Harnwegsinfekt: Brennpunkt Blase

Blasenentzündungen plagen vor allem Frauen. Oft klingen sie mit einfachen Maßnahmen schnell wieder ab. Was bei den Infekten hilft, wie Sie vorbeugen

von Sabine Lotz, 04.10.2016
Frau mit Bauchschmerzen

Bei Harnwegsinfekten tut Wärme gut


Kaum ein anderes gesundheitliches Problem plagt Frauen so häufig wie die Blasenentzündung, in der Medizin mit dem Fachausdruck "Zystitis" bezeichnet. Etwa jede zweite leidet mindestens einmal im Leben darunter. Ursache für diese Häufigkeit ist in erster Linie die weibliche Anatomie. Zum einen liegt bei Frauen der Blasenausgang nur wenige Zentimeter von Scheide und After entfernt. Zum anderen ist ihre Harnröhre mit vier Zentimetern relativ kurz. Folge dieser beiden Faktoren: Bakterien aus dem Darm verirren sich leicht in die Harnröhre, von wo aus sie schnell in der Blase landen. Nisten sich die Keime dort in der Schleimhaut ein, kommt es zur Entzündung – mit typischen Beschwerden wie häufiger Harndrang – auch bei geringen Urinmengen – sowie Brennen oder gar Schmerzen beim Wasserlassen.

Nässe und Kälte schwächen Immunabwehr

Manche Frauen sind dafür besonders anfällig. Warum, das ist wissenschaftlich noch nicht ganz geklärt. Wahrscheinlich spielt die individuelle Veranlagung dabei eine Rolle. Fest steht aber, dass es vor allem dann zu Blasenentzündungen kommt, wenn die Abwehrkräfte im sogenannten kleinen Becken, wo sich die unteren Harnwege (Harnröhre und Harnblase) befinden, geschwächt sind und eingedrungene Bakterien leichtes Spiel haben. Zum Beispiel infolge von Kälte.

"Sitzen auf kaltem Stein, nasse Badekleidung oder Verdunstungskälte nach Schwitzen drosseln die Durchblutung im Unterleib und damit die Immunabwehr", sagt Dr. Wolfgang Bühmann vom Berufsverband der Deutschen Urologen. Die Konsequenz: Krankmachende Keime werden nicht so rasch abtransportiert beziehungsweise wirksam bekämpft wie sonst und können sich deshalb leichter breitmachen.

Sprays und Lotionen reizen die Schleimhaut

Einen Zusammenhang gibt es laut Dr. Bühmann auch mit dem Hormonhaushalt. Das bekommen beispielsweise Frauen nach den Wechseljahren zu spüren, wenn mit der Östrogenproduktion der Eierstöcke auch die Widerstandskraft der Blasenschleimhaut sinkt.

Als ein weiterer Risikofaktor für gehäufte Blaseninfekte gilt übertriebene Hygiene im Schambereich. Denn beim Anwenden von Intimsprays, Intimwaschlotionen usw. gelangt stets ein bisschen davon in die Harnröhre, greift die dortige Schleimhaut an und macht sie anfällig für Erreger.

Diabetes kann Harnwegsinfekte fördern

Und nicht zuletzt gehen auch chronische Stoffwechselkrankheiten wie Gicht oder Diabetes oft mit gehäuften Blaseninfekten einher. Zum einen vermutlich, weil dann das sowieso schon strapazierte Immunsystem krankmachenden Keimen und Pilzen im Harntrakt nicht mehr so viel entgegenzusetzen hat. Zum anderen, weil beim Diabetes die Durchblutung in den kleinen Gefäßen reduziert ist, was Infektionen jeder Art, auch Blasenentzündungen, begünstigt. Allerdings ist das Risiko umso geringer, je besser der Blutzuckerspiegel eingestellt wird. Deshalb sollten Frauen mit Diabetes, die zu Blasenkatarrh neigen, ihre Zuckerwerte besonders gut im Auge behalten.

Behandlung: Trinken, Wärme, pflanzliche Mittel

95 Prozent aller Blasenentzündungen verlaufen unkompliziert, das heißt ohne Fieber und ohne Beteiligung von Nieren und Nierenbecken. Vier Fünftel dieser Infektionen kann man in vier bis sechs Tagen mit viel Trinken, Wärme für Unterleib und Füße sowie einem Schmerzmittel gegen das unangenehme Brennen in den Griff kriegen. Hilfreich sind außerdem pflanzliche Präparate, die zum Beispiel Gemische von Senfölen oder Extrakte von Rosmarinblättern, Tausendgüldenkraut oder Bärentraube enthalten.

Harnwegsinfekte bei Männern

Auch Männer können unter Entzündungen der Harnwege leiden. Dabei gibt es eine gute und eine schlechte Nachricht. Die gute: Solche Infekte sind bei Männern eine Seltenheit. Die schlechte: Wer trotzdem einen bekommt, leidet oft nicht nur unter Brennen beim Wasserlassen und häufigem Harndrang, sondern auch unter Schmerzen im Unterleib, nicht selten auch Fieber und Schüttelfrost. Denn bei Männern ist nur selten die Blase betroffen, sondern häufiger Harnröhre und Prostata.

Antibiotika können nötig sein

Antibiotika sind in unkomplizierten Fällen, in denen auch keine begünstigenden Faktoren wie ein Diabetes vorliegen, in der Regel nicht nötig; sie werden erst gebraucht, wenn die Beschwerden über drei Tage andauern, der Körper mit Fieber (über 38 Grad) sowie Schmerzen in der Nierengegend Alarm schlägt. Dann sorgen die potenten Keimkiller dafür, dass die Bakterien nicht weiter aufsteigen und Nieren und Nierenbecken attackieren können.

Auch bei Frauen, die unter häufig wiederkehrenden Blasenentzündungen – dreimal pro Jahr oder öfter – leiden, können als langfristige Vorsorgemaßnahme bestimmte Antibiotika helfen, um die unteren Harnwege zu desinfizieren. Die Patientinnen nehmen das Mittel dabei über einen längeren Zeitraum in niedriger Dosierung ein.

Vorsorge: Harnwege schützen

Vorbeugend wirken außerdem die bereits beschriebenen Pflanzen-Präparate. Und besonders wichtig sind die Basics: regelmäßig trinken, sodass eingedrungene Keime schnell wieder ins Freie gespült werden, keine übertriebene Intimhygiene sowie Wärme für den Unterleib. Nasse Klamotten nach dem Baden am besten also schnell wechseln. So bekommen Blasenkeime nicht so leicht eine Chance.


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