Funktionskleidung: Darauf kommt es an

Wandern bei Sonne, Regen, Wind? Macht nur mit der richtigen Kleidung Spaß – meinen nicht nur Sportmodeverkäufer, sondern auch Wissenschaftler. Ein Plädoyer für Funktionskleidung

von Birgit Ruf, 16.10.2017
Hund mit Regenhut

Funktionskleidung: Gut geschützt vor Wind und Wetter


Glaubt man Sportbeklei­dungsherstellern, ha­ben Klamotten mit natürlichen Fasern in der Natur nichts verloren. Die Stars am Berg heißen Polyester und Polyamid. Kleidung aus Chemie­fasern ist leicht, trocknet schnell, lässt Schweiß abdampfen und Regen abperlen. Ihr Einsatzgebiet: Unterwäsche, Hemden, Shirts, Hosen, Jacken, Strümpfe und Schuhe.  

Funktionskleidung wärmt und kühlt

Muss das sein, oder ist das ein Marketing-Gag? Und was genau ist falsch daran, wenn ein Wander-Einsteiger, dem der Arzt wegen Übergewicht und Typ-2-Dia­betes körperliche Aktivität empfiehlt, in praktischer Cargohose, kariertem Baumwollhemd und Regenponcho losstapft?

Professor Thomas Hilberg von der Bergischen Universität Wuppertal sieht es ganz nüchtern: "Die für einen unbekleideten erwachsenen Körper ideale Umgebungs­temperatur liegt in Ruhe bei 27 bis 32 Grad", sagt der Sportmediziner. Schon bei wenigen Grad darunter müssen wir uns vor Wärmeverlust schützen. Mit einem Wollpulli oder einer Baumwolljacke klappt das zwar – doch die sind voluminös und schwer. Brennt aber die Sonne oder strengen wir uns an, setzt der Körper seine hauseigene Klimaanlage in Betrieb – "wir schwitzen, der Schweiß verdunstet auf der Haut und kühlt den Körper dadurch ab", erklärt Hilberg. Kleidung aus Funktionsfasern unterstützt beides: Sie hält trocken und warm, wenn es draußen kalt ist. Und sie reguliert die Wärmeabgabe, indem sie den Schweiß auf dem T-Shirt statt auf der Haut verdunsten lässt. Zudem trocknen die Materialien schnell.

Zwiebelprinzip bei Sportbekleidung

Wer seinem Körper bei der Temperaturregulierung helfen möchte, zieht sich nach dem Zwiebelprinzip an: mehrere dünne Schichten übereinander. Unterhose/Unterhemd, dann ein T-Shirt/ein Hemd und eine Hose. Darüber je nach Außentemperatur eine leichte Jacke oder ein Fleece und als letzte Schicht eine wasserabweisende und winddichte Jacke. Bergauf, wenn man schwitzt, legt man Schicht für Schicht ab. Wichtig: Alle Schichten sollten "atmungsaktiv" sein und den Schweiß von der Haut nach außen ableiten.

Schutzschild vor Wind und Wetter

Um Platz und Gewicht im Rucksack zu sparen, haben sich Sportbekleidungshersteller die sogenannten Softshells ausgedacht. "Soft" heißt "weich", "shell" bedeutet "Schale". Gemeint sind damit Jacken, die aus einer wärmenden und einer wasserabweisenden Schicht bestehen. Eine komfortable Lösung für Schönwetter-Wanderer, die den Regenschutz höchstens für kurze Schauer brauchen.

Wer für härtere Bedingungen gerüstet sein will, braucht ein Hardshell: In diese Jacken sei eine nicht nur wasserabweisende, sondern wasserdichte und gleichzeitig atmungsaktive Membran eingearbeitet, etwa Gore-Tex® oder Sympatex®, erklärt Professorin Ute Detering-Koll von der Hochschule Niederrhein in Mönchengladbach.

Kleidung für die Komfortzone

Funktionskleidung erfüllt ihren Zweck nur, wenn sie weder zu eng noch zu weit ist und perfekt passt: "Vor allem die Hose sollte aus dehnbarem Material sein", rät die Expertin für Bekleidungsproduktion Detering-Koll. Sonst könnte sie beim Aufstieg an Knien oder Oberschenkeln scheuern. Nicht nur bei Diabetes sei eine optimale Passform auch für Schuhe und Socken wichtig. "Und nehmen Sie für alle Fälle Ersatzsocken mit", so Detering-Koll.

Teuer? Muss nicht sein!

Inzwischen bieten auch Discounter günstige und qualitativ hochwertige Funktionskleidung an, sagt die Expertin. Mit Wetterglück und dem Panoramablick am Gipfel steht einer Leidenschaft fürs Bergwandern dann nichts mehr im Weg.


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