Mit Diabetes auf Reisen

Urlaub mit Diabetes? Kein Problem. Vorausgesetzt, Sie sind gut vorbereitet. Eine Übersicht, damit auch in den Ferien alles glatt geht
von Daniela Pichleritsch , aktualisiert am 11.07.2016

Wer seinen Diabetes gut im Griff hat, kann auf Reisen gehen

PhotoDisc/ RYF

Gehören Sie zu den Leuten, die immer erst in letzter Minute ihren Koffer packen? Oder stapeln Sie schon Wochen vor dem Urlaub Ihren Reisebedarf auf dem Sofa, damit Sie bloß nichts vergessen?

So oder so haben Sie sicher schon oft festgestellt, dass höchs­tens die Hälfte von dem, was Sie gerne alles mitnehmen würden, in Ihren Koffer passt. Doch während die elegante Abendgarderobe – "für alle Fälle!" – vielleicht tatsächlich verzichtbar ist, gilt das nicht für Ihr Diabetes-Equipment. Denn wenn im Urlaubsland Teststreifen oder Insulinpatronen ausgehen, kann das richtig Zeit und Nerven kos­ten. Und damit es ein erholsamer Urlaub wird, gehören natürlich auch Mittel gegen Urlaubszipperlein wie Durchfall, Mückenstiche oder Sonnenbrand ins Gepäck. Ihr Apotheker hilft Ihnen gerne, die Reiseapotheke zu komplettieren. Woran Sie sonst noch denken sollten und wie Sie Diabetespannen unterwegs und im Reiseland vorbeugen, haben wir hier für Sie zusammengefasst. Also dann: einen schönen Urlaub!

1. Vor dem Urlaub erledigen

Impfung nötig? Klären Sie spätestens vier bis sechs Wochen vor Reiseantritt beim Arzt, ob Sie Impfungen (z. B. gegen die von Zecken übertragene Hirnhautentzündung FSME) oder, bei Reisen in tropische Gefilde, Medikamente zur Malaria-Vorbeugung, brauchen. Informationen gibt es unter www.auswaertiges-amt.de (Reise & Sicherheit). Kostenübernahme mit der Krankenkasse klären.

Versichern: Die Kassen zahlen zwar ärztliche Behandlungen in EU-Ländern und Ländern, mit denen ein Sozial­versicherungsabkommen besteht (z. B. Türkei, Tunesien). Manche Leistungen und ein Rücktransport sind aber ausgeschlossen. Eine Auslandsreise-Krankenversicherung schließt die Lücken und zahlt auch Behandlungen in Nicht-EU-Ländern. Chronische Krankheiten wie Dia­betes und deren Folgen sind meist ausgeschlossen. Dennoch zahlen manche Versicherer bei Komplikationen, mit denen vor Reiseantritt nicht zu rechnen war. Dabei kann es helfen, wenn Sie sich die Reise­fähigkeit vorab von Ihrem Arzt bescheinigen lassen.

Schlau machen: Frischen Sie, wenn nötig, Ihre Diabeteskenntnisse auf. Wissen Sie, wie Sie die Insulin- oder Tablettendosis an körperliche Aktivität anpassen? Oder wie Sie bei Fieber oder Brechdurchfall vermeiden, dass der Stoffwechsel entgleist? Falls nicht: den Arzt fragen. Das gilt auch, wenn Sie sich wegen anderer Gesundheitsprobleme unsicher fühlen.

Zeitverschiebung einplanen: Besprechen Sie bei Reisen über mehrere Zeitzonen mit dem Arzt, ob und wie Sie Ihre Insulin- oder Tablettendosis anpassen sollten. Bei Flügen nach Westen verlängert sich der Tag, sodass man mehr Insulin braucht. Bei Flügen nach Osten wird der Tag kürzer und man muss die Dosis senken.

Problemen am Flughafen vorbeugen: Lassen Sie sich für die Sicherheitskontrolle am Flughafen ein ärztliches Attest über Ihren Diabetesbedarf ausstellen (eine Version können Sie hier herunterladen). Erkundigen Sie sich vorab bei der Fluggesellschaft nach den aktuellen Sicherheitsbestimmungen.

Packen: Nehmen Sie doppelt so viel Insulin, Tabletten und Teststreifen mit, wie Sie für die Reisedauer benötigen. Dazu Ersatz-Messgerät, -Pen und eventuell Einmalspritzen. Außerdem Beipackzettel von Insulin und anderen wichtigen Medikamenten. Erkundigen Sie sich beim Hersteller, ob und unter welchem Namen es das Präparat im Reiseland gibt. So bekommen Sie im Notfall schnell Ersatz.

2. Tipps für unterwegs

Insulin sicher transportieren: Im Flieger am besten die eine Hälfte von Insulin und Blutzucker-Teststreifen in den Koffer, die andere ins Handgepäck. So verlieren Sie nicht alles, wenn der Koffer verloren geht oder verspätet ans Ziel kommt. Insulin muss nicht in den für Flüssigkeiten vorgeschriebenen Beutel. Ideal ist eine handliche Kühltasche, die es zum Beispiel in der Apotheke gibt.

Wenn Sie mit dem Auto unterwegs sind, können Sie Ihre Insulinvorräte auch in einer Kühlbox lagern. Legen Sie das Insulin aber nicht direkt neben die Kühlakkus. Dort kann es gefrieren und dadurch unbrauchbar werden. Schützen Sie Insulin, Messgerät und Teststreifen auch vor Hitze und praller Sonne. Sie gehören weder ins Handschuhfach noch unter die Heck- und Windschutzscheibe.

Unterzucker vermeiden: Messen Sie bei einer längeren Flugreise etwa alle drei Stunden den Blutzucker. Akzeptieren Sie eher etwas höhere Werte als gewöhnlich, um einer Unterzuckerung vorzubeugen.

Wenn Sie am Steuer sitzen, machen Sie alle zwei Stunden Pause zum Zuckermessen. Bei einer Unterzuckerung sofort rechts ranfahren, schnell wirkende Kohlenhydrate essen und erst bei normalem Wert weiterfahren. Lange Nachtfahrten besser vermeiden, da bei Diabetes die Hell-Dunkel-Anpassung gestört sein kann.

Werte dokumentieren: Dokumentieren Sie Ihre Zuckerwerte sorgfältig. Falls im Rahmen eines Unfalles der Diabetes zur Sprache kommt, können Sie damit belegen, dass Sie verantwortungsbewusst mit dem Diabetes umgehen und keine Stoffwechselentgleisung schuld war.

Thrombose verhindern: Das beengte Sitzen im Flieger erhöht das Risiko, dass sich in den Beinen ein Gerinnsel (Thrombose) bildet. Um vorzubeugen, sollten Sie während des Fluges öfter auf und ab gehen und im Sitzen immer mal wieder mit den Füßen wippen ("Venengymnastik"), um den Blutfluss anzuregen. Die trockene Luft im Flieger entzieht dem Körper Flüssigkeit, sodass das Blut eindickt. Trinken Sie also genug – aber keinen Alkohol, er verstärkt den Flüssigkeitsverlust. Bei Venenproblemen kann es sinnvoll sein, während des Fluges Kompressionsstrümpfe zu tragen (den Arzt fragen!).

3. Entspannt am Ziel

Öfter messen: Vor allem in den ersten Tagen sollten Sie Ihren Blutzucker öfter kontrollieren. So merken Sie, wie er auf Klimawechsel, veränderten Tagesrhythmus und ungewohntes Essen reagiert.

Insulin- oder Tablettendosis anpassen: Wenn Sie sich im Urlaub mehr bewegen als daheim, müssen Sie möglicherweise Ihre Insulin- oder Tablettendosis senken, um Unterzuckerungen vorzubeugen. Wenn Sie daheim sehr aktiv sind und jetzt den ganzen Tag am Strand faulenzen, benötigen Sie dagegen eventuell eine höhere Dosis, damit Ihr Blutzucker nicht zu stark steigt. Wenn es sehr heiß ist, wirkt das gespritzte Insulin oft schneller. Dann kann es sinnvoll sein, den Abstand zwischen Spritzen und Essen zu verkürzen.

Insulin und Teststreifen richtig lagern: Wenn Sie Ihre Insulinvorräte im Kühlschrank lagern, sollten Sie kontrollieren, dass er nicht zu kalt eingestellt ist (Lagertemperatur vier bis acht Grad). Angebrochenes Insulin muss nicht in den Kühlschrank. Wenn Sie es vor Hitze und Sonne schützen, können Sie es bis zu vier Wochen verwenden. Schützen Sie auch Messgerät und Streifen vor Hitze und Kälte.

Durchfall vorbeugen: Durchfall auf Reisen kommt meist von Keimen in Lebens­mitteln. In den Tropen, Subtropen und Ländern mit niedrigem Hygienestandard halten Sie sich daher an die Regel: Koch es, schäl es oder vergiss es! Verzichten Sie auf Eiswürfel, und trinken Sie Wasser nur aus original verschlossenen Flaschen.


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