Die Insulinarten

Bei der Insulintherapie kommen verschiedene Insulinarten oder Kombinationen zum Einsatz. Ein Überblick über lang wirkende und kurz wirkende Insuline

aktualisiert am 24.11.2017

Pens können mit unterschiedlichen Insulinen befüllt sein


Für die Insulintherapie ist in Deutschland eine Vielzahl von Insulinen erhältlich. Sie lassen sich nach ihrer Herstellung und nach ihrer Wirkdauer unterscheiden.

In Deutschland vertriebenes Insulin wird gentechnisch im Labor hergestellt. Humaninsulin gleicht dabei in seiner Struktur dem menschlichen Insulin. Analoginsuline besitzen dagegen einen veränderten Aufbau. Sie wirken deswegen besonders schnell und kurz oder besonders langsam und lange im Vergleich zu normalem Insulin.

Wichtig: Alle folgenden Angaben zu Eintritt, Maximum und Dauer der Wirkung sind grobe Richtwerte. Die tatsächliche Wirkung eines Insulinpräparats kann sich von Patient zu Patient stark unterscheiden.

1. Schnell wirkende Insuline

Sie dienen in der Diabetestherapie dazu, den Insulinbedarf zu den Mahlzeiten abzudecken, den sogenannten Bolus. Zudem lassen sich akut zu hohe Blutzuckerwerte mit einer Dosis schnell wirkenden Insulins korrigieren.

Schnelle Insuline haben im Vergleich zum Humaninsulin den Vorteil, dass sich mit ihnen Blutzuckeranstiege nach dem Essen leichter abfangen und Unterzuckerungen infolge zu langer Wirkung besser vermeiden lassen.

Die Blutzucker senkende Wirkung tritt meist nach rund zehn bis 30 Minuten ein, bei besonders schnellem Turbo-Insulin sogar nach fünf Minuten. Der Zeitpunkt der größten Wirkung wird oft nach rund einer Stunde erreicht, bevor diese nach etwa drei Stunden abebbt. Bei Humaninsulin wird der Höhepunkt erst nach zwei bis drei Stunden erreicht. Die Wirkung kann bis zu acht Stunden andauern.

Je nach Insulinpräparat, Patient und dem aktuellen Blutzuckerspiegel kann es sinnvoll sein, schnelles Insulin eine bestimmte Zeit vor dem Essen zu spritzen. Das soll je nach geplanter Mahlzeit verhindern, dass die Werte zu stark ansteigen, bevor das Insulin wirkt. Wann es sinnvoll ist, einen Spritz-Ess-Abstand einzuhalten und wie lang dieser sein sollte, klären Menschen mit Diabetes immer mit ihrem Arzt im Rahmen der Therapie-Einstellung. Dank moderner Turbo-Insuline ist ein Spritz-Ess-Abstand heute oft unnötig.

Info: Insulinkonzentration

Insulin für Patronen und Pumpen ist meist in der Konzentration U100 erhältlich. U100 bedeutet, dass ein Milliliter Flüssigkeit 100 Einheiten Insulin enthält. Langzeitinsuline gibt es vereinzelt auch in U200 und U300. Die höhere Konzentration soll die Wirkdauer verlängern und das Volumen der Injektion reduzieren. In Deutschland gibt es als einzigem europäischen Land zudem noch U40-Insulin. Die Injektion muss immer mit dem jeweils zur Insulinkonzentration passenden Pen erfolgen, um Fehldosierungen zu vermeiden.

2. Lang wirkende Insuline

Sie decken den von den Mahlzeiten unabhängigen Grundbedarf des Körpers an Insulin ab. Lang wirkende Insuline heißen auch Basalinsuline. Patienten spritzen sie in der Regel ein- oder zweimal täglich. Lang wirkende Insuline sollen die natürliche Aktivität der Bauchspeicheldrüse unabhängig vom Essen nachahmen. Diese gibt laufend kleine Mengen an Insulin in die Blutbahnen ab, um die Zuckerwerte stabil zu halten.

Auch bei den Langzeitinsulinen gibt es verschiedene Präparate, die sich in ihrem Verhalten unterscheiden. Die Wirkung tritt nach einer Stunde oder später ein und endet nach rund 16 bis 24 Stunden. Da sie eine flache Wirkungskurve besitzen, haben sie kein so ausgeprägtes Maximum wie andere Insulinarten.

Verzögerungsinsuline bilden einen Mittelweg  zwischen kurz und lang wirkenden Insulinen. Sie heißen auch Intermediärinsuline. NPH-Insulin (Neutral Protamin Hagedorn) ist Humaninsulin, dass durch den Zusatz von Protamin verspätet seine Wirkung entfaltet. Es besitzt einen ausgeprägteren Wirkhöhepunkt als echtes Langzeitinsulin. Die Gefahr nächtlicher Unterzuckerungen ist bei Verzögerungsinsulin größer als bei den Langzeitinsulinen.

3. Mischinsuline

Mischinsuline enthalten ein kurz und ein lang wirksames Insulin. Es gibt sie in unterschiedlichen Mischungsverhältnissen (z.B.: 30/70 = 30 Prozent schnell wirkendes Insulin, 70 Prozent lang wirkendes Insulin). Der Anteil kurz wirksamen Insulins liegt etwa zwischen 25 und 50 Prozent. Mischinsuline kommen im Rahmen der konventionellen Therapie (CT) zum Einsatz und sind vor allem für Menschen geeignet, die einen regelmäßigen Tagesablauf mit festen Essens- und Bewegungsgewohnheiten von Tag zu Tag haben.


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