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Peinliches beim Arzt ansprechen: Mit Diabetes besonders wichtig

Peinlich? Gibt's nicht! Zumindest bei Erkrankungen und Beschwerden. Wie wir Unangenehmes beim Arzt und Apotheker ansprechen – und wann Selbsthilfe ihre Grenzen hat

von Cornelia Menner, 13.03.2020
Mädchen zieht sich eine Wollmütze über den Kopf

Auch wenn es unangenehm ist: Beschwerden vor dem Arzt oder dem Apotheker zu verstecken ist der falsche Weg!


Eigentlich ist es doch so: Ärzte unterliegen der Schweige­pflicht. Man könnte ihnen deshalb seelenruhig anvertrauen, wenn einen Blähungen, Mundgeruch oder Fuß­pilz plagen. Soweit die Theorie. In der Praxis aber fällt es vielen Menschen nicht leicht, über solche vermeintlich peinlichen Beschwerden zu sprechen. Aber wie kommt es, dass uns Wörter wie Rückenverspannung und Kopfweh leicht über die Lippen gehen, während wir ins Stottern geraten, wenn es um Furunkel an intimen Stellen oder um Inkontinenz geht?

"Zunächst mal gilt Scham als Schutz der Intimität. Es ist ein Gefühl, das uns angeboren ist", erklärt Dr. Nicola Haller aus Augsburg, die als Medizinpädagogin unter anderem Diabetes-Experten schult. "Die Angst vor einer Bewertung existiert in sehr vielen verschiedenen Formen. Keiner von uns möchte vor anderen bloßgestellt werden." Was wer als peinlich empfindet, sei dabei individuell höchst verschieden, weiß die Expertin. "Es hängt damit zusammen, wie man aufgewachsen ist. Wie offen man zum Beispiel in der Familie mit Intimität umgegangen ist." In Deutschland und Europa sei uns außerdem aufgrund der Sozialisation viel eher etwas peinlich als zum Beispiel in den USA.

Wofür gibt's Experten?

Trotzdem sollte man gerade mit Diabetes über seinen Schatten springen und auch bei intimen Beschwerden konkret nach den Ursachen fragen. Auch deshalb, weil schlechte Zuckerwerte hinter dem Problem stecken könnten. Wie lockere Kommunikation über Beschwerden funktioniert, lässt sich etwa in Foren zu Hämorriden nachlesen. Wer hier sein Anliegen schildert, merkt schnell, dass er nicht alleine ist. Das kann Hemmschwellen abbauen. Wichtig dabei aber: Wenn es um die Behandlung geht, sollten Sie nicht Laien, sondern nur Ihrem Arzt oder Apotheker vertrauen.

Doch wie platziert man sein Anliegen dort am geschicktesten? Am besten in einem Vier-Augen-Gespräch. Beim Arzt ist das ohnehin kein Problem. Und auch in der Apotheke gibt es Rückzugsmöglichkeiten für ein vertrauliches Gespräch: "Jede Apotheke muss einen separaten Beratungsraum oder eine Ecke haben, in der eine diskrete Beratung möglich ist", sagt Cynthia Milz, Apothekerin in Kulmbach.

Zur Apotheke – oder zum Arzt?

"Ich hätte da noch eine Frage..."

Wem es zu unangenehm sei, vor Publikum nach einem diskreten Raum zu fragen, der könne mit dem Apotheker telefonisch einen Termin vereinbaren und um dieses Gespräch bitten. Natürlich kann man dabei auch Wünsche äußern, etwa wenn man sich als Frau mit einer Beraterin wohler fühlt oder als Mann mit einem männlichen Ansprechpartner.

Und wie startet man ein solches diskretes Gespräch? "Brücken bauen", sagt Kommunikationsexpertin Haller. Wer beim Arzt oder in der Apotheke nicht gleich mit der Tür ins Haus fallen will, kann als Einleitung zum Beispiel sagen: "Ich hätte da noch eine Frage, die mir etwas peinlich ist." Die Angesprochenen können mit solchen Situationen umgehen – im medizinischen Bereich gibt es keine Tabus.

Auch die Wortwahl spielt bei Gesprächen über unangenehme Themen eine Rolle. "Sagen Sie genau, was los ist, in Ihrer Sprache", rät Dr. Haller. Die Scheide juckt, es riecht unangenehm? Dann sagen Sie es so. Dann kann sich das Gegenüber eine Meinung bilden und helfen. "Alles eine Frage der Gewohnheit", weiß die Expertin. "Was beim ersten Mal noch schwerfällt, funktioniert beim nächsten Mal schon einfacher."


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