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Diabetes und Herzschwäche: So gehen Sie damit um

Diabetes erhöht das Risiko für eine Herzschwäche. Je früher sie festgestellt und behandelt wird, desto ­besser lässt sich damit leben

von Dr. Sabine Haaß, 04.09.2019
Stethoskop

Bei Herzschwäche sollte regelmäßig Blutdruck und Blutzucker kontrolliert werden


Das Wichtigste in Kürze

  •  Diabetiker erkranken häufiger an Herzschwäche. Schuld ist neben Durchblutungsstörungen und Bluthochdruck auch der Diabetes
  • Medikamente, viel Bewegung, die regelmäßige Kontrolle von Gewicht und Blutdruck und auch gute Zuckerwerte können die Herzschwäche in Schach halten

Eigentlich tat ihm nur der linke Arm weh. Ulrich H. ging zum Arzt. Und war von einem Tag auf den anderen seinen Job als Raumausstatter los — wegen Herzschwäche. Mit 50 Jahren Rentner: ein schwerer Schlag. Heute, gut 25 Jahre später, kann er gelassen darüber sprechen. "Es hat mindestens ein Jahr gedauert, bis ich darüber weg war", erinnert er sich. Obwohl er nichts davon gespürt hatte, schlug sein Herz damals nur noch mit halber Kraft. "Die Herzmuskelschwäche durch eine verschleppte Grippe hatte ich wohl schon länger", erzählt Ulrich H. "Wie auch den Diabetes, der gleichzeitig festgestellt wurde."Beide Krankheiten kommen häufig gemeinsam vor. Menschen mit Typ-2-Diabetes haben ein zweieinhalbfach höheres Risiko für eine Herzschwäche als Nicht-Diabetiker. "Im Durchschnitt erkranken sie zudem 15 Jahre früher", sagt Professor Dr. Christoph Maack, Kardiologe und Sprecher des Deutschen Zentrums für Herzinsuffizienz am Universitätsklinikum Würzburg. "Umgekehrt tritt Diabetes bei Menschen mit Herzschwäche viermal so oft auf wie bei Herzgesunden."

Geringere Pumpleistung

Von Herzschwäche oder Herzinsuffizienz sprechen die Ärzte, wenn das Herz nicht mehr genug Blut in den Körper pumpt, um alle Organe ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen zu versorgen. Darunter leiden vor allem Gehirn und Muskeln. Im Herzen und in den Lungengefäßen dagegen staut sich das Blut, aus den Gefäßen sickert Wasser in die Lungen. Bemerkbar macht sich ein geschwächtes Herz meist durch Leistungsabfall, Müdigkeit, Konzentrationsprobleme oder Luftnot bei Anstrengungen. Auch geschwollene Knöchel, nächtlicher Harndrang oder Herzrhythmusstörungen können auf eine Herzinsuffi­zienz hindeuten. "Bei solchen Symp­tomen sollten Sie schleunigst zum Arzt gehen", rät Experte Maack. "Denn je früher eine Herzschwäche entdeckt und behandelt wird, desto besser und länger können Sie damit leben."

 

Hauptursachen sind Durchblutungs­störungen durch verengte Herzkranzgefäße oder einen Infarkt und hoher Blutdruck. Aber auch Diabetes und Herzmuskelentzündungen, wie bei Ulrich Hamm, sowie Klappenfehler können zu Herzschwäche führen (siehe Grafik unten). "Die Diagnose stellt der Arzt unter anderem anhand eines Bluttests und der Ultraschalluntersuchung des Herzens", sagt Dr. Martin Prohaska, Diabetologe und Kardiologe in Mühldorf am Inn. Welche Ursachen hinter der Herzschwäche stecken, muss der Arzt bei jedem Patienten herausfinden und sie nach Möglichkeit gezielt behandeln. Zum Beispiel mittels Herzkathe­ter-Untersuchung: Stellt der Arzt dabei verengte Herzkranzgefäße fest, kann er sie gleich aufdehnen oder durch Einbringen eines Röhrchens aus Drahtgeflecht (Stent) offen halten.

 

Warum das Herz schwächer wird: Ursachen und Risikofaktoren

Infografik Herz

Gegen die Herzschwäche verschreibt der Arzt in der Regel eine Kombina­tion verschiedener Tabletten. Genauso wichtig ist die Behandlung anderer Krankheiten, die zur Herzschwäche beigetragen haben: Blutdruck, Blutzucker und Blutfettwerte sollten möglichst gut eingestellt sein. Die verordneten Medikamente helfen, das Herz zu entlasten — etwa indem sie den Blutdruck senken und die Wirkung von Stresshormonen auf das Herz abmildern. "Auch ein Präparat speziell gegen Herzschwäche kann der Arzt verschreiben", sagt Diabetologe Prohaska. "Zur Diabetes­therapie eignen sich zuckersenkende Medikamente, die sich auch günstig auf das Herz auswirken, etwa sogenannte SGLT-2-Hemmer."

Bewegung ist gut fürs Herz

Menschen mit Herzschwäche können selbst viel tun, um die Krankheit nicht zu verschlimmern und ihre Lebensqualität zu verbessern. Dazu gehört nicht nur, die verordneten Tabletten zuverlässig einzunehmen. Ulrich H.ist ein vorbildlicher Patient: Er hat 30 Kilo abgenommen, das Rauchen aufgegeben und trinkt nur noch alkoholfreies Bier. Er geht viel spazieren und unterstützt seine Frau beim Gärtnern. "Je mehr Bewegung, desto besser fürs Herz", sagt Kardiologe Maack. "Empfehlenswert sind auch Walken, Radfahren oder Schwimmen." Wie viel man sich zumuten darf, sollte man unbedingt mit seinem Hausarzt besprechen. Wer die Möglichkeit hat, kann sich einer ärztlich betreuten Herzsportgruppe anschließen. Wichtig ist zudem, sich regelmäßig zu wiegen, Blutdruck und Blutzucker zu kontrollieren. Ulrich H. misst täglich zweimal seine Werte und steigt auch auf die Waage. So merkt er, wenn er aufgrund von Wasser­­einlagerungen im Körper plötzlich zunimmt. Dann können er und sein Arzt rasch gegensteuern.

Rat aus der Apotheke

Wer an Herzschwäche erkrankt ist, braucht meist mehrere ­Medikamente.­ Erst recht, wenn Bluthochdruck oder Diabetes hinzukommen. "Achten Sie auf Wechselwirkungen, wenn Sie weitere Arzneimittel einnehmen", sagt Apothekerin Anja Müller aus Gelsenkirchen-Erle. Das betrifft etwa bronchien­­erweiternde Sprays oder rezeptfreie Schmerzmittel wie Ibuprofen. "Fragen Sie immer bei Ihrem Apotheker nach", rät Müller. Noch ein Tipp: Wasser­­tabletten morgens einnehmen. Dann muss man nachts seltener zur Toilette.

Vor fünf Jahren erlebte Ulrich H. trotzdem einen Rückfall: "Wasser in der Lunge, nur noch 17 Prozent Pump­leistung", berichtet er. In der Klinik setzte man ihm wegen seiner Rhythmusstörungen einen speziellen Schrittmacher mit Defibrillator ein. Seitdem arbeitet sein Herz wieder deutlich besser. Mit seinem Leben ist er zufrieden. "Natürlich kann ich manches nicht mehr machen, etwa Fußball spielen", sagt er. "Aber ich habe gelernt, dass man die Krankheit annehmen muss. Nur so kann man gut mit ihr leben." Seine Erfahrungen gibt er in einer Selbsthilfegruppe für Menschen mit Herzschwäche und "Defi" weiter, die er mitgegründet hat. Zudem berät er noch heute seinen Sportverein. Beides macht ihm Freude — auch mit Herzschwäche und Diabetes.


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