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Pumpen-Panik im Schwimmbad

Schwimmbad, toll! Aber mit einem Kind mit Typ-1-Diabetes kann das für Überraschungen sorgen, weiß Autorin Julia Mutz

28.12.2018
Pumpen Panik

Zwei Kinder, eine Insulinpumpe und alle Hände voll zu tun


Dienstags ist bei uns Schwimmbadtag. Dafür packe ich immer mit höchster Konzen­tration die Tasche. Bloß nichts vergessen: Badehose für Anton (4), Schwimm­anzug für Ella (6) und mich. Dreimal Latschen, drei Handtücher, Shampoo nicht vergessen. Ah, und auch nicht die Schwimmflügel. Und ganz viel Essen muss mit. Denn nach dem Baden ist der Hunger bei meinen Kindern, und zugegebenermaßen auch bei mir, immer unbändig groß. Also drei Bananen — Achtung, Quetschgefahr! —, drei Müsliriegel und drei Brötchen einpacken, damit wir es nach Hause schaffen. Ohne Schwächeanfälle!

Bombenalarm in der Umkleide

Auch Ellas Diabetes-Tasche dürfen wir nicht vergessen. Da ist alles zum Blutzuckermessen drin — und Traubenzucker. Ihre Insulinpumpe hat Ella sowieso mit. Die ist wasserfest, und Ella trägt sie auch beim Schwimmen im Bauchgurt. Koppelt man sie ab, piept und vibriert das Ding irgendwann wie außer Rand und Band, weil es keine Verbindung zu Kind oder Sensor findet.

Hatten wir schon mal. Aus Angst vor einer Bombe räumte das Schwimmbadpersonal fast die Umkleide. Noch schlimmer: die Diebstahlgefahr. Nicht auszudenken, wenn die Pumpe für mehrere Tausend Euro aus dem Schwimmbadschrank verschwinden würde.

Ella und Anton machen sich darüber natürlich keine Gedanken. Wenn sie im Wasser sind, vergessen sie alles um sich herum. Sie würden drinbleiben, bis ihnen Schwimmhäute wachsen. Dieses Mal bekomme ich sie nach zwei Stunden raus. Ihr Hunger spielt mir in die Hände.

Piepen ohne Ende

Ab unter die Dusche. Allesamt nackt, nur Ella hat noch die Pumpe im Gurt um den Bauch. Und die beginnt auf einmal zu piepen. Ah, Unterzucker, denke ich. Kein Problem! Nichts da. Ein riesiges rotes Kreuz blinkt auf dem Display. Nichts geht mehr. Ich nehme die Batterie heraus und kopple die Pumpe von Ella ab. Doch sie piept weiter, während mir im Takt des Pieptons der Schweiß von der Stirn tropft. Die Menschentraube um uns drei — immer noch nackt und ziemlich hilflos — wird immer größer. Ich bete, dass die Pumpe Ruhe gibt. Dann endlich: Stille!

Schnell weg hier, anziehen, ab nach Hause. Dort messe ich Ellas Blutzucker: mit 166 ganz passabel. Da ich kein Insulin geben kann, darf das Essen keine Kohlenhydrate haben. Ich schnippele Gurken, Möhren und Kohlrabi, damit Anton und Ella nicht verhungern. Im Eiltempo programmiere ich die Ersatzpumpe. Die Insulinangaben habe ich vom letzten Arztbesuch auf Papier.

Am Abend rufe ich die Pumpenfirma an. "Sicher hatte die Pumpe einen Knacks. Dann ist sie nicht mehr wasserdicht", sagt die Mitarbeiterin. "Offenbar", sage ich. Sie schickt sofort eine neue, die ich am nächsten Tag programmiere. Für den nächsten Notfall.

Seitdem kopple ich die ­Pumpe im Bad ab. Ich schalte sie in den Ruhemodus, den ich gefunden habe, lege sie ins Schließfach. So kann ich mich auf alles ­­andere konzentrieren, was Eltern im Schwimmbad so zu tun haben.


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