Depression: Wie können Angehörige helfen?

Professor Dr. Ulrich Hegerl erklärt im Interview, wie Freunde und Familie einen Menschen mit Depression unterstützen können

von Andrea Grill, 07.12.2018
Hilfe

Wichtig für depressive Menschen und ihre Angehörigen: ein "Hilfenetz" aus nahestehenden Menschen


Wie erkenne ich, ob ein Mensch, der mir nahesteht, eine Depression hat?

Einen schlechten Tag hat jeder mal. Wenn aber negative Gedanken und Gefühle über Wochen anhalten, ist das ein Warnzeichen. Betroffene haben keine Freude mehr an Aktivitäten und Hobbys, sehen alles schwarz. Viele können sich kaum konzentrieren. Depressionen machen auch körperliche Symptome: Oft geht der Appetit verloren, man nimmt ab. Ganz typisch sind Schlafstörungen.

Was kann ich dann als Angehöriger tun?

Wie bei jeder ernsten Erkrankung gilt auch bei Depres­sionen: zum Arzt gehen! Die Betroffenen selbst ­erkennen die Anzeichen oft nicht oder schaffen es nicht, sich Hilfe zu holen. Angehörige können dann die Initiative ergreifen, zum Beispiel einen Termin beim Hausarzt vereinbaren und den Erkrankten begleiten.

Professor Dr. Ulrich Hegerl

Welche Unterstützung braucht ein Mensch mit Depressionen im Alltag?

Vor allem sollte man ihn motivieren, seine Therapie durchzuhalten und Medikamente regelmäßig einzunehmen. Sie dürfen nicht einfach abgesetzt werden, sobald es wieder besser geht. Auch bei der Diabetesbehandlung können Angehörige den Betroffenen unterstützen, wenn nötig etwa ans Zuckermessen oder an die Tabletten erinnern.

Für Familienmitglieder ist es enorm belastend, mit ­einem depressiven Menschen zusammenzuleben. Was hilft ihnen, damit zurechtzukommen?

Zunächst sollten sie ihre eigenen Bedürfnisse nicht aus lauter Sorge um den Kranken hintanstellen, sondern sich auch Auszeiten gönnen. Ein "Hilfenetz" aus nahestehenden Menschen — Eltern, Kinder, Freunde — kann entlasten. Auch Selbsthilfe­gruppen für Angehörige psychisch Kranker sind eine gute Anlaufstelle. Es gibt sie in allen größeren Städten.

Im schlimmsten Fall hat ein depressiver Mensch Suizid­gedanken. Was sind die Alarmzeichen, und wie sollte man darauf reagieren?

Es gibt Unterschiede. Der eine spricht viel über Suizid, der andere nie. Wer aber als Angehöriger das Gefühl hat, dass der Erkrankte völlig verzweifelt und hoffnungslos ist, sollte das ansprechen: "Ich mache mir große Sorgen um dich, ich habe Angst, dass du dir etwas antust." Ist die Sorge berechtigt, darf man nicht abwarten, sondern muss handeln: den Verzweifelten zum Arzt oder in die Klinik begleiten oder einen Notarzt rufen.


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