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Insulin: Die Angst vor der Spritze überwinden

Viele Menschen mit Typ-2-Diabetes haben regelrecht Scheu davor, eine Insulintherapie zu beginnen. Viele Sorgen sind aber unberechtigt – oder lassen sich leicht ausräumen

von Stephan Soutschek, aktualisiert am 23.01.2017
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Insulin spritzen: Mit der richtigen Technik geht´s leichter


Wahrscheinlich spritzt niemand, der Diabetes hat, gerne Insulin. Manche entwickeln aber eine regelrechte Angst oder Scheu davor – auch wenn heutige Pens schon rein äußerlich weniger furchterregend wirken als die Spritzen, mit denen Patienten sich früher ihr Insulin verabreichen mussten. Was hilft, das Unbehagen gegenüber dem Spritzvorgang zu überwinden?

Insulintherapie: Gewisse Gewöhnungszeit ist normal

Zunächst einmal sollte man festhalten: Das Spritzen oder allein den Gedanken daran als unangenehm zu empfinden, ist nur zu natürlich. "Die Haut stellt die Barriere zwischen Mensch und Umwelt dar", erklärt Dr. Christopher Scheff. Der Fachpsychologe Diabetes (DDG) berät in seiner Praxis nahe Würzburg Menschen mit Diabetes zu psychischen Fragen, die die Krankheit mit sich bringt. Die Haut schützt den Körper vor Krankheitserregern. Die Furcht, dass etwas diese Barriere beschädigt, macht evolutionär betrachtet also Sinn.

Die richtige Spritztechnik vermeidet Schmerzen

Zu Beginn einer Insulintherapie ist es deshalb nicht ungewöhnlich, dass der Betreffende sich erst einmal daran gewöhnen muss, bis das Spritzen zum Alltag gehört und kein Problem mehr darstellt. "Kühlende Sprays können dabei helfen, die Stichschmerzen zu lindern", rät Scheff. Patienten sollten sich die richtige Spritztechnik zu Beginn der Therapie immer vom Fachmann zeigen lassen. Ein Tipp von Scheff: Lieber kurz mit Schwung einstechen, als langsam den Auslöseknopf herunterzudrücken, wozu gerade ängstlichere Menschen neigen. Das tut weniger weh. Außerdem sollte die schräge Seite der Pennadel beim Aufsetzen auf der Haut nach oben zeigen.

Bleibt das Spritzen über längere Zeit unangenehm oder ist gar mit Schmerzen verbunden, sollten Patienten bei ihrem Diabetologen nachfragen. Möglicherweise verwenden sie die falsche Technik oder setzen den Pen an der verkehrten Stelle an. Unter Umständen ist auch die falsche Nadel für die Beschwerden verantwortlich. Ist sie zu lang, dringt sie in das Muskelgewebe ein, was schmerzhaft sein kann. Außerdem sollten Patienten sie nach jedem Spritzen wechseln. Kommt die Nadel häufiger zum Einsatz, stumpft ihre Spitze ab, was ebenfalls wehtun kann.

Eine Versuchung, der Patienten nicht erliegen sollten: Insulin immer in die gleiche Stelle spritzen. Dann verhärtet sich nämlich das Gewebe. Dadurch wird es eventuell unempfindlicher und der Einstich tut vielleicht weniger weh, aber diese Stellen nehmen Insulin schlechter auf.

Eine echte Spritzenphobie ist selten

Einige Menschen empfinden schon angesichts des Pens einen regelrechten Horror, was sich in Schweißausbrüchen und Herzrasen bemerkbar machen kann. Bei ihnen liegt möglicherweise eine Spritzenphobie vor. Diese lässt sich mit einer Verhaltenstherapie behandeln. Eine echte Spritzenphobie ist jedoch selten.

Sorgen vor Beginn der Insulintherapie klären

Gerade wenn ein Patient mit Typ-2-Diabetes davor zurückschreckt, mit der Insulinbehandlung zu beginnen, liegen in der Regel andere Ängste vor. Im Idealfall sprechen die Betroffenen diese selbst beim Arzt oder der Diabetesberaterin an. Ansonsten müssen die Experten versuchen, den Ursachen einer Unsicherheit auf die Spur zu kommen, wenn sie diese bei einem Patienten bemerken. Im Rahmen eines Gesprächs oder einer Diabetesschulung lassen sich Befürchtungen gegenüber einer Insulintherapie oft ausräumen.

Zum einen scheuen sich viele Patienten vor einer Umstellung auf Insulin, weil sie glauben, dass der Diabetes jetzt in ein neues, schwereres Stadium übergeht. Solange die Zuckerkrankheit nur mit Medikamenten zum Einnehmen behandelt wird, scheint sie dagegen noch relativ harmlos. Das ist aber nicht der Fall. Im Gegenteil: Insulin kann dazu beitragen, die Blutzuckerwerte besser in den Griff zu kriegen und damit Langzeitfolgen zu vermeiden.

Angst vor der Gewichtszunahme

Viele fürchten, durch das Insulin zuzulegen. Ganz von der Hand zu weisen ist das nicht. Tatsächlich nehmen viele Patienten erst einmal etwas zu, wenn sie mit der Insulinbehandlung starten. Das hat mehrere Gründe: "Wenn der Zucker über längere Zeit erhöht war, hat der Körper über den Urin vermehrt Zucker ausgespült", so Psychologe Scheff. "Normalisiert sich durch Insulin der Blutzucker, speichert der Körper wieder vermehrt Wasser." Die Waage zeigt dann mehr an – allerdings handelt es sich bei den zusätzlichen Kilos um Wasser, nicht um Fettgewebe.

Zum Teil kommt es aber auch zu einer echten Gewichtszunahme. Das liegt daran, dass Insulin den Zuckerstoffwechsel verbessert und der Körper deshalb mehr Energie speichert. Das ändert aber nichts daran, dass eine Insulinbehandlung wichtig ist, um die Blutzuckerwerte in den Griff zu kriegen und die Gefahr von Diabetes-Folgeerkrankungen zu verringern. Eine Ernährungsberatung kann helfen, Gewichtsproblemen nach Beginn der Insulintherapie vorzubeugen.

Risiko Unterzucker?

Auch die Furcht vor einem erhöhten Unterzucker-Risiko kann Menschen mit Typ-2-Diabetes von der Behandlung mit Insulin abhalten. In diesem Fall gilt wieder: Mit dem Arzt abstimmen, welches Therapieschema für einen am besten infrage kommt. Die Gefahr von Unterzuckerungen ist bei den verschiedenen Behandlungsformen verschieden hoch. Eine Schulung kann dazu beitragen, Unsicherheit abzubauen. In dieser lernen die Teilnehmer, wie sie Unterzuckerungen erkennen und rechtzeitig gegensteuern.

Scheff empfiehlt, vor einer Insulintherapie den Blick von den möglichen Problemen wegzurichten – und stattdessen mehr auf die Vorteile zu schauen: "Zum Beispiel die Möglichkeit, sich gelegentlich auch wieder mal ein Stückchen Kuchen genehmigen zu können, ohne ein schlechtes Gewissen zu bekommen." Wer mit dem Insulinspritzen anfängt, stellt zudem meist fest, dass es gar nicht so schlimm ist, wie man davor dachte.


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