Schritt für Schritt zurück in den Beruf

Eine ­stufenweise Wiedereingliederung hilft, nach längerer Krankheit wieder in den Berufsalltag zurückzufinden. Zwei Experten erklären, für wen sich diese Maßnahme eignet und wie sie funktioniert

von Dr. Sabine Haaß, 25.07.2018
Stufenweise Wiedereingliederung

Rückenleiden, etwa durch einen Job auf dem Bau, sind ein häufiger Grund für eine stufenweise Wiedereingliederung


Der Begriff klingt abstrakt und bürokratisch: "stufenweise Wiedereingliederung". Doch mit konkretem Inhalt gefüllt, ist das Angebot, nach längerer Krankheit Schritt für Schritt in den Beruf zurückzukehren, enorm hilfreich. Arbeitnehmern, die mehr als sechs Wochen im Jahr arbeitsunfähig waren, muss der Arbeitgeber nämlich ein "betriebliches Eingliederungsmanagement" ermöglichen. Dazu gehört als häufigste Maßnahme auch die stufenweise Wiedereingliederung (StW). Ihr Ziel: Beschäftigte wieder in den Arbeitsprozess zu integrieren und eine krankheitsbedingte Kündigung zu vermeiden.

Den Wiedereinsteiger stärken

"Häufig sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Rückenleiden Grund für eine StW", sagt Dr. Bertil Kluthe, Chef­arzt Innere Medizin und Psychosomatik an der Klinik Hohenfreudenstadt im Schwarzwald. Rückenprobleme zwangen etwa Anastasia Maroulas in eine längere Arbeitspause. Inzwischen hat sie ihren Job stufenweise wieder aufgenommen.

Kluthes Erfahrung nach eignet sich eine StW aber auch dann, wenn beruflicher oder privater Dauerstress zu Burn-out oder psychischen Erkrankungen geführt hat und nach einer Auszeit die Rückkehr ins Berufsleben ansteht.

Ein Dia­betes allein ist selten Anlass für eine StW, spielt aber als zusätzliche Belastung durchaus eine Rolle. "Denkbar wäre die stufenweise Wiedereingliederung wegen eines Typ-1-Diabetes gleich nach der Diagnose", sagt der Münchner Diabetologe Dr. Arthur Grünerbel. "Der Betroffene könnte morgens zur Schulung gehen und den Rest des Tages stundenweise arbeiten. Das habe ich kürzlich einem Patienten vorgeschlagen."

Angeregt wird die StW meist vom Arzt — etwa vom Haus- oder Facharzt oder vom Arzt einer Klinik, der den Arbeitnehmer während einer medizinischen Reha behandelt. Der Arbeitnehmer selbst, sein Arbeitgeber, die Krankenkasse oder die Rentenversicherung können aber auch die Initia­tive ergreifen.

Stressfrei zurück zur Arbeit

Typisches Beispiel: Ein Arbeitnehmer ist nach Ansicht des Haus- oder Reha-Arztes nach längerer Krankheit noch nicht in der Lage, voll in den Beruf einzusteigen. Der Arzt erstellt einen Stufenplan, in dem er angibt, wann die Eingliederung beginnen und wie lange sie dauern soll. Außerdem schreibt er auf, wie viel der Arbeitnehmer sich zumuten darf.

Eine StW basiert auf Freiwilligkeit: Arbeitnehmer können die Maßnahme auch ablehnen und bis zur Rückkehr in die Vollzeitarbeit zu Hause bleiben, ohne Nachteile zu erleiden. Eine StW kann bis zu sechs Monate dauern. Die Arbeitszeit liegt dabei zu Beginn bei mindestens zwei Stunden an zwei Tagen pro Woche und erhöht sich allmählich bis zur vollen Arbeits­fähigkeit — je nachdem, wie belastbar der Arbeitnehmer ist.

Keine Sorge ums Geld

Bis zum Abschluss der Wiedereingliederung gilt der Beschäftigte als arbeitsunfähig und ist krankgeschrieben. Meist erhält er in dieser Zeit Krankengeld von seiner Kasse oder Übergangsgeld von der Rentenversicherung. In manchen Fällen übernimmt auch die Unfallversicherung oder die Agentur für Arbeit den Unterhalt. Beamte werden für die arbeitsfreie Zeit in der Regel freigestellt und bekommen weiter ihr Gehalt.

So bietet die StW für jeden eine gute Möglichkeit, ohne Druck und finanziell abgesichert wieder in den Berufsalltag hineinzuwachsen.

Schonzeit für Job-Rückkehrer

So läuft die stufenweise Wiedereingliederung (StW) ab:


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