Diabetischer Nierenschaden: Therapie

Vor allem gut eingestellte Blutzucker- und Blutdruckwerte tragen dazu bei, einen Nierenschaden aufzuhalten oder im Frühstadium sogar zu bessern

aktualisiert am 26.09.2016
Frau im Bikini

Aktiv für die Nieren: Patienten können selbst viel für das Filterorgan tun


Mit einer konsequenten Therapie lässt sich das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamen und das Risiko von Herz-Kreislauf-Komplikationen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall senken.

Für die Behandlung der diabetischen Nephropathie im Frühstadium gelten im wesentlichen die gleichen Regeln wie für die Vorbeugung von Nierenerkrankungen. Unerlässlich: Rauchen aufgeben, Cholesterinwerte normalisieren, vor allem aber auch Blutzucker- und Blutdruckwerte optimal einstellen. Die letzteren drei Ziele gelingen vor allem mit Hilfe geeigneter Medikamente; der Patient kann aber auch durch sein eigenes Verhalten entscheidend zum Erfolg der Therapie beitragen.

Die medikamentöse Behandlung mit einem ACE-Hemmer oder AT1-Blocker senkt einerseits den Blutdruck, wirkt sich aber andererseits auch unabhängig von der Blutdrucksenkung günstig auf die Nephropathie aus. Daher sollte selbst bei normalen Blutdruckwerten eine entsprechende Behandlung eingeleitet werden.

Blutdruckmessgerät

1. Blutdruck senken

Das ist der wichtigste Baustein der Therapie. Hoher Blutdruck setzt den Blutgefäßen und damit den Nieren nämlich mindestens genauso zu wie erhöhte Blutzuckerwerte. Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) empfiehlt bei diabetischem Nierenschaden einen systolischen Blutdruckwert von unter 140 mmHg und einen diastolischen Wert von 80 mmHg. Die idealen Zielwerte für den Patienten muss der Arzt aber immer im Einzelfall festlegen. So kann bei fortgeschrittenem Nierenschaden ein noch niedrigerer Blutdruck ratsam sein.

Am besten bewährt haben sich dazu Medikamente aus der Gruppe der ACE-Hemmer und AT1-Antagonisten. Die Nieren profitieren indirekt durch die Blutdrucksenkung und auch dadurch, dass die Mittel eine schützende Wirkung auf die Innenhaut der Gefäße haben. Reichen ACE-Hemmer oder AT1-Antagonisten allein nicht aus, um erhöhte Blutdruckwerte zu normalisieren, hilft eine Kombination mit anderen Wirkstoffen.

Normalerweise liegen die Blutdruckwerte nachts im Mittel zehn Prozent niedriger als tagsüber. Sinken sie in der Nacht nicht, was sich mit einer ambulanten 24-Stunden-Blutdruckmessung nachweisen lässt, ist das auch bei normalen Tageswerten ein Hinweis auf ein erhöhtes Risiko für Gefäßschäden. Dann kann die abendliche Einnahme eines Blutdrucksenkers sinnvoll sein.

Was kann ich selbst tun? Blutdruck regelmäßig kontrollieren, Medikamente zuverlässig einnehmen. Regelmäßige Bewegung und Abbau von Übergewicht wirken sich günstig auf den Blutdruck aus.

 

Blutzucker messen

2. Blutzucker optimal einstellen

Bei einem bereits messbaren Nierenschaden trägt eine gute Blutzuckereinstellung dazu bei, das Fortschreiten der Erkrankung zumindest zu verlangsamen. Eine optimale Einstellung des Blutzuckers ist also wichtig. Um dieses Ziel zu erreichen, kann bei einem fortschreitenden diabetischen Nierenschaden die Anpassung der Diabetesbehandlung notwendig sein – etwa die Umstellung auf eine Insulintherapie beziehungsweise die Intensivierung einer bestehenden Insulintherapie. Zur Therapiekontrolle wird der Langzeit-Blutzuckerwert HbA1c bestimmt. Die DDG empfiehlt in ihren Leitlinien einen Zielwert von unter 53 mmol/mol (7,0 Prozent), falls möglich. Im Einzelfall, insbesondere bei älteren Menschen, können abweichende Blutzuckerziele vereinbart werden. Die ideale Einstellung sollten Patienten deshalb immer mit ihrem Arzt abklären.

Was kann ich selbst tun? Blutzucker regelmäßig selbst kontrollieren, eventuell in Absprache mit dem Arzt auf neues Therapieschema umstellen. Regelmäßige Bewegung und Abbau von Übergewicht senken den Blutzucker.

 

Pflanzenöl fließt aus Karaffe

3. Erhöhte Blutfettwerte senken

Mit einer fortschreitenden Nierenfunktionsstörung geraten die Blutfettwerte (Lipidwerte) zunehmend aus dem Gleichgewicht. Der Gesamtcholesterinspiegel nimmt zu, der Anteil des "bösen" gefäßschädigenden LDL-Cholesterins steigt und der des "guten" gefäßschützenden HDL-Cholesterins sinkt. Im Frühstadium einer diabetischen Nierenerkrankung sollte das LDL-Cholesterin auf Werte unter 100 mg/dl gesenkt werden.

Eine Senkung der Lipidwerte kann dazu beitragen, die nachlassende Nierenfunktion zu bremsen und das für Diabetiker damit verbundene Herzrisiko zu verringern. In der Regel wird ein Wirkstoff aus der Gruppe der Statine verordnet.

Was kann ich selbst tun? Verordnete Medikamente zuverlässig einnehmen; fettarm ernähren beziehungsweise beim Essen besser auf planzliche als auf tierische Fette setzen; regelmäßige Bewegung.

 

Mit dem Rauchen aufhören

4. Mit dem Rauchen aufhören

Studien haben bewiesen: Ein diabetesbedingter Nierenschaden schreitet bei Rauchern schneller fort. Denn Nikotin ist nicht nur Gift für die Blutgefäße. Es erhöht auch den Druck in den Gefäßknäueln der Niere und schwächt deren Filterleistung.

Was kann ich selbst tun? Weg mit den Zigaretten! Selbsthilfegruppen und Beratungsstellen können Sie dabei unterstützen.

 

Milchprodukte

5. Ernährung anpassen

Eiweißreiche Ernährung kann das Fortschreiten einer Nierenschwäche fördern. Deswegen wird Patienten mit Nierenschaden oft empfohlen, mit Eiweiß zurückhaltend zu sein.

Was kann ich selbst tun? Die DDG empfiehlt derzeit bei einem vorhandenen Nierenschaden, 0,8 bis 1,0 Gramm Eiweiß pro Kilogramm Körpergewicht und Tag zu sich zu nehmen. Eiweißhaltig sind beispielsweise Fleisch, Fisch und Milchprodukte. Weil Kochsalz hohen Blutdruck begünstigt, der wiederum die Nieren angreift, sollten Diabetiker mit einer Nierenerkrankung außerdem sparsam mit Salz umgehen.

 

Gewichtskontrolle

6. Übergewicht abbauen

Überflüssiges Körperfett fördert Bluthochdruck und schlechte Blutzuckerwerte. Das hängt unter anderem damit zusammen, dass das Fettgewebe – und zwar insbesondere das Fett im Bauchbereich – verschiedene Hormone und Entzündungsstoffe produziert, die in den Stoffwechsel eingreifen. Wer durch Umstellung seiner Ernährung und regelmäßige körperliche Bewegung Übergewicht abbaut, kann allein schon damit – ganz ohne medikamentöse Therapie – seine Blutzucker- und Blutdruckwerte verbessern und so seine Nieren unterstützen. Starkes Übergewicht wirkt sich Studien zufolge auch direkt schädlich auf die Nieren aus.

Was kann ich selbst tun? Abnehmen, um das Körpergewicht in einen Normalbereich zu bringen. Am besten lassen Sie sich dabei von Ihrem Arzt beraten, welches Gewicht in Ihrem Fall in welchem Zeitraum anzustreben ist.

 

Frau liest Beipackzettel

7. Mit bestimmten Medikamenten vorsichtig sein

Viele Medikamente werden über die Nieren ausgeschieden. Arbeiten diese nur noch eingeschränkt, kann der Wirkstoffspiegel im Blut steigen. Einige blutzuckersenkende Medikamente können bei nachlassender Nierenleistung nur noch beschränkt oder gar nicht eingesetzt werden.

Besondere Vorsicht ist bei Kontrastmitteln geboten, die bei bestimmten Röntgenuntersuchungen oder Magnetresonanztomografien (MRT) in die Vene gespritzt werden. Sie können die Nieren akut schädigen. Menschen mit Diabetes und bereits vorgeschädigter Niere sind stärker gefährdet als Gesunde.

Was kann ich selbst tun? Mit dem Arzt besprechen, ob ein Medikament die Nieren schädigt und gegebenenfalls etwa die Dosis verringert oder es abgesetzt werden sollte. Vor einer Röntgen- oder MRT-Untersuchung mit Kontrastmittelanwendung unbedingt auch selbst den zuständigen Arzt über den Nierenschaden informieren.


Nachrichten zum Thema Diabetes

Handy

Aktuelle Nachrichten zum Thema Diabetes