Was bei Blasenentzündungen helfen kann

Hilfe, es brennt schon wieder: Blasenentzündungen treffen Frauen mit Diabetes besonders häufig. Was tun, wenn die Infekte ständig zurückkehren?

von Alexandra von Knobloch, 06.06.2018
Frau sitzt auf Steinmauer

Es muss nicht immer die kalte Steinmauer sein: Harnwegsinfekte können ganz unterschiedliche Ursachen haben


Der dauernde Druck auf der Blase, das Brennen beim Wasserlassen: Harnwegsinfekte sind fies. Manche Frauen leiden unter wiederkehrenden Blasenentzündungen. So bezeichnen dies Ärzte, wenn die Infekte binnen eines halben Jahres zweimal oder in einem Jahr dreimal oder öfter auftreten. Diabetikerinnen sind davon häufiger als gesunde Frauen betroffen.

Ein Grund: Sind die Blutzuckerwerte über längere Zeit zu hoch, kann sich der Körper gegen Infektionen nicht mehr so gut wehren. Zudem können Nervenschäden dazu führen, dass beim Wasserlassen Restharn in der Blase bleibt. "Das ist ein Eldorado für Keime", erklärt Professor Dr. Hansjürgen Piechota, Direktor der Klinik für Urologie, Kinderurologie und Operative Uro-Onkologie am Johannes Wesling Klinikum Minden. Der wichtigste Schutz vor wiederkehrenden Blasenentzündungen ist deshalb, "den Blutzuckerspiegel optimal einzustellen", sagt Dr. Guido Schmiemann vom Institut für Public Health und Pflegeforschung der Universität Bremen. Frauen trifft ein Harnwegsinfekt häufiger als Männer. Die Ursache ist die kürzere Harnröhre und deren Nähe zum Darmausgang, sodass Bakterien schneller aufsteigen können.

Simple Mittel, große Wirkung

Manchmal ist deshalb die Erklärung für eine wiederkehrende Blasenentzündung simpel. So können beim Sex Keime in die Harnwege geraten. In solchen Fällen wirken oft einfache Maßnahmen: etwa direkt nach dem Geschlechtsverkehr auf die Toilette zu gehen und die Blase zu leeren. Dabei aufrecht sitzen, um Restharn zu vermeiden.

Häufen sich die Entzündungen in den Wechseljahren, kann das eine Folge der Veränderungen im Hormonspiegel sein. "Eine längere Therapie mit Östrogencremes, -zäpfchen oder -ringen kann womöglich helfen", sagt Schmiemann.

Bakterien

Suche nach den Ursachen

Doch manchmal findet sich auch keine schnelle Erklärung. "Dann ist eine gründliche Diagnostik beim Facharzt unerlässlich", betont Piechota. Es geht darum, seltenere Ursachen aufzuspüren, etwa Ausstülpungen der Blasenschleimhaut oder eine Geschlechtskrankheit. Bei Diabetikerinnen können zudem Medikamente aus der Gruppe der SGLT-2-Hemmer das Risiko für Infekte im Genitalbereich erhöhen.

Wie Blasenentzündungen behandelt und weitere Infektionen verhindert werden — dazu haben Experten unterschiedliche Meinungen. Piechota etwa empfiehlt, schon bei der ersten Infektion den Erreger zu ermitteln, ehe man eine Antibiotika-Therapie beginnt: "So stellt man sicher, ein wirksames Medikament zu wählen, gegen das keine Resistenz besteht."

Andere Experten warten bei einer Blasenentzündung ab, bevor sie Antibiotika verschreiben, und setzen zunächst auf entzündungshemmende Schmerzmittel und viel trinken.

Wichtig: Bei Fieber und Schmerzen in der Flanke sollten Frauen umgehend zum Arzt. Diese Beschwerden könnten auf eine Nierenbeckenentzündung hinweisen. Schwangere sollten bei einer Blasenentzündung immer den Arzt zurate ziehen.

Raus aus der Dauerschleife

Kehren die Infekte ohne erkennbare Ursache immer wieder, hilft es meist, ein Antibiotikum zu nehmen, manchmal über mehrere Monate. "Einige Maßnahmen kann man vorher probieren", sagt Piechota. "Wichtig ist, sich stets mit dem Arzt abzustimmen." Zu einfachen Maßnahmen gehört etwa, bei der Intimpflege auf Lotionen und Seife zu verzichten und das Toilettenpapier von der Harnröhrenöffnung in Richtung After zu führen. Auch ausreichend trinken, um die Harnwege durchzuspülen, kann gegen Blaseninfekte helfen. Übrigens: Bei stark Übergewichtigen sind die Infekte häufiger. Wenn sie Gewicht verlieren, kann sich dies bessern.

Auch alternative Methoden sollen gegen Blasenentzündungen helfen. Manche Ärzte raten zu einer Art Impfung: Die Betroffenen erhalten dabei speziell aufbereitete Bakterien, die häufig Blasenentzündungen hervorrufen, als Spritze oder in Kapselform. Dies müssen die Patientinnen aber selbst bezahlen, ebenso wie pflanzliche Mittel, etwa Goldrute oder Kapuzinerkresse, und Mannose, eine Zuckerverbindung, die verhindert, dass sich Bakterien an der Innenwand der Blase festsetzen.

Erst mit dem Arzt sprechen

Für all diese Strategien gilt: Man sollte sie mit dem Arzt abklären und besprechen, was als Nächstes folgt, wenn die Maßnahme nichts bringt. Immerhin: "Innerhalb eines Jahres sind Probleme mit Harnwegsinfekten meist gelöst", sagt Piechota.


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