Insulin

Insulin wird in der Bauchspeicheldrüse gebildet. Das Hormon befördert Zucker aus den Blutbahnen in die Zellen. Bei Diabetes ist dieser Ablauf gestört

aktualisiert am 25.09.2015
Funktionstest bei Insulinpen

Viele Diabetiker spritzen sich regelmäßig Insulin, um den Blutzucker zu senken


Das Hormon Insulin nimmt im menschlichen Zuckerstoffwechsel eine entscheidende Rolle ein. Gebildet wird es in den Beta-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas). Der Name Insulin leitet sich davon ab, dass die Betazellen in Zellansammlungen liegen, die nach ihrem Entdecker "Langerhans-Inseln" genannt werden. Insula ist das lateinische Wort für Insel.

Insulin: Wichtig zur Energiegewinnung

Kohlenhydrate aus der Nahrung spaltet das Verdauungssystem zu Einfachzuckern wie Traubenzucker (Glukose). Dieser geht aus dem Darm ins Blut über. Der Körper schüttet nun verstärkt Insulin aus. Das Hormon soll den Zucker aus dem Blut in die Zellen schleusen, die diesen zur Energiegewinnung benötigen. Dazu dockt Insulin an bestimmten Rezeptoren an den Zellen an. Das führt dazu, dass in die Zellwand vermehrt Glukosetransporter, also quasi "Türen" für Glukose eingebaut werden.

Bei gesunden Menschen schüttet die Bauchspeicheldrüse rund um die Uhr in kurzen Abständen geringe Mengen Insulin aus. Damit wird gewährleistet, dass die Zellen ständig mit Energie versorgt werden. Zu den Mahlzeiten, wenn der Blutzuckerspiegel steigt, wird zusätzliches Insulin ausgeschüttet. Die Wirkung des Hormons setzt schnell ein und lässt nach kurzer Zeit nach.

Wird der Zucker aus dem Blut weitergeleitet, sinkt der Blutzuckerspiegel wieder, der nach dem Essen angestiegen war. Bei Gesunden liegt der Blutzuckerspiegel nüchtern unter 100 Milligramm pro Deziliter (mg/dl) beziehungsweise unter 5,6 Millimol pro Liter (mmol/l). Zwei Stunden nach dem Essen liegt der Blutzuckerspiegel bei Gesunden normalerweise nicht über 140 mg/dl (7,8 mmol/l). Insulin fördert neben seiner Wirkung auf den Blutzucker den Aufbau von Körpereiweiß und hemmt den Abbau von Fettgewebe.

Diabetes: Insulin fehlt oder wirkt nicht richtig

Der Insulinstoffwechsel kann aus verschiedenen Gründen gestört sein. Zum Beispiel kann eine Autoimmunreaktion auftreten, bei der das Immunsystem die Beta-Zellen der Bauchspeicheldrüse zerstört. Betroffene stellen kein oder kaum eigenes Insulin mehr her – ein Typ-1-Diabetes entsteht. Patienten müssen sich fortan von außen mit Insulin versorgen, entweder mittels Insulinpumpe oder indem sie es spritzen. Wie es zu dieser Autoimmunreaktion kommt, ist noch nicht geklärt.

Weit häufiger ist allerdings der Fall, dass die Zellen zunehmend schlechter auf Insulin ansprechen. Ärzte nennen das Insulinresistenz. Als Folge gelangt nicht genug Zucker in die Zellen, er staut sich in den Blutgefäßen. Es kommt zu einem Typ-2-Diabetes, der häufigsten Form der Zuckerkrankheit.

Insulin zur Diabetes-Behandlung

Lange Zeit gab es keine Möglichkeit, das fehlende Insulin bei Diabetespatienten zu ersetzen. Erst 1922 gelang es den kanadischen Forschern Banting und Best, Insulin aus der Bauchspeicheldrüse von Tieren zu isolieren und für die Diabetestherapie nutzbar zu machen. Heute werden für die Behandlung von Diabetikern künstlich hergestellte Humaninsuline verwendet und zunehmend auch Analoginsuline, die zum Beispiel eine sehr kurze oder sehr lange Wirkung haben können. Kurzwirkende kommen zum Essen oder zur schnellen Korrektur erhöhter Werte (Bolus) zum Einsatz. Langwirkende Insuline dienen dazu, die Basisversorgung des Körpers sicherzustellen, die sogenannte Basalrate.

In Deutschland werden zahlreiche Diabetespatienten mit Insulin behandelt. Darunter vor allem Menschen mit Typ-1-Diabetes, aber auch mit Typ-2-Diabetes. Letztere bilden zwar meist zu Beginn noch eigenes Insulin. Doch im Verlauf der Erkrankung lässt die Insulinproduktion oft nach, sodass sie wie Typ-1-Diabetiker auf eine Insulinzufuhr von außen angewiesen sind.