Pflegegeld für Kinder mit Typ-1-Diabetes

Die Lektüre dieses Artikels kann Ihnen Bares ­bringen: Denn Kinder mit Typ-1-Diabetes erhalten seit 2017 leichter Pflegegeld. Dazu: Den Pflegegrad richtig beantragen

von Tina Haase, 08.10.2018
Pflegegrad

Phil (8) hat Typ-1-Diabetes. Seine Eltern (im Bild Mutter Claudia D.) beantragten für ihn einen Pflegegrad – mit Erfolg


Das Leben von Familie D. ist durchgetaktet. Phil (8) hat Typ-1-Diabetes. Sein Blutzucker muss rund um die Uhr überwacht werden. Phils Eltern, Claudia und Ingo D., messen mehrmals am Tag und in der Nacht die Werte. Und zu jeder Mahlzeit geben sie über die Pumpe Insulin ab, das auf die Kohlen­hydratmenge in Phils Portion abgestimmt ist.

Alle paar Tage füllt Claudia D. neues Insulin in die Pumpe, die Phil am Bauch trägt, und setzt einen neuen Katheter, durch den das lebenswichtige Hormon in Phils Körper fließt.

Mehr Arbeit durch den Diabetes

Claudia D. hat viel Arbeit durch Phils Diabetes — deutlich mehr als Mütter mit gesunden Kindern. Deshalb hat ihr Sohn seit ein paar Monaten den Pflegegrad 2, und er erhält Pflegegeld.

Seit 2017 stehen die Chancen gut, für ein Kind mit Diabetes einen Pflegegrad zu bekommen. "Chronisch kranke Kinder und ihre Familien benötigen unsere Unterstützung", sagt Bundesgesundheitsminister Jens Spahn. "Deshalb haben wir mit der Pflegereform den Zugang von Kindern mit Diabetes zu Leistungen der gesetzlichen Pflegeversicherung deutlich verbessert."

Dr. Andrea Kimmel, Gesundheitswissenschaftlerin im Team Pflege des Medizinischen Dienstes des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen in Essen, erklärt: "Eltern pflegebedürftiger Kinder mit Typ-1-Diabetes profitieren seit 2017 von der neuen Art der Begutachtung." Berücksichtigten die Pflegekassen vor 2017 nur die Hilfe bei Körperpflege und Ernährung, kann jetzt auch die Unterstützung bei der Therapie angerechnet werden: zum Beispiel Insulin spritzen, Kohlenhydrate berechnen oder das Begleiten zum Arzt.

Doppelt so viele erhalten Geld

Das spiegelt sich auch in den Zahlen der Medizinischen Dienste der Krankenversicherung (MDK) wider: Während der MDK 2016 nur zehn Prozent der erstmals begutachteten Kinder unter zwölf Jahren mit Typ-1-Diabetes als pflegebedürftig einstufte, waren es im vergangenen Jahr etwa 80 Prozent. Allerdings empfahl er in 60 Prozent der Fälle nur Grad 1; damit bestand kein Anspruch auf Pflegegeld oder Sachleistungen. Dennoch hat sich auch die Zahl derjenigen, die Pflegegeld oder Sachleistungen bekommen — das ist ab Pflegegrad 2 der Fall — von zehn Prozent im Jahr 2016 auf rund 20 Prozent 2017 erhöht.

MDK-Besuch war erfolgreich

Hatte Familie D. 2016 noch eine Ablehnung erhalten, verlief der Antrag bei der Pflegekasse Anfang dieses Jahres erfolgreich: Nach fünf Wochen Wartezeit kam ein Gutachter des MDK.

Er schaute sich an, wofür Phil die Hilfe seiner Eltern braucht, um gut mit seiner Krankheit klarzukommen. Anhand des Blutzuckertagebuchs konnte Claudia D. deutlich machen, dass Phils Werte erheblich schwanken und eine enge Überwachung nötig ist.

Ein paar Tage nach dem Termin traf der Bescheid der Pflegekasse ein: "Wir bekamen auf Anhieb Pflegegrad 2, schlitterten sogar knapp am Grad 3 vorbei, weil Phil neben dem Diabetes noch andere gesundheitliche Probleme wie eine schiefe Wirbelsäule hat, um die wir uns kümmern müssen", sagt Claudia D.

Finanzielle und professionelle Unterstützung

Für Familie D. bedeutet der Pflegegrad 2 finanzielle und professionelle Unterstützung. Monatlich erhält Phil 316 Euro Pflegegeld. Und nicht nur das: Eltern, deren Kind mindestens Grad 2 hat, erhalten auch eine Ersatz- und Kurzzeitpflege erstattet — für jeweils 1612 Euro im Jahr. Die Ersatzpflege kann etwa ein Pflegedienst oder ein privater Helfer übernehmen, wenn die Pflegeperson verhindert ist.

Wer die Kurzzeitpflege nicht in Anspruch nimmt, kann die Hälfte davon, also 806 Euro, zusätzlich in Ersatzpflege umwandeln.

Allen Pflegebedürftigen — also auch den Kindern mit Pflegegrad 1,

die kein Pflegegeld erhalten — steht ein Entlastungsbetrag von 125 Euro monatlich zu, den Pflegekassen nicht auszahlen. Diese Leistung kann etwa für eine Haushaltshilfe oder eine Pflegekraft eingesetzt werden. Das allerdings muss über einen anerkannten Dienstleister laufen. Informationen dazu gibt es bei einem Pflegestützpunkt in Ihrer Nähe (Adressen im Internet unter bdb.zqp.de).

Gute Chancen auf einen Pflegegrad

2017 beantragten die Eltern von rund 800 Kindern mit Typ-1-Dia­betes einen Pflegegrad, jährlich erkranken aber mehrere Tausend neu. "Es hat sich noch nicht herumgesprochen, dass Kinder mit Typ-1-Diabetes gute Chancen auf einen Pflegegrad haben", sagt Professor Dr. Andreas Neu, Kinderdiabetologe am Universitätsklinikum Tübingen. "Bei diesem positiven Trend sollte auch in Diabeteszentren darüber informiert werden."

Phil bekommt die Hilfen erst einmal zwei Jahre lang. Dann begutachtet der MDK erneut.

 

Geldleistungen im Überblick

Ab Pflegegrad 2 gibt es für das betroffene Kind ein monatliches Pflegegeld:

Grad 2 = 316 €

Grad 3 = 545 €


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