Hilft Schlaf beim Abnehmen?

Wenn jemand zu wenig schläft, hat das Folgen für den Stoffwechsel. So kann Schlafmangel Übergewicht und Diabetes Typ 2 begünstigen. Heißt das aber auch, dass viel Schlaf schlanker macht?

von Stephan Soutschek, aktualisiert am 27.05.2016
Frau wird wach

Wer ausschläft, senkt möglicherweise sein Risiko für Diabetes und Übergewicht


Warum schlafen wir? Auf diese Frage weiß auch die Wissenschaft noch keine eindeutige Antwort. Sicher ist aber mittlerweile: Während der Mensch ruht, ist in seinem Körper einiges los. Das Gehirn scheint während der Nachtruhe die Erlebnisse des Tages zu verarbeiten und neue Verbindungen zwischen den Gedächtnisinhalten zu knüpfen. Auch das Immunsystem und der Stoffwechsel profitieren wahrscheinlich von ausreichend Schlaf. Das könnte Abnehmwilligen helfen.

Schlafmangel begünstigt Übergewicht

Wer chronisch zu wenig schläft, riskiert wohl Übergewicht und damit langfristig an Typ-2-Diabetes zu erkranken. "Zumindest statistisch sind diese Zusammenhänge gut belegt", sagt Dr. Manfred Hallschmid vom Institut für Medizinische Psychologie und Verhaltensneurobiologie an der Universität Tübingen. Er erforscht unter anderem die Beziehung von Schlaf und Stoffwechsel.

Solche Zusammenhänge in Statistiken bedeuten aber nicht zwangsläufig, dass Schlafmangel tatsächlich zu Übergewicht und Diabetes führt, gibt Hallschmid zu bedenken. Aus einer Reihe von Studien gibt es allerdings mittlerweile gute Hinweise dafür, wie zu wenig Nachruhe tatsächlich zu beiden Problemen beitragen könnte.

Mehr Hungerhormone bei Schlafmangel

So neigen unausgeschlafene Menschen dazu, beim Essen stärker zuzugreifen. Das könnte am veränderten Hormonhaushalt liegen. Bei Schlafmangel schüttete der Körper in einigen Studien verstärkt Ghrelin aus. Es ist auch als "Hungerhormon" bekannt, und regt den Appetit an. Die erhöhte Ghrelin-Konzentration im Blut könnte zur Entstehung von Übergewicht bei Wenigschläfern beitragen.

Quasi ein Gegenspieler von Ghrelin im Körper ist Leptin. Das Hormon wird im Fettgewebe gebildet und hemmt den Appetit. "Zu den Auswirkungen von Schlafmangel auf den Leptinspiegel gibt es widersprüchliche Ergebnisse", sagt Hallschmid. In einigen Versuchen fanden Forscher einen gesunkenen Leptingehalt im Blut, in anderen war er dagegen unverändert oder sogar erhöht.

Insulinwirkung gestört

Doch möglicherweise fördert Schlafmangel nicht nur über den Umweg Übergewicht einen Diabetes. Sondern greift direkt in den Zuckerstoffwechsel ein. Bei Menschen, die nicht genügend schlafen, ist wohl die Wirkung von Insulin beeinträchtigt. Das Hormon kann dann den Traubenzucker aus den Blutgefäßen schlechter in die Zellen weiterleiten. Als Folge steigt der Blutzuckerspiegel an.

Können Diabetiker ihre Werte bessern, wenn sie genug schlafen? Zumindest kurzfristig scheint das möglich zu sein. Ob das auch dauerhaft funktioniert, ist aber noch unklar.

Abnehmen im Schlaf?

Wer abnehmen möchte, sollte ebenfalls darauf achten, ausreichend zu schlafen. Nicht nur, um mögliche negative Auswirkungen auf den Stoffwechsel zu vermeiden. Wer ausgeschlafen ist, fühlt sich tagsüber fitter, hat mehr Energie für Sport und kann so seinen Kalorienverbrauch besser ankurbeln.

Schlaf könnte auch dabei helfen, die richtige Körpermasse abzubauen. In einer Studie verloren Übergewichtige, die nur 5,5 Stunden pro Nacht schliefen, in 14 Wochen 55 Prozent weniger Fettgewebe als eine Vergleichsgruppe, die jede Nacht 8,5 Stunden schlafen durfte. Dafür verloren die Wenigschläfer mehr Muskelmasse.

Wie viel Schlaf muss sein?

Doch was ist eigentlich genug, was zu wenig Schlaf? Diese Frage lässt sich pauschal nicht beantworten. "Das individuelle Schlafbedürfnis ist stark verschieden", sagt Hallschmid. Während der eine mit sechs Stunden gut zurecht kommt, braucht ein anderer seine neun Stunden Schlaf pro Nacht.

Was tun bei Schlafstörungen?

Wer nachts keinen Schlaf findet, dem kann es in leichten Fällen schon reichen, seine bisherigen Schlafgewohnheiten zu ändern. Zum Beispiel sollte man im Bett nicht fernsehen und sich nur ins Bett legen, wenn man tatsächlich müde ist. Stören Stress, psychische oder körperliche Erkrankungen den Schlaf, müssen diese Ursachen behandelt werden. Betroffene sollten sich bei hartnäckigen Schlafstörungen an ihren Hausarzt wenden. Dieser kann sie gegebenenfalls an ein Schlaflabor zu näheren Untersuchung weitervermitteln.


Nachrichten zum Thema Diabetes

Handy

Aktuelle Nachrichten zum Thema Diabetes