Fünf Fitness-Trends im Test

Functional Training, Barre-Workout, Yoga-Mix: Wir stellen aktuelle Fitnessangebote vor

von Cornelia Menner, 29.01.2018

Die "Kobra": Yoga-Klassiker werden vermehrt mit anderen Elementen gemischt


Fun, Fitness oder Folter? Das fragt man sich schon mal beim Anblick mancher Sport­geräte. Dennoch sind mehr als zehn Millionen Deutsche in einem Fitnessstudio angemeldet – so viele wie nie zuvor. Etwas für die Gesundheit tun und dabei motiviert bleiben: Dafür sollen die neuen­ Trends im Studio sorgen. Doch wie geeignet sind sie für Menschen mit chronischen Erkrankungen, etwa Diabetes? Dr. Christian Brinkmann, Sportwissenschaftler in Köln und an der IST-Hochschule in Düsseldorf, forscht zu Sport und Diabetes. Er und Melanie Krauss, Personal Trainerin und Fitnesstrainerin aus München, haben die Kurse für Sie beurteilt.

Darf ich das?

Bevor Sie sich als Diabetes-Patient im Studio anmelden, sollten Sie einen Sportmediziner fragen.

Er kann checken, wie viel Sie sich zumuten und welche Sportarten Sie bei bestimmten Vorerkrankungen (etwa Bluthochdruck, Nieren- oder Nervenschäden oder Problemen mit den Füßen) ausüben dürfen.

1. Functional Training: Power für Alltagshelden

Jetzt sollen wir also wieder Kniebeugen oder Klimmzüge machen. Was ist daran bitteschön neu? Zunächst mal der Name: "Functional Training". Fitnesstrainerin Melanie Krauss erklärt: "Übungen wie Kniebeugen sind für Untrainierte oft nicht schonend genug, wenn man sie am Boden macht. Hier helfen smarte Geräte." Etwa das TRX, ein Seil, das von der Decke hängt. In die Schlaufen am Ende steckt man Hände oder Füße. Das Seil macht Zug – und das Körper­gewicht dient als Widerstand.

Was bringt es?

Das, was wir im Alltag gut brauchen können: Kraft, um Einkaufstüten locker zu stemmen; Gelenkigkeit, um sich rückenfreundlich zu bücken. Functional Training fordert alle Muskelgruppen von Kopf bis Fuß gleichzeitig.

Gibt es Einschränkungen?

Kaum. "Ein sinnvolles Training auch bei Diabetes", sagt Christian Brinkmann. "Dabei kommt es auf die richtige Atmung an: beim Anspannen aus-, beim Entspannen einatmen." Für Menschen mit chronischen Erkrankungen gilt aber: immer erst den Arzt fragen, ob das Training erlaubt ist.

Fun, Fitness oder Folter?

Die Fitness steht im Vordergrund, in der Gruppenstunde kommt mit Musik der Fun-­Faktor dazu. Je kräftiger man am Seil zieht, desto stärker steigt der Folteranteil.

 

2. Barre-Workout: Ballerina-Träume ausleben

Tutu, Pirouetten, Spitzentanz? Damit hat das Barre-Workout nicht viel zu tun. Es geht um klassische Ballettpositionen, die an der Stange (Barre) geübt werden. Elemente aus Pilates und Yoga machen ein Ganzkörpertraining daraus. Zittern nach kurzer Zeit die Beine, kann man sich trösten, dass jetzt die Tiefenmuskulatur trainiert wird.

Was bringt es?

Die Übungen beanspruchen vor allem Oberschenkel, Po und Bauch. Dr. Brinkmann: "Gerade Beweglichkeit und Kraft lassen ja im Alter nach. Da kann das Barre-Training helfen." Wichtig ist, auf den Körper zu achten und aufzuhören, wenn etwas wehtut.

Gibt es Einschränkungen?

So gut wie keine. Auch wer nicht besonders fit ist, kann mitmachen, die Übungen bauen langsam auf. Achtung bei diabetischen Füßen: Das Training findet barfuß statt.

Fun, Fitness oder Folter?

Wer beim Vergleich am Spiegel neidisch auf Kollegen rechts und links schielt, muss mit inneren Qualen rechnen. Sonst sanfte Fitness, viel Fun.

 

3. Virtual Fitness: Trainieren mit 3-D-Effekt

Was bisher via Mausklick, über DVDs oder am TV möglich war, kommt in die Studios oder nach Hause: der virtuelle Trainer, der am Bildschirm tobt, schwitzt, anfeuert. Oder Kursprogramme, die uns in eine virtuelle Welt mitnehmen: So können wir mit dem Fahrrad-Ergometer durch Berglandschaften radeln, auf dem Lauftrainer fiktive Weltraumorte erobern. 270-Grad-Leinwand-Projektionen oder auch 3-D-Brillen lassen die virtuelle Welt real wirken.

Was bringt es?

Motivation pur. Die optische Ablenkung macht das sonst eher eintönige Laufen, Radfahren, ­Rudern spannender, man vergisst die Anstrengung.

Gibt es Einschränkungen?

Diabetes-Experte Dr. Christian Brinkmann: "Der Motivations­faktor ist nicht zu unterschätzen, wie eine Studie fürs Training zu Hause bestätigt hat. Damit konnten Patienten ihre ­Blutzuckerwerte senken, einfach weil sie sich öfter bewegten." Allerdings habe Training ohne echten Trainer auch Nachteile: "Man kann nicht korrigiert oder auf Überbelastung hingewiesen werden. Das ist aber gerade bei Diabetes wichtig."

Fun, Fitness oder Folter?

Fun hoch drei – den Rest hat man selbst in der Hand.

 

4. Faszientraining: Die Entdeckung des Bindegewebes

Als vor einiger Zeit die "Faszien­rolle" auftauchte, entstand fast der Eindruck, als sei jetzt das Nonplus­ultra der Fitnesswelt gefunden. Plötzlich redeten alle nur noch über Faszien. Damit ist das Bindegewebe gemeint, besonders Kapseln, Bänder, Sehnen und die flächigen Bindegewebsschichten. Gleiten sie geschmeidig aneinander entlang, sind wir beweglich, koordiniert und stabil. Faszien können aber verkleben. Auftritt für die "Blackroll", eine feste Schaumstoffrolle, die mit Druck über den Körper gerollt bzw. als Trainings­­gerät genutzt wird.

Was bringt es?

Melanie Krauss: "Im Studio verwenden wir die Rolle, um die Muskeln vor dem Training aufzuwärmen oder danach zu dehnen." Das bringt etwas, berichtet Professor Jürgen Freiwald, Bergische Universität Wuppertal, in der Fachzeitschrift Sports, Orthopaedics and Traumatology. So kann das Rollen tatsächlich beweglicher machen.

Gibt es Einschränkungen?

Sportwissenschaftler Brinkmann: "Die Faszienrolle kann hilfreich sein. Sie ersetzt aber kein Ganz­körper-Workout. Potenzielle Gefahrenpunkte sind bisher zudem wenig untersucht." Achtung: Diabetiker mit Nervenschäden oder Durchblutungsstörungen sollten kein Faszientraining machen!

Fun, Fitness oder Folter?

Der Druck auf verklebtes Bindegewebe kann höllisch wehtun und den Folterfaktor entsprechend steigern.

 

5. Yoga-Mix: Diabetes-Star mit Blutzuckereffekt

Die Kobra, der Hund, der Baum: Unzählige Yoga-Varianten bieten Studios heute an – von entspannt bis sehr sportlich. "Wir setzen auf einen Yoga-Mix, zum Beispiel mit Übungen aus dem Pilates", erklärt Melanie Krauss. Das macht die Bewegungen dynamischer, die Atmung kräftiger und bringt den Stoffwechsel in Gang – gut für Organe und für Muskeln.

Was bringt es?

Mehr Gelenkigkeit, mehr Kraft und Vorteile bei Diabetes. Experte Brinkmann: "Eine große Studie indischer Forscher wies nach, dass sich mit Yoga die Blutzuckerwerte tatsächlich verbessern lassen."

Gibt es Einschränkungen?

Was für jede Art von Fitness gilt, ist bei Yoga besonders wichtig: ein gut ausgebildeter Lehrer, der genau weiß, was und wie viel er seinen Schülern zumuten kann. Denn, so Brinkmann: "Einige Übungen aus dem Yoga könnten zu Abklemmungen und einem Blutstau führen, und manche Bewegungen können ungünstig sein."

Fun, Fitness oder Folter?

Je nach Intensität kuschelig oder hart. Fit werden ist eher Nebensache – und der Fun heißt hier "Lebensfreude".


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