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Krankheiten: Spurensuche in der Familie

Ahnenforschung in Sachen Gesundheit: Es lohnt sich, Vorfahren und Verwandte nach ihren Krankheiten zu fragen. Denn Wissen macht Sie stärker

von Monika Murphy-Witt, 15.02.2017

Gibt es Vorerkrankungen in Ihrer Familie? Wenn der Arzt diese Frage stellt, geraten viele erst mal ins Stocken. Hatte die Oma nicht Wasser in den Beinen? Zu hohen Blutdruck? Und der Onkel "Alterszucker"?

42 Prozent der Deutschen wissen über Erkrankungen ihrer Familie gar nichts – weitere 26 Prozent sind nur sehr wenig informiert. Das ergab eine Umfrage der Krankenkasse IKK classic. Sie alle berauben sich damit einer Chance. Denn dass der Arzt nach Leiden in der Familie fragt, hat einen Grund: Das Risiko für Erkrankungen wie Bluthochdruck, Adipositas oder manche Krebsformen kann vererbt werden. Andererseits lassen sich viele dieser Leiden vermeiden oder zumindest rechtzeitig erkennen und gut behandeln – vorausgesetzt, das Risiko ist bekannt.

Über welche Verwandten muss ich überhaupt etwas wissen?

"Wichtig sind Vorerkrankungen bei Verwandten ersten Grades, also vor allem den Eltern", sagt Dr. Til Uebel, Hausarzt und Diabetologe in Neckargemünd. "Über deren medizinische Vorgeschichte sollte man möglichst gut Bescheid wissen." Schwierig, wenn die Eltern nicht mehr leben oder zu alt sind und sich nicht erinnern. Dann schildern Sie dem Arzt einfach, was Sie wissen. Auch daraus kann er Schlüsse ziehen. Der Hinweis "Wasser in den Beinen" kann etwa auf eine chronische Herzschwäche deuten. Und die chronische Fußwunde des Großvaters könnte an einem womöglich unerkannten Diabetes gelegen haben.

Was muss ich wissen?

Am günstigsten ist es natürlich, wenn Sie möglichst gut Bescheid wissen, betont Uebel. Etwa darüber, in welchem Alter sich der Herzinfarkt eines nahen Verwandten ereignet hat. Tritt ein Infarkt vor dem 55. Lebensjahr auf, bei Frauen vor dem 65., deutet das auf ein erhöhtes erbliches Risiko hin.  

Warum muss ich gerade über Diabetes Typ 2 Bescheid wissen?

Weil Diabetes Typ 2 weitervererbt werden kann. Durch eine Umstellung der Lebensgewohnheiten lässt sich die Krankheit verhindern – oder ihr Auftreten verzögern. Und das ist wichtig: "Wer früh an Diabetes erkrankt, hat ein höheres Risiko für Folgeerkrankungen, etwa einen Herzinfarkt, Nervenschäden oder Nierenprobleme", sagt Uebel. Typ-1-Diabetes, der meist schon im Kindesalter auftritt, ist ebenfalls erblich, allerdings in deutlich geringerem Maße. Haben Vater oder Mutter Typ 1, beträgt das Risiko der Kinder etwa fünf bis sieben Prozent, ebenfalls zu erkranken.

Wie ist es beim Thema Krebs?

Über Krebsleiden, die bei Angehörigen bereits in jungen Jahren aufgetreten sind, sollte der Arzt unbedingt informiert sein. Beispiel Brust- und Eierstockkrebs: Treten diese Krankheiten in relativ jungen Jahren auf, kann das ein Hinweis auf ein erbliches Risiko sein. Ein Gentest beim Arzt kann dann zeigen, ob Sie das Risiko ebenfalls tragen. Falls ja, können Sie dank engmaschiger Vorsorge gut auf sich aufpassen.

Ähnlich bei Darmkrebs: Ist ein Elternteil daran erkrankt, sollten sich die Kinder zehn Jahre vor dem Alter, in dem die Erkrankung auftrat, einer Vorsorgeuntersuchung unterziehen – spätestens aber mit 40 bis 45 Jahren.


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