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03.07.2020: Bei dir piept`s wohl!

Selbst ist die Frau. Muss sie sein. Bei Isabelle Fabian gehen Dinge meist dann kaputt, wenn der Mann im Hause abwesend ist. Nun sind Haushaltsgeräte nicht lebensnotwendig. Ein Insulin-Pen dagegen schon

von Isabelle Fabian , 03.07.2020

Murphys Gesetz hat mal wieder zugeschlagen. Was schiefgehen kann, wird auch schiefgehen. Kann es ja von mir aus. Aber warum denn immer dann, wenn mein Mann nicht da ist? Erst spinnt die Spülmaschine, dann das Handy von Konstantin und nun auch noch der smarte Insulin-Pen. Nur mal schnell die abgespritzten Einheiten des Tages in der Memory-Funktion checken und ins Buch nachtragen. Kann ich knicken! Beim Abendessen war die "Macht" noch mit Konstantin gewesen. Der Laserschwert-Pen wurde geschwungen und erfüllte wunderbar seinen Dienst. Eine halbe Stunde später ist das Teil kaputt.

Ich habe mich am Küchentisch niedergelassen und versuche den penetranten Piepton abzuschalten, indem ich mehrere Tastenkombinationen ausprobiere. Nichts! Der Alarm ist zwar nicht so laut wie der eines Rauchmelders, trotzdem kommen die Kids angerannt und wollen wissen, was los ist. Mathilda, unsere Zweijährige, steckt gerade mitten in einer Gespenster-und-Grusel-Phase. Das furchtbare Geräusch lässt ihre Fantasie wieder mit ihr durchgehen: "Mama, ein Monster!" Da kann ich sie beruhigen. Ein Monster ist es nicht, mit dem ich kämpfe. Damit ich mich besser auf die Fehlersuche konzentrieren kann, verordne ich KiKa. Ich drücke Mathilda noch eine Schüssel mit Gemüsesticks in die Hand. Wenn sich schon der Pen nicht ruhigstellen lässt, so funktioniert das doch zumindest mit den Kindern.

Ich weiß nicht, wie viele Minuten schon vergangen sind, jedenfalls hört das Tinnitus-verursachende Piepen schlagartig auf. Was für eine Wohltat! Diesen Moment nutze ich, um das Gerät erst mal zu laden und die Bedienungsanleitung zur Hand zu nehmen. Leider finde ich nichts Hilfreiches darin, und die Hotline ist um diese Uhrzeit nicht besetzt. Wutausbruch-Emoji. Also wühle ich im Internet nach Infos zur Behebung des Defekts "Warnung, Memory Fehler". Ich finde die virtuelle Anzeige dazu, jedoch keinen Hinweis, wie man das Problem löst. Genauso schlau wie vorher, starte ich einen neuen Versuch und schalte den Pen wieder an. Es klappt! Dann drücke ich auf den Minus-Button, um auf die gespeicherten Injektionen zuzugreifen, und schon geht es wieder los: Piep, Piep, Piep.

Piependerweise rufe ich meinen technisch versierten Mann an. Er meint, ich solle das Teil auf null zurücksetzen. Auf der Rückseite sei eine Miniöffnung, dort müsste ich mit einer Nadel hineinstechen. Ich nehme eine Rouladennadel, doch das Loch ist zu klein. Die Nähnadeln sind nicht auffindbar. Daher versuche ich es mit einer aufgebogenen Büroklammer. Meine Nerven sind durch den lästigen Laut derart strapaziert, dass mir ad hoc nicht einfällt, wo die sind. Mit Telefon am Ohr krame ich in etlichen Schubladen und werde endlich fündig. Die Klammer passt sogar ins Loch, und ich pikse hinein. Doch nichts passiert. "Fühlst du den Knopf in dem Loch?", fragt mein Mann. Sorry, ich habe aber leider keine Gefühle IN der Büroklammer. "Dann probiere es länger, ein paar Sekunden."

Siehe da, der Alarm ist gestoppt! Ich entspanne mich. Herrlich, diese Ruhe! Als ich die Büroklammer zurückziehe, fängt der Pen aber sofort wieder an zu pfeifen, nur diesmal noch lauter und in kürzeren Abständen. Klammer also wieder rein ins Löchlein. Ruhe sanft. Nur kann ich so nicht den ganzen Abend sitzen bleiben. "Leg doch den Pen in den Kühlschrank, dann hörst ihn nicht mehr. Ich kümmere mich später drum", schlägt mein Mann vor. Doch selbst durch die geschlossene Kühlschranktür ist das Piepen zu hören, aber wenigstens in einer Lautstärke, die ich gerade noch so tolerieren kann.

Ich will die Küche gerade verlassen, da höre ich es im Wohnzimmer "scherbeln". Die Gemüseschüssel, der Fußboden und Murphys Gesetz. Meine Mama pflegt immer zu sagen: "Scherben bringen Glück." Vielleicht ja auch diese hier. Ich schalte den Fernseher ab, behebe den Schaden und spule mit Mathilda unser Abendprogramm ab. Wir sind gerade beim Vorlesen, da kommt Konstantin angeflitzt: "Das Piepen hat aufgehört, Mama." Also wieder raus aus den Federn und nachschauen. Tatsächlich. In der Zwischenzeit hat mir mein Schatz etliche Nachrichten geschickt mit Hinweisen, was ich noch ausprobieren soll, um das Ding wieder zum Laufen zu bringen. Ich schalte den digitalen Insulin-Pen wieder an. Keine Fehlermeldung mehr! Zwar ist er zurückgesetzt auf Werkseinstellungen, und ich muss alles neu eingeben, aber er "funktioniert". Haben die Scherben doch Glück gebracht!

Damit nicht noch mehr schiefgeht, beende ich erst einmal das Gute-Nacht-Ritual mit meiner kleinen Tochter. Danach teste ich, ob der Laserschwert-Pen noch spritzen kann. Konstantin braucht sein Gerät ja am nächsten Tag wieder in der Schule. Die restlichen Insulin-Einheiten in der Patrone werden nicht mehr angezeigt. Woher soll das Ding auch wissen, wie viel wir vorher schon verbraucht haben. Patronenwechsel. Ich komme bis zum Entlüften. Danach piept mich das Teil wieder fröhlich an. Ich habe keine Lust mehr. Die Reklamation muss mein Mann übernehmen. Konstantin soll erst mal wieder den alten Einmal-Pen fürs Mahlzeiten-Insulin benutzen. Er nimmt es gelassen: "Wie cool ist das denn? Ich wollte sowieso ein neues weißes Laserschwert." Dazu muss man wissen, dass weiße Lichtschwerter ganz besonders sind. Die gibt es nämlich nur in den Star-Wars-Comics. Sie stehen für Ruhe und Klarheit!


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