Insulin: Das Diabetes-Hormon

Viele Menschen mit Diabetes benötigen Insulin. Wie es wirkt, welche Insulinarten und Insulintherapien es gibt, wie Patienten Insulin richtig spritzen
aktualisiert am 24.11.2017

Der Insulinpen: Für viele Menschen mit Diabetes ein wichtiger Begleiter im Alltag

W&B/Simon Katzer

Insulin ist ein wichtiges Hormon für den Stoffwechsel im menschlichen Körper. Es dient vor allem dazu, Traubenzucker (Glukose) aus dem Blut in die Zellen weiter zu schleusen. Dort werden die Zuckermoleküle zur Energiegewinnung benötigt.

Bei Diabetes ist dieser Vorgang gestört. Viele Patienten benötigen eine Behandlung mit Insulin, um ihre Zuckerwerte stabil zu halten. Der Großteil der Diabetiker mit einer Insulintherapie spritzt sich das Insulin mithilfe eines Pens in das Unterhautfettgewebe. Wie das geht, lernen sie in Schulungen zu Beginn der Behandlung.

Typ-2-Diabetes: Insulin wirkt schlechter

Beim Typ-2-Diabetes, der mit Abstand häufigsten Diabetesform, sprechen die Körperzellen schlechter auf Insulin an. Die Folge dieser Insulinresistenz ist, dass nicht mehr ausreichend Zucker aus dem Blut in die Zellen weitergeleitet wird und sich in den Blutbahnen anstaut.

Zunächst reichen in der Regel Medikamente aus, um die Krankheit zu behandeln. Im späteren Verlauf lässt beim Typ-2-Diabetes jedoch oft die Insulinproduktion der Bauchspeicheldrüse nach, sodass Patienten Insulin spritzen müssen. Ein geringerer Teil der Patienten – meist normalgewichtige und schlanke Patienten – hat das Problem der nachlassenden Insulinproduktion von Anfang an und muss oft rasch mit Insulin behandelt werden.

Typ-1-Diabetes: Nicht genug Insulin

Anders sieht es beim selteneren Typ-1-Diabetes aus. Er entsteht, wenn das Immunsystem aus bislang ungeklärten Gründen die Insulin produzierenden Beta-Zellen der Bauchspeicheldrüse angreift. Betroffene benötigen deswegen meist direkt nach der Diagnose und lebenslang Insulin.

Schnelle und langsame Insuline

In der Diabetesbehandlung kommen verschiedene Insulinarten zum Einsatz. Die meisten heute gebräuchlichen Insuline werden künstlich hergestellt. Die Produktion im Labor erlaubt es, die Wirkung zu manipulieren. So gibt es Analoginsuline, bei denen die Blutzucker senkende Wirkung schnell eintritt und nur kurze Zeit andauert. Sie dienen dazu, Blutzucker-Anstiege nach den Mahlzeiten abzufangen und die natürlichen Insulinanstiege nach dem Essen nachzubilden.

Daneben gibt es langwirkende Insuline, deren Wirkung bis zu einen Tag oder länger anhält. Sie sollen als sogenanntes Basalinsulin die natürliche Nüchtern-Insulinausschüttung der Bauchspeicheldrüse nachahmen. Diese gibt fortlaufend kleine Mengen des Hormons in die Blutbahnen ab, um den Zuckerspiegel stabil zu halten.

Mehr zu den unterschiedlichen Insulinarten lesen Sie hier.

Insulintherapien bei Typ 1 und Typ 2

Vielfalt gibt es auch bei den Therapieformen. Für Menschen mit Typ-1-Diabetes ist eine intensivierte konventionelle Insulintherapie (ICT) Standard. Patienten spritzen dabei ein- bis zweimal täglich ein Langzeitinsulin sowie zu den Mahlzeiten oder für kurzfristige Korrekturen ein schnelles Insulin. 

Viele Patienten nutzen zudem eine Insulinpumpe. Dabei handelt es sich um ein kleines Gerät, das am Körper getragen wird und das über einen Katheter laufend Insulin ins Unterhautfettgewebe abgibt. Die Krankenkassen übernehmen die Kosten aber nur in bestimmten Fällen.

Bei Typ-2-Diabetes verordnet der Arzt Insulin, wenn Tabletten allein nicht mehr zur Regulierung des Blutzuckers ausreichen. Dann gibt es wiederum verschiedene Strategien. Manche Patienten erhalten nur einmal am Tag ein Langzeitinsulin, andere spritzen zu den Mahlzeiten ein schnell wirkendes Insulin. Bei Bedarf können Menschen mit Typ-2-Diabetes auch eine intensivierte konventionelle Insulintherapie durchführen.

Geschichte des Insulins

Bis in die 20er-Jahre des 20. Jahrhunderts wurden Typ-1-Diabetiker mit rigorosen Diäten behandelt – letztlich immer erfolglos.

1921 gelingt es den Forschern Frederick Banting und  Charles Best in Kanada, aus Bauchspeicheldrüsengewebe von Hunden einen blutzuckersenkenden Stoff zu extrahieren: Insulin.

1922 wird der erste Mensch mit Insulin behandelt: der 23-jährige Leonard Thompson.

1923 erhält Banting zusammen mit John Mcleod für seine Entdeckung den Nobelpreis für Medizin.

1936 entwickelt Hans Christian Hagedorn das NPH-Insulin – das erste Insulin mit Langzeitwirkung.

1955 wird die chemische Struktur des Insulins entschlüsselt.

1982 wird das erste aus Bakterien gentechnologisch hergestellte Insulin entwickelt. Es entspricht in seiner Zusammensetzung dem menschlichen Insulin und heißt Humaninsulin. Davor wurden vor allem Schweine- und Rinderinsulin für die Diabetestherapie verwendet.


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