Was Patienten über Dialyse wissen sollten

Versagen die Nieren, benötigen Betroffene eine künstliche Blutwäsche. Was Hämo- und Peritonealdialyse voneinander unterscheidet und was es bei der Ernährung zu beachten gibt
von Stephan Soutschek, 03.08.2016

Blutwäsche: Die meisten Patienten erhalten eine Hämodialyse

dpa picture alliance / Science Photo Library

1. Warum ist eine Dialyse notwendig?

Die Nieren sind ein wichtiges Filterorgan in unserem Körper. Laufend säubern sie das Blut von Giftstoffen und überschüssiger Flüssigkeit, damit der Organismus diese über den Urin ausscheidet. Können die Nieren diese Aufgabe etwa wegen eines diabetischen Nierenschadens nicht mehr ausreichend erfüllen, ist eine künstliche Blutwäsche notwendig – eine Dialyse, auch Nierenersatztherapie genannt.

"Wann der Arzt eine Dialyse verordnet, hängt von mehreren Faktoren ab", sagt Professor Jan-Christoph Galle, Direktor der Klinik für Nephrologie und Dialyseverfahren am Klinikum Lüdenscheid und Sprecher der Deutschen Gesellschaft für Nephrologie. Für den Beginn einer Nierenersatztherapie gilt als Richtwert, dass die Nieren nur noch rund zehn Prozent ihrer normalen Leistung erbringen. Aber auch andere Aspekte spielen bei der Entscheidung eine Rolle. Vor allem ob der Betroffene durch die Ansammlung von Giftstoffen Beschwerden verspürt wie Übelkeit, Abgeschlagenheit oder Atemnot.

2. Welche Dialyseverfahren gibt es?

Zwei Verfahren können bei einem chronischen Nierenversagen zum Einsatz kommen: eine Hämodialyse oder eine Peritonealdialyse. Erstere ist dabei die weitaus häufigere Methode in Deutschland.

Die Hämodialyse erfolgt in der Regel ambulant in einem Dialysezentrum. Bei ihr wird der Blutkreislauf des Patienten an ein Gerät angeschlossen, das über eine Filterhaut verfügt, eine Membran. Fließt das Blut durch diese Membran, wird es wie bei einer Niere gereinigt. Dieser Vorgang funktioniert nach dem Prinzip der Osmose: Befinden sich zu den Seiten einer dünnen Haut zwei Flüssigkeiten mit unterschiedlicher Konzentration an Teilchen, findet so lange ein Austausch statt, bis der Gehalt in beiden Lösungen gleich ist.

Ist eine Hämodialyse regelmäßig notwendig, legt der Arzt in der Regel einmalig einen sogenannten Shunt, eine Verbindung zwischen einer Arterie und einer Vene. Durch diesen Kurzschluss fließt das Blut mit ausreichend Geschwindigkeit durch die Reinigungsapparatur. In den Arterien ist der Druck größer als in den Venen, die für die Dialyse angezapft werden.

Die Peritonealdialyse nutzt ebenfalls das Prinzip der Osmose. Bei ihr dient das Bauchfell des Patienten als Filterhaut. Die Reinigung erfolgt also im Körper selbst, nicht außerhalb wie bei der Hämodialyse. Über einen Katheter werden rund zwei Liter Spüllösung in den Bauchinnenraum geleitet. Die Schadstoffe aus dem Blut wandern über das Bauchfell in die Flüssigkeit, die in regelmäßigen Abständen ausgetauscht wird. Bei der Peritonealdialyse wird das Blut laufend gereinigt, was der natürlichen Arbeitsweise der Nieren eher entspricht. Allerdings fallen dadurch mehrmals täglich sogenannte Beutelwechsel an, bei denen die Lösung ausgetauscht wird. Die Peritonealdialyse führen Patienten oft selbstständig zu Hause durch.

3. Was sind die Vorteile und Nachteile der beiden Verfahren?

"Medizinisch sind beide Verfahren gleichwertig", sagt Nierenspezialist Galle. Die Entscheidung für oder wider eine der Methoden hängt vor allem von den persönlichen Vorlieben und Möglichkeiten der Patienten ab. Diese klären am besten gemeinsam mit dem Arzt ab, was die beste Lösung für sie ist.

Die Hämodialyse bedeutet einen hohen zeitlichen Aufwand für die Betroffenen. Rund dreimal pro Woche müssen sie in ein Dialysezentrum kommen und dort eine etwa vier- bis fünfstündige Prozedur über sich ergehen lassen. Dafür liegt die Durchführung in den Händen eines erfahrenen Praxisteams, der Patient selbst muss sich um wenig kümmern.

Mehr Freiheit bietet die Peritonealdialyse. Bei ihr können Patienten die Therapie selbst übernehmen und so besser in ihren Alltag integrieren, wenn sie entsprechend geschult sind. Die Heimdialyse erfordert allerdings ein hohes Maß an Eigenverantwortlichkeit und Sorgfalt, damit sie fehlerfrei abläuft. Nicht jeder Betroffener kann oder will das leisten.

4. Welche Nebenwirkungen können auftreten?

Bei der Hämodialyse verlässt eine große Menge Blut den Körper, um anschließend wieder hineingepumpt zu werden. Das kann den Kreislauf belasten und zu einem Blutdruckabfall, zu Verwirrtheit, Kopfschmerzen und Übelkeit führen. In der Nähe des Shunts ist das Risiko für Gefäßprobleme wie Thrombosen oder Embolien erhöht. Zudem drohen bei unzureichender Hygiene Infektionen. Dazu kommt, dass gesunde Nieren das Blut fortlaufend filtern, eine Hämodialyse meist aber nur dreimal pro Woche erfolgt. Patienten müssen darauf aufpassen, dass der Gehalt an bestimmten Stoffen in der Zwischenzeit nicht aus dem Gleichgewicht gerät. Für sie gelten deswegen einige Ernährungsregeln (siehe unten), um die Dialyse zu unterstützen und die zugrundeliegende Krankheit sowie die Beschwerden zu mildern. 

Die Gefahr von Infektionen besteht bei unzureichender Hygiene auch bei einer Peritonealdialyse. Dringen Keime über den Katheter ein, kann es zu einer Bauchfellentzündung kommen.

5. Worauf bei der Ernährung achten?

Zwischen den einzelnen Dialysesitzungen können bestimmte Stoffe kritische Werte erreichen. Betroffene müssen deswegen aufpassen, dass sie über die Nahrung nicht zu viel von diesen aufnehmen. Jeder Patient sollte sich zu Beginn der Therapie vom Arzt ausführlich darüber aufklären lassen.

Kritisch ist vor allem Kalium. Bei zu hohen Werten droht im schlimmsten Fall ein Herzstillstand. "Bestimmte Früchte mit sehr hohem Kaliumgehalt sind für Dialysepatienten deswegen tabu", sagt Nierenexperte Galle. Darunter fallen Erdbeeren, Pflaumen und Bananen. Auch bei Salz sowie Phosphaten gilt es zu sparen. Phosphate stecken in hoher Konzentration in Hülsenfrüchten, Vollkornprodukten, Nüssen sowie in Eigelb. Patienten sollten außerdem ausreichend Eiweiß zu sich nehmen, um den Verlust durch die Dialyse auszugleichen.

Die Ernährungsvorschriften sind vor allem bei der Hämodialyse wichtig, da zwischen den einzelnen Blutwäschen längere Zeit vergeht. Für Patienten mit Bauchfelldialyse spielt sie eine weniger entscheidende Rolle. Patienten sollten das immer im Einzelfall mit ihrem Arzt besprechen.

6. Trotz Dialyse verreisen?

Auch Dialysepatienten können für gewöhnlich im In- und Ausland Urlaub machen. Voraussetzung ist, dass vor Ort die Möglichkeit zur Blutwäsche besteht. Betroffene sollten Reisen deshalb rechtzeitig planen. Informationen zur Gast- oder Feriendialyse können sie bei ihrem Arzt oder in Selbsthilfegruppen erhalten. Broschüren mit Adressen lassen sich auch auf dem Internetauftritt des Verband Deutscher Nierenzentren e.V. bestellen.

7. Was kann man sonst tun?

Häufig liegt nicht nur ein Nierenschaden, sondern gleichzeitig eine andere Begleiterkrankung vor. Viele Menschen mit Diabetes haben zum Beispiel neben einem erhöhten Blutzuckerspiegel auch Bluthochdruck. Behandeln sie diese Krankheiten, verbessern sie damit ihre Prognose während der Dialysetherapie. Bei konsequenter Einstellung können Patienten über Jahre hinweg ein weitgehend normales Leben führen.

8. Können Patienten von der Dialyse wieder wegkommen?

Bei einigen Fällen von akutem Nierenversagen kann es sein, dass Patienten nur zeitlich begrenzt auf eine Blutwäsche angewiesen sind. Wer aber unter einem chronischen Nierenleiden wie einer diabetischen Nephropathie leidet, benötigt in der Regel dauerhaft eine künstliche Blutwäsche. Einziger Ausweg ist eine Nierentransplantation. Spenderorgane stehen aber nur begrenzt zur Verfügung. "Die Wartezeit beträgt etwa sieben bis acht Jahre", sagt Galle. Mit der Operation allein ist es zudem nicht getan. Im Anschluss müssen Patienten meist Medikamente einnehmen, damit ihr Organismus den Fremdkörper nicht abstößt.

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