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Nephropathie: Nierenschaden bei Diabetes

Die Nieren gehören zu den Organen, die infolge erhöhter Blutzuckerwerte bei Diabetes Schaden nehmen können. Was Patienten wissen müssen

aktualisiert am 06.03.2019
Nierenmodell

Die Nieren erinnern äußerlich an Bohnen – und reinigen das Blut von Giftstoffen


Die Nieren übernehmen im menschlichen Körper lebenswichtige Aufgaben. Eine davon ist die Bildung von Urin (Harn). Mit diesem scheidet der Organismus Giftstoffe und Abfallprodukte des Stoffwechsels aus, welche die Nieren aus dem Blut filtern. Außerdem sind die Nieren an der Steuerung des Salz- und Wasserhaushalts beteiligt, beeinflussen den Blutdruck und stellen Hormone her, die unter anderem für die Blutbildung wichtig sind.

Diabetes schädigt winzige Gefäße in den Nieren

Für die Filtervorgänge in den Nieren sind unzählige kleine Knäuel aus Blutgefäßen zuständig, die Nierenkörperchen. Dauerhaft erhöhter Blutzucker bei Diabetes beschädigt die Innenwände der Blutgefäße dieser Nierenkörperchen. Das beeinträchtigt auf Dauer die Filterleistung der Nieren.

Dieser Nierenschaden, auch diabetische Nephropathie genannt, wird von weiteren typischen Begleiterscheinungen eines Diabetes begünstigt. Zu diesen zählen Bluthochdruck und Fettstoffwechselstörungen. Diese fördern nicht nur die Entstehung einer Nephropathie, sondern beschleunigen zudem ihr Fortschreiten. Auch Rauchen schadet den Nieren.

Nierenversagen droht

Wird eine Nephropathie zu spät oder nicht behandelt, können die Nieren ihren Dienst versagen. Im fortgeschrittenen Stadium einer solchen Niereninsuffizienz sind Patienten auf eine lebenslange regelmäßige Blutwäsche (Dialyse) oder die Transplantation einer Spenderniere gewiesen.

Nierenschäden können bereits in einem frühen Stadium des Diabetes auftreten und verursachen zunächst keine Beschwerden. Symptome zeigen sich in der Regel erst, wenn die Nieren schon stark beeinträchtigt sind.

Diagnose eines diabetischen Nierenschadens

Erhöhte Albuminwerte im Urin können auf einen diabetischen Nierenschaden hinweisen. Ein Arzt kann das Eiweiß im Labor anhand einer Morgenurinprobe nachweisen. Liegt der dabei bestimmte Albumin-Kreatinin-Quotient bei Frauen über 30 mg Albumin/g Kreatinin, bei Männern über 20 mg Albumin/g Kreatinin, besteht der Verdacht auf eine Albuminurie und damit auf einen Nierenschaden. Da die Albuminwerte natürlichen Schwankungen unterliegen und aus anderen Gründen als einer Nephropathie erhöht können, muss ein zweiter Test das Ergebnis bestätigen. Findet sich bei diesem keine erhöhte Konzentration, ist eine dritte Probe notwendig.

Bestätigen die Tests den Verdacht auf einen Nierenschaden, kann der Arzt weitere Untersuchungen einleiten, um eine genauere Diagnose stellen zu können. Je eher eine diabetische Nephropathie erkannt wird, desto besser stehen in der Regel die Behandlungschancen. Menschen mit Diabetes sollten deshalb einmal jährlich ihren Urin auf Eiweiß untersuchen lassen. Bei Typ-1-Diabetes ab dem fünften Erkrankungsjahr, bei Typ-2-Diabetes ab dem Zeitpunkt der Diagnose. Schließlich hat letztere Diabetesform meist schon seit mehreren Jahren unbemerkt Schäden im Körper angerichtet, bis ein Arzt sie entdeckt.

Weitere Organe gefährdet

Wenn Hinweise auf eine Nierenschädigung vorliegen, sollten Betroffene sich gründlich untersuchen lassen. Zum einen können verschiedene Ursachen dahinter stecken, die eine Behandlung benötigen – auch solche, die nichts mit dem Diabetes zu tun haben. Zum anderen sind bei diabetischer Nephropathie häufig auch Gefäße in anderen Bereichen des Körpers geschädigt, sodass möglicherweise weitere Folgeerkrankungen vorliegen. Vor allem die Augen sind häufig mit betroffen. Aber auch Herz, Gefäße oder Beine sollten überprüft werden.

Zur Therapie verschreibt der Arzt vorzugsweise Medikamente aus der Gruppe der ACE-Hemmer oder AT1-Blocker bei Unverträglichkeit. Gut eingestellte Werte bei Blutdruck, Blutzucker und Blutfetten können zudem helfen, weitere Schädigungen an den Gefäßen zu vermeiden.

Wichtig: Bei fortgeschrittenem Nierenschaden können Kontrastmittel, wie sie etwa in der Röntgendiagnostik zum Einsatz kommen, ein akutes Nierenversagen auslösen. Patienten sollten deshalb im Vorfeld eines solchen Termins unbedingt den zuständigen Arzt auf ihre Nierenerkrankung hinweisen.

Prof. Dr. Jan-Christoph Galle

Beratender Experte

Professor Dr. Jan-Christoph Galle ist Direktor der Klinik für Nephrologie und Dialyseverfahren am Klinikum Lüdenscheid


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