Wie der Arzt Ihre Augen testet

Refraktionstest, Perimetrie, Funduskopie: Was bestimmt der Augenarzt mit solchen Tests und wann kommt welches Verfahren zum Einsatz? Ein Überblick
von Daniela Pichleritsch, 17.12.2015

Auge im Visier: Netzhautschäden sind bei Menschen mit Diabetes häufiger

W&B/Markus J. Feger

Was eine Augenspiegelung ist, weiß fast jeder. Zumindest jeder Diabetiker. Einmal im Jahr (mindestens, manchmal auch öfter) leuchtet der Augenarzt durch die Pupille und inspiziert die Netzhaut. Dort hinterlässt die Zuckerkrankheit bekanntlich besonders häufig Schäden – die gut behandelbar sind, wenn sie rechtzeitig diagnostiziert werden. Auch der Sehtest ist für die meisten von uns eine von Kindesbeinen an geläufige Untersuchung. Doch was verbirgt sich hinter einer "optischen Kohärenztomografie"? Welchem Zweck dient ein "Refraktionstest"? Und was führt der Arzt im Schilde, wenn er eine "Fluoreszenz-Angiografie" vorschlägt? Wir erklären Ihnen wichtige Untersuchungen, die Augen­ärzte machen (Beratung: Professor Dr. Burkhard Dick, Direktor der Universitäts-Augenklinik Bochum).

W&B/Markus J. Feger

Funduskopie

Die Augenspiegelung (Funduskopie) zeigt dem Arzt unter anderem, ob die Netzhaut vom Diabetes oder von zu hohem Blutdruck geschädigt ist. Für die Untersuchung wird die Pupille (meistens) weitgetropft. Dann leuchtet der Arzt mit einem Spaltlampenmikroskop durch die Pupille in die Netzhaut. Das Gerät heißt so, weil es einen spaltförmigen Lichtstrahl aussendet, mit dem die feinen Strukturen im Auge besser erkennbar werden, und weil es die Netzhaut (den "Augenhintergrund" oder "Fundus") vergrößert. Wer Diabetes hat, sollte jährlich zur Untersuchung, falls bereits Netzhautschäden vorliegen, auch öfter. Werden Schäden erkannt, kann eine gezielte Laserung der Netzhaut einem Sehverlust vorbeugen.


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Optische Kohärenztomografie (OCT)

Mittels OCT kann der Augenarzt die Netzhaut berührungsfrei fast so gut untersuchen, als würde er sie unter einem Mikroskop betrachten. Das verbessert die Diagnose und die Therapieplanung bei Augenkrankheiten, die die Netzhaut in Mitleidenschaft ziehen – etwa einer diabetischen Retinopathie oder einer Makuladegeneration. Die OCT (ca. 80 bis 140 Euro) wird von den Kassen meist nicht erstattet.


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Visustest

Den Sehtest (Visustest) kennt wahrscheinlich jeder. Der Augenarzt überprüft damit die Sehschärfe in der Nähe und Ferne. Jedes Auge wird getrennt untersucht, das andere dabei abgedeckt. Wenn Sie aus 30 bis 40 Zentimetern Entfernung nicht alles erkennen können, sind Sie weitsichtig und brauchen eine Lesebrille.

Wer beim Ablesen aus etwa fünf Metern Entfernung Probleme hat, ist kurzsichtig und muss zum  Beispiel beim Autofahren eine Brille tragen. Um die Brillenstärke zu ermitteln, wird der Sehtest mit Korrekturgläsern unterschiedlicher Stärke wiederholt.


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Refraktionstest

Der Refraktionstest ist ein automatisierter Sehtest. Das "Refraktometer" misst die Brechkraft der Augen (die Stärke, mit der einfallende Lichtstrahlen gebündelt werden). Dazu bildet es ein Muster auf der Netzhaut ab. Dann stellt es das Bild scharf und berechnet aus der nötigen Korrektur die Brechkraft. Diese entspricht der Brillenstärke. Maßeinheit für die Brechkraft ist die Dioptrie. Bei Kurzsichtigkeit ist die Dioptrienzahl negativ, bei Weitsichtigkeit positiv. Der Refraktionstest erfolgt meist vor dem Visustest.


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Tonometrie

Ein erhöhter Augeninnendruck kann auf ein sogenanntes Glaukom hinweisen, das auf Dauer den Sehnerv schädigen kann. Für die Messung des Augendruckes (Tonometrie) betäubt der Arzt die Hornhaut und drückt sie mit einem kleinen Stempel vorsichtig ein. Als normal gilt ein Augeninnendruck von 10 bis 21 mmHg. Die Kassen zahlen die Untersuchung (ca. 10 bis 22 Euro) nur bei Verdacht auf ein Glaukom. "Ab dem 40. Lebensjahr sollte der Augeninnendruck alle drei Jahre gemessen werden", rät Experte Dick.


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Perimetrie

Das Gesichtsfeld ist der Bereich, den man bei bewegungslosem, geradeaus gerichtetem Blick wahrnimmt, auch ohne ihn zu fixieren. Verschiedene Augenkrankheiten können das Gesichtsfeld einschränken. Bei der Gesichtsfeldmessung (Perimetrie) werden auf einem Bildschirm Lichtpunkte steigender Helligkeit eingeblendet. Sobald man einen Lichtpunkt wahrnimmt (er also ins Gesichtsfeld kommt), drückt man einen Knopf. Daraus errechnet der Computer das Gesichtsfeld.


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Fluoreszenz-Angiografie

Eine Fluoreszenz-Angiografie hilft unter anderem, den Nutzen einer Lasertherapie bei Netzhautschäden abzuschätzen. Dazu bekommt man einen gelblichen Farbstoff in eine Armvene gespritzt, der sich in den Blutgefäßen verteilt. Mit einem Speziallicht bringt der Augenarzt ihn zum "Leuchten" (Fluoreszieren). So kann er erkennen, wie die Gefäße aussehen und ob zum  Beispiel. Flüssigkeit in die Netzhaut austritt. Der Farbstoff wird innerhalb weniger Tage über die Nieren wieder ausgeschieden.



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