„Nutzen und Kosten vernünftig abwägen“

Die Kassen müssen sparen — auf Kosten der Patienten? Das fragten wir Professor Dr. Baptist Gallwitz

von Alexandra von Knobloch, 25.05.2018
Tablettenbox

Egal ob Zuckersenker oder Herzmedikament: In Deutschland kommen neue Wirkstoffe auf den Prüfstand


 

2017 wären die Gliptine (Diabetesmedikamente) fast vom Markt genommen worden, weil sich Hersteller und Krankenkassen beim Preis zunächst nicht einigen konnten. Was ist passiert? 
In Deutschland müssen sich neuere Wirkstoffe nach der Einführung einer Prüfung unterziehen. Nur wenn sie beweisen, dass sie besser wirken als ein älteres Vergleichspräparat, zahlen die Kassen den höheren Preis, den die Hersteller fordern.
Patienten fürchten, dass ihnen eine gute Therapie aus Geldgründen weggenommen wird. Zu Recht? 
Prinzipiell ist diese Nutzenbewertung sinnvoll, um sorgfältig mit dem Geld der Versicherten umzugehen. Das Problem ist, dass die Kriterien dafür nicht immer alltagstauglich sind. 

2017 wären die Gliptine (Diabetesmedikamente) fast vom Markt genommen worden, weil sich Hersteller und Krankenkassen beim Preis zunächst nicht einigen konnten. Was ist passiert? 

In Deutschland müssen sich neuere Wirkstoffe nach der Einführung einer Prüfung unterziehen. Nur wenn sie beweisen, dass sie besser wirken als ein älteres Vergleichspräparat, zahlen die Kassen den höheren Preis, den die Hersteller fordern.

Patienten fürchten, dass ihnen eine gute Therapie aus Geldgründen weggenommen wird. Zu Recht? 

Prinzipiell ist diese Nutzenbewertung sinnvoll, um sorgfältig mit dem Geld der Versicherten umzugehen. Das Problem ist, dass die Kriterien dafür nicht immer alltagstauglich sind. 

Experte Prof. Dr. Baptist Gallwitz Tübingen

 

Haben Sie ein Beispiel? 
Bislang wurde fast nur geschaut, ob Patienten durch ein neues Medikament länger leben als durch ein altes — und meist billiges. Wichtig ist aber auch, wie gut ein neuer Wirkstoff die Leistungsfähigkeit erhält oder ob er für bestimmte Organe Vorteile bringt.
Sind Kosten also tatsächlich wichtiger als Nutzen? 
Ich glaube, Patienten können beruhigt sein. Das Beispiel der Gliptine zeigt, dass es Einigungen gibt. Das Problem mit den Bewertungskriterien ist allen bewusst. Insgesamt stehen die Diabetes-Patienten in Deutschland bei der Versorgung im europäischen Vergleich in den meisten Bereichen sehr gut da. 

Haben Sie ein Beispiel?

Bislang wurde fast nur geschaut, ob Patienten durch ein neues Medikament länger leben als durch ein altes — und meist billiges. Wichtig ist aber auch, wie gut ein neuer Wirkstoff die Leistungsfähigkeit erhält oder ob er für bestimmte Organe Vorteile bringt.

Sind Kosten also tatsächlich wichtiger als Nutzen? 

Ich glaube, Patienten können beruhigt sein. Das Beispiel der Gliptine zeigt, dass es Einigungen gibt. Das Problem mit den Bewertungskriterien ist allen bewusst. Insgesamt stehen die Diabetes-Patienten in Deutschland bei der Versorgung im europäischen Vergleich in den meisten Bereichen sehr gut da. 

 

Wo bestehen Mängel? 
Es wäre wichtig, dass ein Typ-2-Diabetes so früh wie möglich therapiert wird. Hierzulande gibt es noch zu viele Menschen, die nichts von ihrer Erkrankung wissen.
Wie kann ein Mensch mit Typ-2-Diabetes erkennen, ob er gut behandelt wird?
Vor allem geht es darum, die Stoffwechselziele zu erreichen. Will heißen: Der Blutzucker muss gut eingestellt sein, ohne dass das Unterzuckerungsrisiko steigt. Um das zu erkennen, sollten Patienten einer neu festgelegten Behandlung drei bis sechs Monate Zeit geben. Stellt sich der Erfolg nicht ein, können sie bei einem Diabetologen eine zweite Meinung einholen.
Gibt es weitere Kriterien für eine gute Therapie? 
Weder Patient noch Arzt dürfen Kompromisse eingehen und etwa einen erhöhten Bluthochdruck oder Übergewicht hinnehmen.

Wo bestehen Mängel? 

Es wäre wichtig, dass ein Typ-2-Diabetes so früh wie möglich therapiert wird. Hierzulande gibt es noch zu viele Menschen, die nichts von ihrer Erkrankung wissen.

Wie kann ein Mensch mit Typ-2-Diabetes erkennen, ob er gut behandelt wird?

Vor allem geht es darum, die Stoffwechselziele zu erreichen. Will heißen: Der Blutzucker muss gut eingestellt sein, ohne dass das Unterzuckerungsrisiko steigt. Um das zu erkennen, sollten Patienten einer neu festgelegten Behandlung drei bis sechs Monate Zeit geben. Stellt sich der Erfolg nicht ein, können sie bei einem Diabetologen eine zweite Meinung einholen.

Gibt es weitere Kriterien für eine gute Therapie? 

Weder Patient noch Arzt dürfen Kompromisse eingehen und etwa einen erhöhten Bluthochdruck oder Übergewicht hinnehmen.


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