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Schwerbehindertenausweis: So bekommen Sie ihn mit Diabetes

Kleine Karte, große Wirkung: Die wichtigsten Fakten rund um den Schwerbehindertenausweis

von Dr. Sabine Haaß, 13.05.2019
Schwerbehindertenausweis

Unauffälliges Kärtchen: Ein Schwerbehindertenausweis bringt Vor- und Nachteile mit sich


Illustration zum Thema Schwerbehinderung

Der Diabetes macht Ihnen Probleme im Alltag, auch am Arbeitsplatz. Zum Beispiel wegen häufiger Unterzuckerungen. Ob der Chef das noch lange mitmacht? Sie überlegen, ob Ihnen ein Schwerbehindertenausweis den Job sichern und das Leben erleichtern würde.

Was spricht für einen Schwerbehindertenausweis – was dagegen?

Vorteile:

  • Erhöhter Kündigungsschutz
  • Zusatzurlaub (eine Woche)
  • Freistellung von Mehrarbeit
  • Vorzeitige Altersrente
  • Steuerfreibetrag
Nachteile:
  • Schwerbehinderung ist "aktenkundig"
  • Abschluss von Versicherungen erschwert
  • Probleme bei der Jobsuche (Schwerbehinderung kann, muss aber nicht angegeben werden)
Illustration zum Thema Schwerbehinderung

Sie stellen einen Antrag beim örtlichen Versorgungsamt oder einer anderen Behörde. Wer zuständig ist und wo es die Formulare gibt, weiß Ihre Stadt- oder Gemeindeverwaltung. Auch im Internet finden Sie Anträge zum Herunterladen.

Voraussetzungen für eine Schwerbehinderung durch Diabetes

  • Insulintherapie mit mindestens vier Injektionen täglich und selbstständiger Anpassung der Dosis an Mahlzeiten, Sport etc. Blutzuckermessungen und Insulindosen müssen dokumentiert sein (Blutzuckertagebuch über die letzten drei Monate)
  • Der Diabetes muss die Lebensführung "durch erhebliche Einschnitte gravierend beeinträchtigen"
Tipps: Schildern Sie Ihre Beeinträchtigungen durch den Diabetes ausführlich
  • Berichten Sie von Ihren häufigen oder schweren Unterzuckerungen, die Hilfe von anderen erfordern, von gestörtem Schlaf durch nächtliches Messen und Spritzen, von Schwierigkeiten in Schule/Ausbildung/Beruf, von Folgeerkrankungen und psychischen Problemen
  • Informieren Sie die Ärzte, bei denen Sie in Behandlung sind, über den Antrag, damit sie auf Rückfragen vorbereitet sind

Den Antrag samt Unterlagen senden Sie dann als Einschreiben ans Versorgungsamt.

Illustration zum Thema Schwerbehinderung

Im Versorgungsamt werden die eingereichten Unterlagen gesichtet und, wenn nötig, zusätzliche Befundberichte von den behandelnden Ärzten angefordert. Die zuständige Ärztin beurteilt die Befunde. Anhand ihres Urteils entscheidet die Sachbearbeiterin über den Grad der Behinderung (GdB).

Ab einem GdB von 50 gelten Sie als schwerbehindert. Den Feststellungsbescheid des Versorgungsamtes mit Ihren GdB erhalten Sie mit der Post. Der Bescheid dient als Grundlage für den Schwerbehindertenausweis. In einigen Bundesländern wird der Ausweis zusammen mit dem Bescheid verschickt. Dazu wird im Antrag auf Schwerbehinderung bereits ein Passfoto erbeten. In anderen Bundesländern müssen Sie den Ausweis noch beantragen.

Illustration zum Thema Schwerbehinderung

Abgelehnt? Dagegen können Sie Widerspruch einlegen

Wird Ihr Antrag abgelehnt oder liegt ihr GdB unter 50 Prozent, können Sie dem Bescheid widersprechen. Ihren schriftlichen Widerspruch müssen Sie innerhalb eines Monts nach der Zustellung des Bescheids beim Versorgungsamt einreichen. Am besten holen Sie sich Unterstützung für das Widerspruchsverfahren: bei den Sozialverbänden VdK oder SoVD oder einem spezialisierten Anwalt.

Widerspruch abgelehnt? Dagegen können Sie vor dem Sozialgericht klagen

Das Gerichtsverfahren ist kostenfrei, ein Anwalt nicht nötig, aber zu empfehlen. Auch hier beraten VdK oder SoVD. Bevor Sie einen Anwalt beauftragen: Fragen Sie nach den entstehenden Kosten.

Wichtig!

Ein Schwerbehindertenausweis gilt in der Regel fünf Jahre.

Denken Sie daran, rechtzeitig einen neuen zu beantragen!

Illustration zum Thema Schwerbehinderung

Ausweis auch für Kinder?

Der Antrag auf Schwerbehinderung wird bei vielen Kindern mit Typ-1-Diabetes positiv (GdB von 50) beschieden. Unabhängig davon erhalten die Kinder und Jugendlichen, bis sie 16 Jahre als sind, das Merkzeichen H für Hilflosigkeit. Hilflos heißt in diesem Fall, dass sie im Umgang mit dem Diabetes noch nicht (völlig) selbstständig sind. Auch der Schwerbehindertenausweis für Kinder hat Vorteile, kann aber ebenso Nachteile mit sich bringen.

Das sollten Eltern vor dem Antrag bedenken

Die Vorteile: zum Beispiel freie Fahrt mit den meisten öffent­lichen Verkehrsmitteln, ermäßigte Eintrittspreise etwa für Bäder oder Zoos und ein Steuerfreibetrag von 3700 Euro für die Eltern. Nach dem 16. Lebensjahr wird die Schwerbehinderung neu geprüft, der GdB häufig auf 40 abgestuft.

Mögliche Nachteile: Bleibt ein GdB von 50 bestehen und gibt man ihn bei einer Bewerbung an, könnte das einen Arbeitgeber abschrecken. Und ein GdB von 50 kann den Abschluss bestimmter Versicherungen, der ohnehin wegen des Diabetes häufig erschwert ist, zusätzlich behindern — hier muss man sowohl den Diabetes als auch die Schwerbehinderung angeben.


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