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Glück auf Rezept:
Ich war richtig glücklich, als ...

... ich vor 20 Jahren angefangen habe zu schreiben. Inzwischen gebe ich Lesungen. Wenn die Texte gut ankommen, freut mich das, sagt Renate E. aus Hohberg

von Dr. Eckart von Hirschhausen, 08.11.2016
Kabarettist Dr. Med. Eckart von Hirschhausen

Dr. med. Eckart von Hirschhausen


Dr. med. Eckart von Hirschhausen, Arzt und Kabarettist, analysiert für Leser des Diabetes Ratgeber individuelle Glücksmomente und stellt für jeden das passende Glücksrezept aus:

Liebe Renate,

"Was ich dir sagen will, fällt mir so schwer / Das Blatt Papier vor mir bleibt weiß und leer / Ich find die Worte nicht, doch glaube mir / Was ich dir sagen will, sagt mein Klavier." Das Lied wurde durch Udo Jürgens 1967 ein Hit, in meinem Geburtsjahr. Damals konnte ich weder schreiben noch Klavier spielen, aber schon hören! Meine Omi war Udo-Fan, und 40 Jahre später habe ich es immer noch als Erstes im Kopf, wenn es um das Schreiben geht! Ein richtiger Ohrwurm. So was kann Lyrik auslösen. Unauslöschlich. Mit Ihrem Glückstipp sind Sie also nicht allein!

Für mich ist der schönste Moment des Schreibens: mich selber zu überraschen. Neurophysiologen werden sich schwertun, den Kuss der Muse in einem Magnetresonanztomografen-Bild festzuhalten – zu flüchtig, zu hingehaucht. Die Muse küsst nie mit Zunge. Auch kein Bussi-Bussi, rechts-links. Die Muse küsst kurz, intensiv und unvorhersagbar. An Orten, wo man sich sonst nicht unbedingt küssen würde – keine Details. Blöd ist, wenn man dann keinen Stift dabei hat, um die kurze Inspiration in die Welt des Realen zu retten.

Der Trick, um sich selber zu überraschen: einfach drauflos schreiben. Lass die Finger die Arbeit machen, nicht den Kopf. Es schreibt. Es schreibt durch mich. Ich bin nur ein Werkzeug. Und gesagt wird, was gesagt werden muss. Müssen und Muse schließen sich nicht aus. So sind wir nie allein beim Schreiben. Sie, Renate, ja auch nicht: "Ich gebe Lesungen. Neulich vor Schmerzpatienten zu erleben, wie gut die Texte ankommen, ist eine große Freude!"

Worte sind wie Medikamente, und die Dosis macht das Gift. Keine zu finden  oder zu viele. Jemanden "zutexten" ist ein Schimpfwort, was ich auch nur deshalb verwende, weil ich nicht weiß, mit wie viel l man volllabern schreibt. Wer sein Gegenüber ernst nimmt, textet den nicht zu – sondern auf. Ein Wort kann jemanden aufschließen, wenn der Schlüssel passt. Und die Metapher. Aber Vorsicht: Es ist nicht alles ein Vergleich, was hinkt.

Eine der dämlichsten Fragen in der Schule im Deutsch-Unterricht: Was will der Dichter uns damit sagen? Er hat es doch gesagt! Er hat es sogar aufgeschrieben! Aber jede Les-Art ist eben auch eine Kunst. Und das Gedicht entsteht erst beim Lesen, wenn der Betrachter sich zwischen den Zeilen einen eigenen Reim drauf macht. Kommt Ihnen ungereimt vor? Egal. Ich wünsche Renate und allen Lesern und allen Schreibern: Frohes Schaffen! Im doppelten Sinn: Denn wer froh schafft und es schafft, dass das frohe Schaffen und das froh Geschaffene auch noch anderen Freude schafft, hat es geschafft.


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