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Glück auf Rezept:
Ich war richtig glücklich, als ...

... ich mit meinen pubertären Kindern wandern war. Saftiges Grün, Berge, der Himmel stürmisch bunt von weiß bis schwarz – ein echtes Naturerlebnis, meint Manuela aus Mallorca

von Dr. Eckart von Hirschhausen, 08.11.2016
Kabarettist Dr. Med. Eckart von Hirschhausen

Dr. Eckart von Hirschhausen


Dr. med. Eckart von Hirschhausen, Arzt und Kabarettist, analysiert für Leser des Diabetes Ratgeber individuelle Glücksmomente und stellt für jeden das passende Glücksrezept aus:

Liebe Manuela,

Berge tun gut. Zu allen Zeiten. Selbst in der Zeit der Pubertät. Die Phase, in der bekanntlich die Eltern beginnen, schwierig zu werden. Und mit motzenden Kindern wandern zu gehen ist nicht immer das reine Vergnügen. Als Kind hab ich selber immer rebelliert: "Warum soll ich mit auf den Berg laufen, wir laufen doch nachher sowieso wieder runter, ich bleib hier."

Meine Eltern mussten mich nur ein einziges Mal am Parkplatz unten warten lassen, und ich war "geheilt". Denn der scheinbar leichte Weg, sich nicht anzustrengen und auf dem Parkplatz sich zu Tode zu langweilen, war längst nicht so spannend, wie sich und den Berg aus eigener Kraft zu bezwingen. Seitdem weiß ich: Berge tun gut. Und wandere inzwischen sogar ganz ohne elterlichen Druck freiwillig

In meinem letzten Urlaub war ich zum ersten Mal länger als eine Woche am Stück "trekken" in Nepal. Und den Anblick der Achttausender aus immerhin fast 4.000 selbst erkletterten Metern werde ich nie mehr vergessen. Ich hab natürlich versucht, ein Foto von den Gipfeln zu machen. Und während ich durch den Sucher schaute, ertappte ich mich dabei, in Gedanken den Bergen zuzurufen: "Ey, ich bekomme euch nicht alle auf ein Bild, könnt ihr nicht ein bisschen zusammenrücken?" Aber die Berge bewegten sich nicht. Kein Stück. Und dafür liebe ich sie. Sie sind so erfrischend uneitel.

Gebirgszüge stehen zu ihren Falten. Ihnen ist es total wurscht, ob ich sie fotografiere oder nicht. Sie fangen nicht hektisch an, sich mit ihrem Bergkamm schön zu machen, sobald ein Fotoapparat auf sie gerichtet ist. Sie denken in anderen Dimensionen. Beziehungsweise sie denken nicht – sie meditieren. Sie sind einfach da. Sie ruhen in sich. Sie sind sich selber Fundament genug, und sind von Kleingläubigen so schnell nicht zu versetzen. Wolken kommen und gehen, können mal ihren Gipfel vernebeln, aber das ficht sie nicht an, die Berge wissen, der nächste Wind, der nächste sonnige Tag und die Welt sieht wieder ganz anders aus.

Das Grün der Wiesen ist vergänglich, alles Fleisch ist wie Gras, die Kinder werden größer und irgendwann erwachsen sein und selber wieder mit ihren Kindern über den Unsinn des Rauf- und Runterlaufens raufen. Und die Berge werden all das "aussitzen", ihnen kann keiner. Und auch wenn man den Berg rufen hört, wenn man genauer lauscht, raunt er uns auch noch etwas anderes zu. Nicht nur "bezwing mich", sondern die tiefere, erdverbundene Botschaft der Gipfel lautet leise: "Wenn du dich zu ernst nimmst, machst du was falsch – und zwar Massiv!"


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