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Fahrsicherheit bei Diabetes: Steuer frei

Auto fahren mit Diabetes ist meist kein ­Problem. Manchmal kann die Fahrsicherheit jedoch ­eingeschränkt sein. Was Sie wissen sollten

von Dr. Sabine Haaß, 09.09.2020

Das Wichtigste zuerst: Autofahrer mit Diabetes verursachen Versicherungsdaten zufolge nicht mehr Verkehrsunfälle als der Bevölkerungsdurchschnitt. Wobei diese Angaben für Diabetiker mit Insulintherapie gelten, die wegen der Unterzuckergefahr am Steuer grundsätzlich ein höheres Unfallrisiko haben. Wer weder Insulin spritzt noch blutzuckersenkende Tabletten mit Sulfonylharnstoffen einnimmt, muss ohnehin keine ­Unterzuckerung fürchten.

Unfälle meist im Unterzucker

"Verursacht ein Diabetiker einen Unfall, liegt es allerdings meist an einer Unterzuckerung", sagt Dr. Michael Hummel, Diabetologe in Rosenheim. Aber auch Folge- und Begleiterkrankungen des Diabetes, bestimmte Medikamente und ein höheres Alter können sich auf die Fahrsicherheit auswirken. Wie Sie sich bei Problemen richtig verhalten, lesen Sie hier.

Zu niedrige oder schwankende Zuckerwerte

Diabetiker, die gut über ihre Krankheit Bescheid wissen und ihre Blutzuckerwerte im Griff haben, dürfen uneingeschränkt Auto fahren. Vorausgesetzt, sie sind in der Lage, Unterzuckerungen rechtzeitig zu bemerken und gegenzusteuern. "Denn zu niedrige und stark schwankende Werte können die Konzentrations- und Reaktionsfähigkeit im Straßenverkehr deutlich beeinträchtigen", erklärt Experte Hummel.

Wer seinen Diabetes mit Insulin oder Sulfonylharnstoff-Tabletten behandelt, sollte vor Fahrtantritt den Blutzucker messen und den Wert notieren. Starten sollte man danach nur, wenn der Wert über einem mit dem Arzt vereinbarten Wert liegt (z. B. 90 mg/dl bzw. 5 mmol/l). Spätestens alle drei Stunden sind Messpausen nötig. Bei Unterzucker-Verdacht muss man sofort anhalten und "schnelle" Kohlenhydrate wie Traubenzucker zu sich nehmen. Am besten legt man sich diese Not-BE bzw. -KE immer leicht erreichbar bereit. Nach einer Unterzuckerung gilt: erst ab dem mit dem Arzt festgelegten Mindestwert wieder losfahren.

Veränderungen an den Augen

Sinken längerfristig erhöhte Blutzuckerwerte etwa zu Beginn einer Insulintherapie schnell ab, kann das zu verschwommenem Sehen führen. Hohe Zuckerwerte können zudem auf Dauer die Netzhaut schädigen. Mögliche Folgen: schlechtere Sicht und ein eingeschränktes Gesichtsfeld. Ob dadurch die Fahrsicherheit beeinträchtigt ist, stellt der Augenarzt fest. "Damit diabetesbedingte Schäden frühzeitig entdeckt und behandelt werden können, sollten Diabetiker regelmäßig ihre Augen untersuchen lassen", betont Hummel.

Nebenwirkungen von ­Medikamenten

"Zahlreiche Arzneien können die Fahrtüchtigkeit beeinträchtigen, vor allem weil sie müde oder benommen machen", warnt Dr. Michael Eder, Apotheker in Berlin. Dazu zählen bestimmte rezeptfreie Mittel gegen Erkältungen, Husten oder Allergien, aber auch verschreibungspflichtige wie starke Schmerz-, Schlafmittel und Medikamente gegen Depressio­nen. "Fragen Sie vor Anwendung eines neuen Medikaments stets Ihren Arzt oder Apotheker, ob Sie ans Steuer dürfen", rät Eder. Und fahren Sie nicht, wenn Sie sich müde fühlen. Denn für seine Fahrsicherheit ist jeder selbst verantwortlich.

Folgekrankheiten am Herzen und an den Gefäßen

Diabetes begünstigt die Ent­stehung von Bluthochdruck und Herzproblemen. Ist der Blutdruck gut eingestellt, darf man ans Steuer. Auch nach einem Herzinfarkt ist ­Autofahren in der Regel ­wieder möglich. Bei Herzrhythmus­störungen oder einer Herzschwäche hängt die Fahrsicherheit von der Schwere der Erkrankung ab, bei einem Schlaganfall vom Ausmaß der Folgeschäden. Ob und wann Betroffene wieder fahren dürfen, müssen sie mit ihrem Arzt besprechen.

Nervenschäden an den Beinen

Wenn hohe Zuckerwerte die Nerven schädigen, leiden mitunter Feingefühl und Kraft in den Füßen und Beinen darunter. "Dass infolge einer solchen diabetesbedingten Neuropathie die Pedale nicht mehr bedient werden können, kommt aber selten vor", beruhigt Diabetologe Hummel. Für diesen Fall gibt es die Möglichkeit, das Auto umrüsten zu lassen. Ein "diabetischer Fuß" kann zeitweise oder auf Dauer ein ärzt­liches Fahrverbot mit sich bringen.

Fortgeschrittenes Alter

"Etwa ab 65 Jahren steigt das Unfallrisiko an", sagt Jürgen Brenner-Hartmann vom TÜV Süd in Ulm. "Vor allem das Einschätzen komplexer Verkehrssituationen auf unbekannten Strecken bereitet Älteren Mühe." Bei Diabetes können Folgekrankheiten und nachlassendes Gespür für Unterzucker die Sicherheit zusätzlich beeinträchtigen. Beobachtet man vermehrt Fahrfehler bei sich, rät der Verkehrspsycho­loge zu einer "Rückmeldefahrt": Mit einem Experten als Begleiter ist man 45 Minuten im eigenen Auto unterwegs. Er macht auf Schwächen aufmerksam und hilft, sie zu beseitigen.


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