Von Menschen und Diabetikern

Was ist die beste Bezeichnung für Menschen mit der Krankheit Diabetes? Über die Macht von Worten

von Stephan Soutschek, 08.06.2018
Menschen

Wie über jemanden oder etwas gesprochen wird, prägt die Wahrnehmung entscheidend


Darüber lässt sich streiten: Ist der Ausdruck "Diabetiker" diskriminierend oder nicht?  Die Deutsche Diabetes Gesellschaft etwa verzichtet nach Möglichkeit auf dieses Wort. Sie spricht lieber von "Menschen mit Diabetes". Auch die American Diabetes Association, also die amerikanische Diabetesgesellschaft, hat den Begriff "diabetic" (Diabetiker) aus ihrem Wortschatz gestrichen. Dahinter steckt die Erkenntnis, dass Worte beeinflussen, wie wir unsere Mitmenschen wahrnehmen. Wer jemanden als "Diabetiker" bezeichnet, definiert ihn vor allem über seine Krankheit — und nicht als Mensch mit einer Vielzahl an Merkmalen, von denen Diabetes nur eines ist.

"Man darf einen Menschen nicht auf seine Bauchspeicheldrüse reduzieren", sagt auch Klaus-Martin Roelver. Der Psychologe am Diabetes-Zentrum Quakenbrück findet im Alltag aber entscheidend: "Der andere muss merken, dass ich ihn als Mensch ernst nehme und wertschätze", sagt Roelver. Dann könne ein "Diabetiker" manchmal authen­tischer wirken als ein gestelztes "Mensch mit Diabetes".

Fehlt noch eine Meinung — die der Betroffenen selbst. Eine Umfrage des Diabetes Ratgeber auf Facebook ergab kein klares Meinungsbild. Ein Teil der Leser hatte kein Problem mit "Diabetiker", andere fanden den Ausdruck völlig daneben. Eine Auswahl der Kommentare sehen Sie hier.

"Diabetiker" oder "Mensch mit Diabetes"?


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