Insulin als Tablette?

Schlucken statt spritzen: Ein Test mit Insulin als Tablette verlief erfolgreich. Die Studienleiterin Dr. Leona Plum-Mörschel warnt aber vor Euphorie

von Stephan Soutschek, 11.12.2017

Insulin in Tablettenform wird vorerst nicht auf den Markt kommen


Insulin als Tablette – warum gibt es das nicht schon längst?

Bei der Insulin-Aufnahme als Tablette gibt es mehrere Probleme. Da Insulin ein Eiweiß ist, würde der Magen-Darm-Trakt es schnell verdauen. Davor muss die Insulin-Tablette mit einem speziellen Überzug geschützt werden. Zudem lässt sich die Wirkung schlechter steuern als beim Spritzen ins Unterhautfettgewebe.

Aber bei Ihrer Studie hat es geklappt?

Es war die erste methodisch hochwertige Studie, bei der es gelang, bei Menschen mit Typ-2-Diabetes gespritztes Langzeitinsulin durch Insulin in Tablettenform zu ersetzen. Nach einem Untersuchungszeitraum von acht Wochen gab es zwischen beiden Behandlungen keine bedeutsamen Unterschiede.

Wird die Tablette bald auf dem Markt verfügbar sein?

Nein. Der Hersteller hat die Pro­duktion eingestellt, aus Kostengründen. Für die Tablette wird 50-mal so viel Insulin benötigt wie beim Spritzen. Das macht das Produkt schlicht zu teuer.

Wie geht es weiter?

Der Hersteller arbeitet nun mit wissenschaftlichen Instituten daran, die Technologie der Tablette zu verbessern. Ob das klappt und wie lange das dauert, kann ich nicht sagen. Für die nächsten Jahre kann man eine Markteinführung aber definitiv ausschließen.

Dr. Leona Plum-Mörschel ist Geschäftsführerin am Profil Institut für Stoffwechselforschung in Mainz


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