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Was ist eine exokrine Pankreasinsuffizienz?

Bei einer exokrinen Pankreasinsuffizienz stellt die Bauchspeicheldrüse zu wenige Verdauungsenzyme her. Blähungen, Bauchschmerzen und Fettstühle können die Folge sein

von Ulrich Kraft, aktualisiert am 02.02.2017
Frau hat Bauchschmerzen

Bauchschmerzen können Anzeichen einer beschädigten Bauchspeicheldrüse sein


Wer Medizinstudenten nach einer Funktionsstörung der Bauchspeicheldrüse fragt, erhält wohl meistens "Diabetes" als Antwort. Das ist natürlich richtig. Schließlich stellt das direkt hinter dem Magen liegende Organ die Hormone Insulin und Glukagon her, die für den Zuckerstoffwechsel wichtig sind. Bildet die Bauchspeicheldrüse diese nicht mehr ausreichend, kann ein Diabetes die Folge sein.

Doch die Bauchspeichseldrüse hat noch mehr Aufgaben: "In ihr werden die wichtigsten Verdauungsenzyme überhaupt produziert", betont Professor Markus M. Lerch, Direktor der Klinik für Innere Medizin A am Universitätsklinikum Greifswald.

Enzyme aus der Bauchspeichseldrüse

Enzyme sind Verbindungen, die verschiedene chemische Vorgänge in unserem Körper in Gang setzen. Insgesamt 26 verschiedene Enzyme befinden sich in den rund anderthalb Litern Sekret, die die Bauchspeicheldrüse tagtäglich in den Zwölffingerdarm abgibt. "Jedes hat seine eigene, ganz spezielle Aufgabe", erläutert Lerch.

Lipasen spalten die in der Nahrung enthaltenen Fette so weit auf, dass die Dünndarmzellen sie aufnehmen können. Glykosidasen wie die Amylase bauen Kohlenhydrate ab, Proteasen kümmern sich um die Nahrungseiweiße. Und Nukleasen zerlegen die Nukleinsäuren, aus denen das Erbgut besteht.

Exokrine Pankreasinsuffizienz: Mangel an Verdauungsenzymen

Stellt die Bauchspeicheldrüse diese Enzyme nicht mehr in ausreichenden Mengen her, sprechen Ärzte von einer exokrinen Pankreasinsuffizienz. Dagegen ist von einer endokrinen Pankreasinsuffizienz die Rede, wenn sie nicht mehr genug Insulin und Glukagon produziert.

Patienten können bei der exokrinen Pankreasinsuffizienz die Nahrung nicht mehr richtig verdauen. Augen- und auch nasenfällig für die Betroffenen wird die Erkrankung auf dem stillen Örtchen. Sie leiden unter meist übelriechenden Durchfällen. Der Stuhlgang unterscheidet sich vom normalen Kot dadurch, dass er sehr fettig ist. "Er klebt an der Toilettenschüssel und schwimmt oben auf dem Wasser auf", beschreibt der Internist.

Fettstuhl: Anzeichen einer exokrinen Pankreasinsuffizienz

Solche Fettstühle – Mediziner sprechen von einer Steatorrhoe – treten allerdings erst auf, wenn die exokrine Funktion der Bauchspeicheldrüse zu 90 Prozent ausgefallen ist, sie also kaum noch Verdauungsenzyme herstellt. Zuvor gibt es schon andere Folgeerscheinungen. Doch die sind so unspezifisch, dass sie häufig übersehen oder einer anderen Erkrankung zugeschrieben werden. Dazu gehören Blähungen, krampfartige Bauchschmerzen, Völlegefühl und Gewichtsverlust trotz normaler Nahrungsaufnahme.

Hinzu kommt, dass auch die fettlöslichen Vitamine A, D, E und K vom Körper nicht mehr richtig aufgenommen werden können. Daraus resultierende Mangelerscheinungen wie Knochenerweichung, Blutgerinnungsstörungen oder Beeinträchtigungen des Sehvermögens bezeichnet Lerch als "das eigentliche Problem der Patienten." Die Verdauungsbeschwerden und Fettstühle sind zwar unangenehm, aber für sich genommen nicht weiter gefährlich.

Viele Ursachen, hohe Dunkelziffer

Bei Kindern und Jugendlichen ist die Erbkrankheit Mukoviszidose (zystische Fibrose) die Hauptursache einer exokrinen Pankreasinsuffizienz. Bei Erwachsenen führt am häufigsten eine chronische Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis) zu der Erkrankung. Weitere mögliche Auslöser: Wenn die Bauchspeicheldrüse wegen eines bösartigen Tumors oder einer schweren Verletzung ganz oder teilweise entfernt werden muss. Auch eine akute Bauchspeicheldrüsenentzündung kann vorübergehend zu einer Störung der exokrinen Funktion des Organs führen. "Wenn die akute Pankreatitis überstanden ist, erholt sich die Bauchspeicheldrüse – und alles läuft wieder normal", beruhigt Lerch.

Die Anzahl der Betroffenen ist schwer anzugeben, da leichte Formen ohne ersichtliche Symptome oft nicht erkannt werden. Dementsprechend hoch dürfte die Dunkelziffer sein. Als relativ sicher gilt aber, dass Männer etwa doppelt so oft unter einer exokrinen Pankreasinsuffizienz leiden wie Frauen. Um die Krankheit zu diagnostizieren, ist die Messung des Bauchspeicheldrüsenenzyms Elastase in einer Stuhlprobe des Patienten das Mittel der Wahl. Noch aussagekräftiger, aber sehr viel teurer und aufwändiger, sind Pankreas-Stimulationstests. Dabei misst der Arzt die Konzentration der Verdauungsenzyme mit Hilfe einer Sonde direkt im Zwölffingerdarm.

Ernährung: Fette ja, aber in Maßen

Genügt das von der Bauchspeicheldrüse produzierte Sekret nicht für eine ordnungsgemäße Verdauung, lassen sich die fehlenden Enzyme von außen ersetzen. Betroffene nehmen sie in Form von Tabletten zu den Mahlzeiten ein. "Die Medikamente sind sehr gut verträglich und haben praktisch keine Nebenwirkungen", sagt Lerch. "Wichtig ist allerdings, dass man sie auch ausreichend hoch dosiert." Rauchen und vor allem Alkohol können eine Pankreasinsuffizienz verschlimmern. Deshalb sollten Betroffene das bleiben lassen, insbesondere wenn eine Bauchspeicheldrüsenentzündung hinter der Erkrankung steckt.

Von der einstigen Empfehlung, so fettarm wie möglich zu essen, sind Fachleute längst abgekommen. Zum einen, weil es dann mit der notwendigen Kalorienzufuhr eng werden kann, zum anderen weil der Körper eine gewisse Menge an Fettsäuren braucht. "Zu fettreich sollte die Ernährung aber auch nicht sein, denn dann reicht die zugeführte Enzymmenge nicht aus", betont Lerch. Am besten verträglich sei es für die Patienten, fünf bis sieben kleinere, leicht bekömmliche Mahlzeiten über den Tag verteilt zu sich zu nehmen.

Normales Leben bei korrekter Therapie

Ernähren sich die Patienten gesund und abwechslungsreich, mit viel Obst und frischem Gemüse, und nehmen sie ihre Enzymtabletten ein, ist eine zusätzliche Zufuhr von Vitaminen in der Regel unnötig. "Dann werden genügend Vitamine aufgenommen, so dass der Vitaminhaushalt gedeckt ist", weiß der Internist. Richtig behandelt, können Menschen mit einer exokrinen Pankreasinsuffizienz ein ganz normales, unbeeinträchtigtes Leben führen.


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