Kind mit Typ-1-Diabetes: 9 Tipps für Eltern

"Ihr Kind hat Typ-1-Diabetes." Nach der Diagnose fühlen sich Väter und Mütter oft erst mal allein und überfordert. Hier helfen die Erfahrungen und Tipps unserer Experten
von Tina Haase, 13.11.2017

Wichtig: Als Familie zusammenhalten

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1. Quält euch nicht mit Vorwürfen

"Hätten wir den Diabetes verhindern können?" Eltern quälen sich oft jahrelang mit dieser Frage, obwohl klar ist, dass sie keine Schuld an der Krankheit ­haben. "Bisher kennt niemand die genauen Ursachen für Typ-1-Diabetes. Deshalb können Eltern der Krankheit auch nicht vorbeugen", sagt Diplom-Psychologin ­Laura Galuschka vom Kinder­krankenhaus auf der Bult in Hannover.

2. Macht euch schlau

"Wer im Alltag und in Notsituationen weiß, was zu tun ist, fühlt sich sicherer", sagt Kinderdiabetologin Dr. Kristina Rauh vom Klinikum Chemnitz. Für die Praxis bedeutet das: Nehmen Sie anfangs an den Schulungen im Krankenhaus teil und löchern Sie Arzt und Diabetesberaterin bei den Kontrollterminen mit Fragen. Sie können sich von ihnen auch ein Buch über Diabetes bei Kindern empfehlen lassen. Hilft ebenfalls, um das Wissen zu vertiefen: eine Reha-Kur für kleine Typ-1-Diabetiker. Kinder bis zehn Jahre werden meist von einem Elternteil begleitet. Kinder und Eltern erhalten vor Ort Diabetesschulungen.

3. Nehmt euch Zeit, die Krankheit zu akzeptieren

Der Diabetes ist jetzt da. Er geht nie wieder weg. Das zu begreifen und zu akzeptieren ist ein wichtiger Schritt. Wer bei jedem Blut­zuckermessen oder Katheterwechsel angespannt ist, tut seinem Kind keinen Gefallen. "Natürlich braucht das Zeit", sagt Psychologin Galuschka. "Hilfreich sind Rituale im Alltag und die Unterstützung der Eltern durch das Dia­betesteam. Manchmal benötigen Eltern ­zusätzliche therapeutische Begleitung."

4. Euer Kind ist kein rohes Ei

Kindergarten, Schule, Schwimmen, Reiten, Fußballspielen: Kinder und Jugendliche mit Diabetes dürfen alles weiter machen. Natürlich müssen sie dabei an ihren neuen Begleiter denken. Eltern, Erzieher, Lehrer und Integrationshelfer unterstützen Kinder je nach ­Altersstufe mit der Diabetestherapie, damit sie möglichst normal aufwachsen.

5. Tauscht euch aus

"Der Kontakt zu ­anderen Familien, die ein Kind mit Dia­betes haben, kann entlastend sein", sagt Psychologin Galuschka. Es gibt Selbsthilfegruppen und Vereine, über die man Betroffene findet (z. B. auf diabetes-kids.de). Kinder und Jugendliche treffen auch bei Schulungen und Freizeiten auf andere Kinder mit Diabetes. Ihnen hilft es zu wissen, dass sie mit ihrem Diabetes nicht allein sind.

6. Denkt nicht immer nur an den HbA1c-Wert

Kinderdiabetologin Rauh warnt Eltern davor, sich vom Langzeit-Blutzuckerwert HbA1c verrückt machen zu lassen. Jeder Patient ist anders. Manche haben mit viel Aufwand mäßigen Erfolg. Andere machen nur das Nötigste und erreichen gute Werte. "Bleiben Sie einfach dran, und holen Sie sich Rat beim Dia­betesteam, wenn es nicht gut läuft", empfiehlt die Expertin.

7. Lernt aus Fehlern

Ob beim Berechnen der Kohlen­hydrate oder beim Setzen des Kathe­ters: Fehler passieren. Bitte nicht verzweifeln! "Hauptsache ist zu ­wissen, wie man sich dann hilft", sagt Kinderdiabetologin Rauh. Das lernen Eltern in der Schulung.

8. Bleibt gelassen

Geht ihr Kind in Kindergarten oder Schule, sollten Eltern versuchen, gegenüber Erziehern oder Lehrern Gelassenheit auszustrahlen, auch wenn der kleine Patient gerade erst aus der Klinik kommt und sie sich selbst noch nicht wie Profis fühlen. "Der Diabetes ist gut zu managen. Wir kommen zurecht. Wir schaffen das zusammen." Diese innere Haltung überträgt sich, und so fällt es den Betreuern leichter, das Kind anzunehmen.

9. Haltet als Familie zusammen

Der Diabetes fordert die ganze Familie. "Wichtig ist, dass sich die Eltern gut mit der Therapie auskennen und die Verantwortung teilen", sagt Laura Galuschka. So können sie Überlastungen vorbeugen. Manchmal kommen die Geschwisterkinder zu kurz. Galuschkas Tipp: Regelmäßig eine Exklusivzeit für jedes Kind einplanen. Also: Auf geht‘s mit Mama oder Papa – ins Kino oder zum Stadtbummel!


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