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Mit Diabetes ans Steuer

Wann kann Diabetes beim Autofahren zum Problem werden? Die aktuelle medizinische Leitlinie gibt Antworten auf die wichtigsten Fragen

von Alexandra von Knobloch, 21.01.2019
Autofahrer

Wer darf Auto fahren?

Fast alle Menschen mit Diabetes können am Verkehr teilnehmen. "Diabetes ist kein Grund, jemandem die Fahr­eignung abzusprechen", sagt Professor Dr. Reinhard Holl von der Universität Ulm, einer der Autoren der Leitlinie "Dia­betes und Straßenverkehr" der Deutschen Diabetes ­Gesellschaft. Ein Problem sind schwere Unterzuckerungen. Dabei wird das Gehirn nicht ausreichend mit Energie versorgt. Mögliche Folgen sind Bewusstseinsstörungen oder gar Bewusstlosigkeit. Dies erhöht das Unfallrisiko enorm. Ist das Problem gelöst, kann der Betroffene wieder fahren.

Wer muss aufpassen? 

Hände weg vom Steuer: Meist gilt der Ratschlag nur vorübergehend. Etwa zu Beginn einer Insulintherapie. Bis die richtige Dosis gefunden ist, können die Blutzuckerwerte stark schwanken, das Risiko für Unterzuckerungen steigt. Das gilt auch, wenn die Dosis bestimmter blutzuckersenkender Medikamente erhöht wird, etwa von Sulfonylharnstoff-Tabletten. Auch wenn der Blutzucker während einer akuten Erkrankung mit hohem Fieber verrücktspielt, sollte man sich nicht ans Steuer setzen. Es gibt noch weitere Gründe, bei denen der Arzt zur Vorsicht rät, etwa wenn jemand unter nächtlichen Atemaussetzern leidet und gefährdet ist, am Steuer einzunicken.

Mit Diabetes ans Steuer

Fahren gegen ärztlichen Rat?

Ein Fahrverbot kann nur die zuständige Behörde oder ein Gericht anordnen. Dennoch sollte man den Rat des Arztes ernst nehmen: Er dient dem Zweck, gefährliche Situationen für den Diabetiker selbst und andere zu vermeiden. Wer dennoch fährt und einen Unfall verursacht, muss mit härteren Strafen rechnen. Denn der Fahrer hat ja von seinem Risiko gewusst und eventuell fahrlässig gehandelt.

Fahren als Beruf?

Bestehen alle Voraussetzungen für eine sichere ­Verkehrsteilnahme, können Diabetiker auch professionell Fahrzeuge lenken, etwa Lkws oder Busse. "Die Leitlinie schafft mehr Sicherheit", sagt der Stuttgarter Rechtsanwalt und Mitautor Oliver Ebert, "weil sie auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse konkrete Handlungsempfehlungen gibt."

Mit Diabetes ans Steuer

Kostet Unterzucker den Führerschein?

"Wer innerhalb eines Jahres zwei oder mehr schwere Unterzuckerungen erleidet, die nicht im Schlaf aufgetreten sind, darf erst wieder fahren, wenn er sein Unterzuckerrisiko im Griff hat", sagt Holl. Dabei kann eine erneute Diabetesschulung ebenso helfen wie eine Umstellung auf Medikamente, die seltener Unterzuckerungen verursachen. Für Diabetiker, die Unterzuckerungen wegen fehlender Warnsymp­tome nicht rechtzeitig erkennen, kann ein Hypoglykämie-Wahrnehmungstraining nützlich sein. Eventuell ist auch ein Messgerät sinnvoll, das den Zucker laufend überwacht und bei Unterzuckerungen ein Warnsignal abgibt.

Messen vor jeder Fahrt?

Wer ein erhöhtes Risiko für Unterzuckerungen hat, sollte vor Fahrt­antritt seinen Zucker messen und dokumentieren. Wie hoch der Wert mindestens sein sollte, bevor man losfahren darf, bespricht man mit seinem Arzt. Ist der Wert niedriger, muss er mit schnell wirkenden Kohlenhydraten (zum Beispiel Traubenzuckerplättchen) angehoben werden. Losfahren darf man erst dann wieder, wenn der Spiegel im sicheren Bereich liegt, so Experte Holl.

Brauche ich ein Gutachten?

Nicht zwangsläufig: Will jemand einen Führerschein machen, sind Behörden berechtigt, ein verkehrsmedizinisches Gutachten anzufordern. Unter welchen Bedingungen sie das tatsächlich tun, steht auf einem anderen Blatt. Das wird von Landkreis zu Landkreis unterschiedlich gehandhabt.


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