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Ich wünsche mir ein Baby!

Schwanger werden mit Diabetes: meist kein 
Problem. Doch manchmal klappt es einfach nicht. Dann heißt es auf Ursachensuche gehen

von Dr. Caroline Mayer, 25.05.2021
Baby greift nach Schnuller

Das Wichtigste in Kürze

Auch Frauen mit Diabetes können in der Regel problemlos schwanger 
werden, wenn die Blutzuckerwerte und das Gewicht stimmen. Bestimmte Hormonstörungen (PCOS) hängen oft mit Übergewicht, zu wenig Bewegung und erhöhten Blutzuckerwerten zusammen. Dies lässt sich, wie auch andere Gründe für einen unerfüllten Kinderwunsch, behandeln.

Jede Frau mit Kinderwunsch sorgt sich, ob auch alles gut geht und sie ein gesundes Baby bekommen kann. Um
so mehr, wenn Diabetes im Spiel ist. Aber wie groß sind die Gefahren für Mutter und Kind? Heute weiß man: Frauen mit Diabetes, die gute Zuckerwerte haben, bringen in der Regel ein gesundes Baby zur Welt. Wichtig ist aber, dass die Schwangerschaft gut geplant und ärztlich betreut wird. Und natürlich, dass die Blutzuckerwerte stimmen.

Was aber tun, wenn sich der Kinderwunsch nicht erfüllt? Kann daran der Diabetes schuld sein? Privatdozentin Dr. Tanja Groten vom Kompetenzzentrum Diabetes & Schwangerschaft in Jena stellt klar: "Wenn eine schlanke Frau mit einem normalen Blutzucker-Langzeitwert nicht schwanger wird, ist in der Regel nicht der Diabetes die Ursache." Jedoch könne etwa Übergewicht die Chance auf ein Baby mindern und zu Problemen in der Schwangerschaft führen.

Wege zum Wunschkind

Als Faustregel gilt: Klappt es mit dem Kinderkriegen länger als ein Jahr nicht, sollte man etwas unternehmen. Die Gynäkologin prüft dann etwa, ob die Eileiter durchgängig sind. Beim Mann steht ein Check der Spermienqualität an. Ist alles in Ordnung, kann ein sogenanntes Zyklusmonitoring die Chancen auf eine Schwangerschaft erhöhen: In der gynäkologischen Praxis wird der Zeitpunkt des Eisprungs bestimmt, sodass das Paar sich darauf einstellen kann. Manchmal werden Hormone verordnet, die das Eizellwachstum fördern. Das steigert zwar die Chance auf eine Schwangerschaft, birgt aber auch ein höheres Risiko für Mehrlinge.

Ist die Spermienqualität verringert, probieren es Ärzte oft mit einer Insemination (IUI): Dabei wird das Sperma in einer Kinderwunschklinik über einen kleinen Schlauch in die Gebärmutter eingeführt. Sind die Eileiter der Frau undurchlässig oder die Spermien nicht beweglich genug, kann eine In-vitro-Fertilisation (IVF) helfen. Dabei spritzen sich Frauen über mehrere Tage selbst Hormone, um möglichst viele Eizellen auf einmal reifen zu lassen. Diese Eizellen werden über eine kleine Operation aus den Eierstöcken entnommen und in einer Petrischale mit den Spermien zusammengebracht. Kommt es zu einer Befruchtung, setzt man einige Tage später ein bis zwei befruchtete Eizellen in die Gebärmutter ein.

Bei der ICSI-Methode lässt man Spermien und Eizellen in der Petrischale nicht von allein verschmelzen, sondern führt eine Samenzelle direkt in eine Eizelle ein. Das erhöht die Wahrscheinlichkeit einer Befruchtung.

Der Blutzucker und die Hormone

Mit IVF und ICSI können Frauen mit Diabetes ebenso schwanger werden wie andere Frauen. Aber: Sie müssen ihren Zucker jetzt besonders im Auge behalten. "Bevor es losgeht, sollte der Blutzucker-Langzeitwert HbA1c unter 7, besser noch unter 6,5 liegen", erklärt Tanja Groten. Zudem ist die Einnahme einer ausreichenden Menge an Folsäure schon während der Kinderwunschbehandlung wichtig. Kommt es tatsächlich zu einer Schwangerschaft, müssen Frauen, die Diabetes-Tabletten wie Metformin einnehmen, diese Medikamente absetzen und ihre Therapie für die Dauer der Schwangerschaft auf Insulin umstellen. Denn die Wirkstoffe der Tabletten gehen im Mutterleib auf den Embryo über und können dem Baby unter Umständen schaden.

Von der Behandlung bis zur Geburt sollte der Diabetes außerdem eng überwacht werden, etwa durch vierzehntägige Kontrollen beim Arzt. Das Hormonkarussell kann den Zucker durcheinanderbringen.

Bei Frauen mit Typ-2-Diabetes ist in einigen Fällen ein sogenanntes polyzystisches Ovarsyndrom, kurz PCOS, für die Kinderlosigkeit verantwortlich. Diese Krankheit tritt häufig in Zusammenhang mit Übergewicht und Diabetes Typ 2 auf. Statt einer einzelnen heranreifenden Eizelle bilden sich in den Eierstöcken der Betroffenen viele kleine Eibläschen, die selten die nötige Größe für einen Eisprung erreichen. Oft sind die Abstände zwischen zwei Blutungen sehr lang. Oder die Monatsblutung bleibt ganz aus. Der Grund: Manche Frauen haben auch zu viele männliche Hormone im Blut. Sie leiden oft an Akne, starker Gesichts- und Körperbehaarung, fettiger Haut und Haarausfall auf dem Kopf.

Weniger Kilos, bessere Chancen

"Das PCOS ist eine der häufigsten Hormonstörungen. Etwa acht bis 13 Prozent aller Frauen im gebärfähigen Alter sind davon betroffen", sagt die Hamburger Kinderwunschspezialistin Privatdozentin Dr. Sabine Segerer. Woher die Störung kommt, weiß man nicht genau. Die gute Nachricht: Mit der richtigen Behandlung können Betroffene häufig auf natürlichem Weg schwanger werden.

Die beste Therapie besteht darin, sich viel zu bewegen sowie sich gesund zu ernähren mit mehrstündigen Pausen zwischen den Mahlzeiten. "Wenn Betroffene ihr Übergewicht abbauen, kommen die Eisprünge und die Fruchtbarkeit häufig von alleine wieder, manchmal schon nach wenigen Monaten", sagt Dr. Christian Albring, Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte. Wie lange das dauere, sei aber individuell sehr unterschiedlich.

Sabine Segerer rät erst dann zu Medikamenten, wenn Bewegung und Abnehmen nicht reichen. So könnten bestimmte Hormone die Eizellreifung unterstützen: "Eine künstliche Befruchtung ist meist aber nicht notwendig und immer nur die letzte Option."


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