch rezeptfreie Medikamente aus der Apotheke)
  • Diabetesbedarf (Messgerät usw.), Diabetestagebuch
  • Persönlicher Bedarf: Bademantel, Hausschuhe, Wäsche, Schlafanzug, Hygieneartikel; ggf. Brille, Hörgerät, Gehstock, Lesestoff

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