Mit Diabetes in den OP: Darauf müssen Sie achten

So sorgen Sie dafür, dass auch Ihr Diabetes bei einer Operation optimal behandelt wird

von Daniela Pichleritsch, 28.11.2018
Operation

Gute Werte, die richtige Klinik und ein aufgeklärtes OP-Team: Schaffen Sie gute Bedingungen für den anstehenden Eingriff


Mehr als fünf Millionen Menschen mit Diabetes kommen hierzulande jedes Jahr ins Krankenhaus, etwa wegen Folgeschäden wie Fußwunden oder Herzproblemen. Oft aber auch aus Gründen, die nichts mit dem Diabetes zu tun haben. Egal welcher Eingriff: Wichtig ist es, den Diabetes im Blick zu behalten. Bei erhöhten Blutzuckerwerten kommt es leichter zu Infektionen, Wunden heilen schlechter, und es bilden sich häufiger Blutgerinnsel (Thrombosen). Auch Folgekrankheiten, etwa an Herz und Niere, erhöhen das Risiko für Komplikationen. "Durch eine optimale Betreuung und gute Zuckerwerte lassen sich Probleme aber meist vermeiden", sagt Dr. Thomas Werner, Chefarzt des Diabeteszentrums Bad Lauterberg. Steht Ihnen eine Operation bevor, können Sie viel dazu beitragen, dass der Eingriff auch mit Diabetes gut verläuft.

Dr. med. Philipp Hoffmann

Die passende Klinik finden

Im Idealfall hat die Klinik, in der Sie operiert werden sollen, eine Diabetesabteilung. Adressen von Kliniken mit zertifizierten Diabeteszentren finden Sie unter www.deutsche-diabetes-gesellschaft.de (rechts auf "Zertifizierte Arztpraxen/Kliniken" klicken). Kliniken mit dem Zertifikat "Klinik für Dia­betespatienten geeignet (DDG)", eignen sich besonders für Patienten mit der Nebendiagnose Diabetes und erfüllen bestimmte Mindestkriterien. Sie verfügen etwa über einen Diabetologen und Diabetes-geschulte Pflegekräfte. "Fragen Sie Ihren Hausarzt oder Diabetologen nach Kliniken, in denen Diabetiker gut betreut werden", sagt Dr. Philipp Hoffmann, Diabetologe am Krankenhaus Sankt Gertrauden in Berlin. Und lassen Sie sich möglichst den ersten OP-Termin am Morgen geben. "Dann müssen Sie nicht so lange nüchtern bleiben, und der Blutzucker lässt sich besser einstellen", sagt Hoffmann.

Zuckerwerte optimieren

Vor einer Operation sollte Ihr Blutzucker-Langzeitwert HbA1c möglichst unter 8,5 Prozent (69 mmol/mol) liegen. Ist er zu hoch, besprechen Sie rechtzeitig mit dem Arzt, wie Sie Ihre Diabetestherapie verbessern können. Fragen Sie ihn auch, wie die Therapie für die Operation angepasst wird. Typ-2-Dia­betiker, die Tabletten einnehmen, müssen diese meist ein bis zwei Tage vor der Operation absetzen und bekommen vorübergehend Insulin. "Damit lässt sich der Stoffwechsel rund um die Operation besser steuern", sagt Hoffmann. Am besten bespricht Ihr Arzt die Therapie vorab mit einem Arzt, der Sie in der Klinik betreut.

Klinikteam informieren

Der Chirurg und der Narkosearzt sind verpflichtet, Sie spätestens 24 Stunden vor dem Eingriff über mögliche Risiken und den Ablauf der Operation aufzuklären. "Bei Diabetes sollten diese Aufklärungsgespräche einige Tage früher stattfinden", sagt Werner. Um den Eingriff optimal vorzubereiten, müssen die Ärzte über Ihren Gesundheitszustand, Ihre Diabetestherapie und alle Medikamente, die Sie einnehmen, Bescheid wissen. "Legen Sie sich am besten vorher eine Gesundheitsmappe an", rät Werner. Darin heften Sie Entlassungsbriefe von vorherigen Krankenhausaufenthalten ab, Befundberichte niedergelassener Ärzte und Ihren Medikamentenplan. Diese Unterlagen helfen auch den Ärzten und Pflegekräften auf der Station, sich gut um Sie zu kümmern.

Bei einer intensivierten Insulin- oder einer Pumpentherapie sollten Sie einen Plan mit BE/KE- und Korrekturfaktoren sowie der Basalrate parat haben — ein Signal für das Klinikpersonal, dass Sie sich auskennen. Es erleichtert die Fortführung Ihrer Therapie, wenn Sie selbst dazu nicht in der Lage sind. "Bei Typ-1-Diabetes sagen Sie lieber einmal öfter, dass Sie immer Insulin brauchen, auch wenn Sie nichts essen. Vor allem wenn Sie älter oder übergewichtig sind", rät Hoffmann. Sie bekommen sonst möglicherweise kein Basalinsulin, weil man Sie für einen Typ-2-Diabetiker hält.

Mit Stress rechnen

Die Aufregung durch den Kran­ken­hausauf­enthalt und eine Operation kann den Blutzucker in die Höhe treiben. Idealerweise helfen Ihnen ein Diabetologe oder eine Diabetesberaterin, Entgleisungen in den Griff zu bekommen. Vor der Operation sollte der Blutzucker nüchtern unter 180 mg/dl (10 mmol/l) liegen. "Ansonsten kann es besser sein, die OP zu verschieben", sagt Dr. Werner.

Während der Operation kontrolliert der Narkosearzt regelmäßig Ihren Blutzucker und steuert ihn bei Bedarf mit Insulin- und Glukosegaben. Spätestens wenn Sie wieder daheim sind, können Sie Ihre gewohnte Therapie fortführen.


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