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Jobsuche: Das ist bei Diabetes relevant

Neben Ausbildung und Abschlussnoten zählt bei einer Bewerbung auch der Eindruck im Vorstellungsgespräch. Doch was ist eigentlich mit dem Diabetes?

von Birgit Ruf, aktualisiert am 20.07.2021
Mann wartet

Zwischen Hoffen und Bangen: Bei Vorstellungsgesprächen steht viel auf dem Spiel


Sie haben sich um einen Job beworben und wurden zum Vorstellungsgespräch ein­geladen? Glückwunsch: Die erste große Hürde ist gemeistert. Hier unsere Tipps, wie Sie sich auf das wichtige Gespräch optimal vorbereiten – und was wegen des Dia­betes relevant ist. 

Kennenlernen vor dem Gespräch

Auch Personalchefs sind eitel. Es macht einen guten Eindruck, wenn Sie zeigen, dass Sie sich über das Unternehmen informiert haben, in dem Sie arbeiten wollen. Also: Machen Sie sich schlau. Recherchieren Sie im Internet – und nutzen Sie auch Portale, in denen Firmen von Mitarbeitern anonym bewertet werden. Auch Personaler werfen heute oft interessierte Blicke ins Internet: zum Beispiel auf die Facebook-Seite eines Bewerbers. Beachten Sie das, wenn Sie Fotos und Statements im Netz hinterlassen.

Berufswahl bei Diabetes: Was geht, was nicht?

Die meisten Berufe sind für Menschen mit Diabetes kein Problem. Früher war es ihnen grundsätzlich verwehrt, z. B. Pilot, Kranführer oder Polizist zu werden. Denn bei einer Unterzuckerung könnten sie sich selbst oder andere gefährden. Heute empfehlen viele Experten eine sorgfältige Risikoabwägung im Einzelfall. Welche Risiken birgt die Tätigkeit tatsächlich, wie kann ein Mensch mit Diabetes diese kompensieren? Hier hat die moderne Technologie große Verbesserungen gebracht: Systeme zur kontinuierlichen Zuckermessung sorgen dafür, dass Diabetiker ihre Zuckerwerte ständig im Blick haben und frühzeitig etwa vor Unterzuckerungen gewarnt werden. Ein Anrecht auf eine individuelle Risikoabwägung besteht aber nicht. 

In Großbritannien, Kanada und den USA dürfen Typ-1-Diabetiker mittlerweile Linienmaschinen fliegen. Bei der deutschen Lufthansa ist man derzeit noch nicht so weit. Nur wenige andere Hochrisikoberufe wie beispielsweise Brandbekämpfer bei der Feuerwehr oder Industrietaucher können Menschen mit Diabetes, die Insulin spritzen, weiterhin nicht ergreifen: Hier verhindern etwa Schutzanzüge schnelles Handeln bei Unterzucker. 

Tipp: Besprechen Sie Ihren Berufswunsch mit einem Arbeitsmediziner oder einem Diabetologen.

Bewerbungstrainings: Üben für den Auftritt

Körpersprache, Gestik, Mimik: Auch davon hängt viel ab. Da lohnt es sich durchaus, professionelle Hilfestellung in Anspruch zu nehmen. Es muss nicht gleich ein teurer Coach sein – Bewerbungstrainings gibt es auch an Volkshochschulen oder bei der Agentur für Arbeit. Dort können Sie zum Beispiel üben, wie Sie auf typische Fragen souverän reagieren.

Im Vorstellungsgespräch den Diabetes ansprechen?

Sollte man im Vorstellungsgespräch gleich damit herausrücken, dass man Dia­betes hat? "Davon rate ich ab", sagt Reiner Hub, Sozial­referent beim Verein DBW Diabetiker Baden-Württemberg e. V. Übrigens sind gezielte Fragen dazu (wie auch Fragen nach einer Schwangerschaft oder der sexuellen Orientierung) nicht erlaubt, kommen aber trotzdem manchmal vor. "In diesem Fall könnten Sie freundlich zurückfragen, ob es für den Job relevant wäre. Oder lügen", sagt Thomas Eschle, Rechtsanwalt aus Stuttgart. Aber nur dann, wenn der Diabetes dem Job nicht entgegensteht. Fluglotse, Industriekletterer, Sondereinsatzkraft bei der Polizei: Wegen des erhöhten Risikos für Unterzuckerungen, durch die es zu gefährlichen Situationen kommen kann, sind diese Berufe Menschen mit Diabetes in der Regel verwehrt.

Schwerbehinderung zugeben?

Viele junge Typ-1-Diabetiker haben einen Schwerbehindertenausweis. Wenn es ins Berufsleben geht, kann das ein heik­les Thema sein. Schließlich sind mit dem Ausweis bestimmte Rechte verbunden (etwa zusätzlicher Urlaub, besserer Kündigungsschutz), die den potenziellen Arbeitgeber abschrecken könnten. Unter Umständen hat dieser aber auch ein Interesse, Menschen mit Schwerbehinderung einzustellen – um gesetzliche Auflagen zu erfüllen, die für größere Firmen gelten. Hier empfiehlt es sich, sorgfältig abzuwägen.

Es ist möglich, den Status als Schwerbehinderter zunächst zu verschweigen und erst nach der Einstellung preiszugeben, um die damit verbundenen Vorteile zu beanspruchen. Konsequenzen drohen keine, so Reiner Hub. Er rät allerdings, die Ansprüche, die sich aus dem Ausweis ergeben, frühestens nach sechs Monaten einzufordern. "Zu diesem Zeitpunkt tritt der erweiterte Kündigungsschutz für schwerbehinderte Menschen in Kraft", so der Experte. "Zudem hat man dann die Probezeit hinter sich und den Arbeitgeber von seiner Qualifikation für den Job oft schon überzeugt."

Einstellungsuntersuchung

Auch wenn der Diabetes beim Vorstellungsgespräch kein Thema war: Möglicherweise fällt er dem Betriebsarzt bei der Einstellungsuntersuchung auf. Er darf den Arbeitgeber zwar nicht über die Diag­nose informieren, teilt ihm aber mit, ob medizinische Gründe gegen die Einstellung des Bewerbers sprechen. Tipp: Zeigen Sie dem Betriebsarzt ein Attest Ihres Diabetologen und Ihr Diabetestagebuch, aus dem hervorgeht, dass Sie Ihren Diabetes gut im Griff haben. Das kann die Beurteilung durchaus günstig beeinflussen.

Nächste Hürde genommen. Viel Glück und Erfolg – für Ihr Bewerbungsgespräch und am neuen Arbeitsplatz!


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