So schützen Sie sich vor der Sonne

Sommer! Sonne! Auf diese Tage haben wir das ganze Jahr gewartet. Doch wer unvorbereitet nach draußen geht, risikiert Hautschäden. So wappnen Sie sich gegen UV-Strahlung

von Sabine Lotz, aktualisiert am 11.07.2016
Frau schützt ihre Haut mit Tuch

Sicher am Strand: Jeder Mensch benötigt einen anderen Sonnenschutz


Sonnenschutz ist kein notwendiges Übel, sondern kluge Vorsorge. Denn ein Übermaß an ultravioletten Sonnenstrahlen (= UV-Licht) kann böse Folgen haben: langfristig Hautkrebs und beschleunigte Hautalterung, kurzfristig unangenehme bis schmerzhafte Sonnenbrände. Beidem lässt sich vorbeugen. Zum einen durch langsame Gewöhnung an das im Frühjahr und Sommer bzw. im Urlaub intensivere Sonnenlicht, zum anderen durch Sonnenschutzmittel und angemessene Kleidung.

Selbstschutz der Haut reicht nicht aus

Beim körpereigenen Sonnenschutz sind zwei Faktoren kombiniert: Unter UV-Einfluss werden vermehrt dunkle Pigmente gebildet, die die Zellkerne vor der Lichteinwirkung schützen und als Neben­effekt die Haut bräunen. Zudem wird die Hornschicht der Haut dicker. Bis beides seine schützende Wirkung entfalten kann, vergehen drei bis vier Wochen, in denen die Haut nur minutenlange Sonnenbäder unbeschadet übersteht.

Künstlicher Sonnenschutz mit physikalischen und/oder chemischen Filtern wirkt schneller: je nach Inhaltsstoffen sofort oder nach etwa 30 Minuten. Zwischen Eincremen und Sonnenexposition sollten daher etwa 30 Minuten liegen. Weil sich der Schutz durch Schwitzen, Baden, Reibung verbraucht, muss immer wieder nachgecremt werden.

Jeder Mensch braucht einen anderen Sonnenschutz

Nicht jeder braucht das gleiche Sonnenschutzmittel in gleicher Stärke und Aufbereitung. "Für den Einzelnen das passende Produkt zu finden, ist eine beratungsintensive Aufgabe", betont Apothekerin Sabine Wölfer von der Kurapotheke in Bad Reichenhall. "Hellhäutige brauchen einen höheren Lichtschutzfaktor als Menschen mit dunklerem Teint, Sportler etwas anderes als Spaziergänger, Italienurlauber müssen sich intensiver schützen als Irlandreisende."

Deshalb empfiehlt die Apothekerin erst dann ein bestimmtes Sonnenmittel, wenn sie mit ihrem Kunden über seine Alltagsgewohnheiten und Freizeitinteressen gesprochen hat: "Ich frage auch nach Medikamenten, da die Haut durch manche Arzneien lichtempfindlicher wird." Wer etwa wassertreibende Medikamente einnimmt, braucht einen höheren Lichtschutzfaktor.

Trockene Haut ist ein Warnzeichen

Das gilt auch für diejenigen Diabetiker, die zu trockener Haut neigen – ein Problem, mit dem sie sich übrigens nicht abfinden sollten. Denn trockene Haut kann ein Zeichen dafür sein, dass der Diabetes nicht gut eingestellt ist. Laut Dr. Thomas Behnke, Internist und Diabetologe in Neuwied am Rhein, ist bei einem optimal behandelten Diabetes die Haut funktionell vergleichbar mit der eines Nicht-Diabetikers und weder besonders trocken noch besonders lichtempfindlich.

Weil Sonnenschutzmittel die Haut nur dann vor Schaden bewahren, wenn sie richtig angewendet werden, ist die Beratung in der Apotheke so wichtig. Wer sich auf eigene Faust etwas aussucht, sollte Folgendes wissen:

  • Mittel- und Nordeuropäer haben meist eine Eigenschutzzeit von 20 bis 30 Minuten. Bei rotblonden, helläugigen Menschen ist sie zum Teil deutlich kürzer.
  • Der Lichtschutzfaktor sagt, um wie viel die Eigenschutzzeit zunimmt. Bei LSF 15 verlängert sich eine Eigenschutzzeit von 20 Minuten um 15 mal 20 Minuten, ­also um 300 Minuten. Sonnenbrand entsteht erst danach, zu Lichtschäden mit langfris­tigen Folgen kommt es aber schon nach zwei Dritteln dieser Frist. Deshalb sollte man sie nicht ausreizen.
  • Für trockene Haut eignen sich Öl-in-Wasser-Lotionen und -Cremes, für eher fettige Haut Lotionen und Cremes auf Wasser-in-Öl-Basis und fettfreies Gel. Sprays bringen weniger, da nur ein Teil des Versprühten auf die Haut gelangt.
  • Das Sonnenschutzmittel sollte vor UV-A- und UV-B-Strahlen schützen.

Babys und Kleinkinder sollten gar nicht in die Sonne und, wegen der Streustrahlung, auch im Schatten leicht bekleidet sein und eine Kappe tragen. Kinderhaut entwickelt ihre Schutzmechanismen etwa ab dem Kindergartenalter. Ab da muss dann auch gecremt werden: mit Produkten, die einen hohen Lichtschutzfaktor von mindestens 30 besitzen und möglichst einen rein physikalischen Sonnenschutz bieten. Physikalisch heißt: Diese Mittel enthalten Mikropigmente, die das Sonnenlicht reflektieren und gar nicht erst auf die Haut lassen, während chemischer Sonnenschutz in einer direkt auf der Haut stattfindenden Reaktion mit UV-Licht besteht. Die meisten Sonnenschutzprodukte enthalten beides.

Tipps gegen UV-Strahlung

Vitamin D: Sonne ist wichtig

Seit in den vergangenen Jahren mehrere Studien belegten, dass mehr als die Hälfte unserer Bevölkerung nicht optimal mit Vitamin D versorgt ist, wird darüber diskutiert, ob wir es mit dem Sonnenschutz vielleicht übertreiben. Denn Vitamin D, eine Substanz, die wir für unsere Knochen dringend brauchen, können wir nur bilden, wenn UV-Licht auf unsere Haut trifft.

Sollten wir uns also häufiger und länger ungeschützt der prallen Sonne aussetzen? "Nein", meint Professor Christiane Bayerl von der HSK Klinik für Dermatologie in Wiesbaden. Ihrer Ansicht nach kommt die Vitamin-D-Bildung durch die Sonnenschutzmittel nicht zu kurz, da es niemand schaffe, sich bzw. sein Kind so einzucremen, dass gar kein Vitamin D mehr gebildet wird. Professor Bayerl: "Um am Strand optimal gegen die Sonne geschützt zu sein, müsste man täglich pro Quadratzentimeter Haut einen gestrichenen Kaffeelöffel Sonnencreme mit LSF 50 verbrauchen. Das schafft niemand."

Spezial-Kleidung filtert UV-Strahlung

Wer dennoch Zweifel habe, ob genug Vitamin D in seinem Blut kreise, solle einen Bluttest machen lassen und gegebenfalls Vitamin-D-Tabletten schlucken. So wie die Babys und Kleinkinder, denen das der Kinderarzt verordnet und die als einzige Bevölkerungsgruppe mehrheitlich einen optimalen Vitamin-D-Spiegel besitzen.

Es gibt Menschen, die sich nicht eincremen mögen, denen das Einreiben lästig oder unangenehm ist. Ihnen bietet sich UV-filternde Kleidung als Alternative an. Es gibt T-Shirts und Hosen aus Materialien, die besonders dicht gewebt sind oder spezielle Fasern enthalten, sodass nur ein Bruchteil der UV-Strahlen auf die Haut gelangt.

Wer auch das nicht mag, dem bleibt die unkomplizierteste Variante des Sonnenschutzes: einfach zwischen elf und 15 Uhr, wenn die Sonne am höchsten steht und am stärksten strahlt, konsequent im Schatten bleiben.


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