Wie viel Sport ist gut für mich?

Regelmäßige sportliche Aktivität zahlt sich für Menschen mit Diabetes aus. Doch wie finden Einsteiger die richtige Dosis? Tipps zum Sportbeginn

von Birgit Ruf , aktualisiert am 25.04.2016
Wie viel Sport ist gut für mich?

Sport-Check: Das Belastungs-EKG zeigt, ob das Herz beim Sport gut durchblutet wird


Von einem "Tiefschlag für Sportdeutschland" war die Rede, als vor ein paar Monaten Hamburgs "Nein" zur Olympiade 2024 bekannt wurde. "Sportdeutschland": Das klingt nach einer Nation begeisterter Fitness-Fans. Dabei zeigte erst kürzlich eine GfK-Umfrage im Auftrag des Diabetes Ratgeber: Knapp die Hälfte der über 14-Jährigen hierzulande macht überhaupt keinen Sport. Knappe zehn Prozent raffen sich immerhin einmal wöchentlich für eine halbe Stunde auf. Und nur fünf Prozent gaben an, an jedem einzelnen Tag mindestens 30 Minuten sportlich aktiv zu sein.

"Einmal die Woche Sport: Das ist so gut wie nichts", erklärt der Kardiologe Dr. Ulrich Hildebrandt, Chefarzt an der Rehaklinik St. Irmingard in Prien am Chiemsee. Dreimal pro Woche eine halbe Stunde Sport müssten es mindestens sein, deutlich besser wären täglich 15 bis 30 Minuten. Auch sollte der Abstand zwischen zwei Trainingseinheiten nicht größer sein als zwei Tage – was unter anderem daran liegt, dass die günstigen Einflüsse, etwa auf die Zucker-Verwertung durch die Muskeln, höchstens 48 Stunden anhalten.

Dr. med. Ulrich Hildebrandt

(Wieder-)Einsteiger: Ab zum Sport-Check!

Wie oft, wie lange und wie intensiv man Sport treiben sollte: Diese Fragen sollte jeder Einsteiger (oder Wiedereinsteiger) mit dem Arzt besprechen. Besonders wichtig ist das für alle Menschen, die Diabetes haben. Denn beim Sport steigen Puls und Blutdruck. Und das könnte ein vorgeschädigtes Herz überfordern.

Zudem könnten infolge eines langjährigen Diabetes die typischen Brustschmerzen ausbleiben, die einen Herzanfall ankündigen. Kardiologe Hildebrandt rät daher, zuerst eine "Sport-Tauglichkeitsuntersuchung" machen zu lassen, etwa bei einem Kardiologen oder Sportmediziner.

Zu einem solchen Sport-Check gehören, neben Fragen zu Vorerkrankungen und Risikofaktoren, auch eine Blutentnahme und eine gründliche Untersuchung. Das "Herzstück" ist natürlich die Belastungs-Untersuchung. In der Regel findet sie auf einem Standfahrrad statt. Während der Tret-Widerstand in kurzen Abständen erhöht wird, überwacht der Arzt auf dem Bildschirm das EKG. Veränderungen des Kurvenverlaufs zeigen, ob das Herz auch bei zunehmender Anstrengung ausreichend mit Blut versorgt wird. Der Anstieg des Blutdrucks und des Herzschlagtempos liefert wichtige Informationen über die Belastbarkeit.

Mit kurzen Trainingseinheiten beginnen

Wenn der Arzt nach dem Sport-Check keine Einwände hat, kann es losgehen. Wie und wo – ob in einer Sportgruppe mit Arztbetreuung oder alleine auf der Jogging-Piste –, bespricht man mit dem Arzt. Mit ihm legt man auch fest, wie intensiv das Training sein darf. Ein idealer Helfer dabei ist die Pulsuhr: Sie zeigt jederzeit, wie schnell das Herz schlägt und ob eine Pause angesagt ist.

"Anfangs sollten die Trainingseinheiten eher kurz sein", rät Ulrich Hildebrandt. Gerade für übergewichtige Menschen oder bei Gelenkproblemen genügen manchmal schon zehn Minuten strammes Gehen, um leicht ins Schwitzen zu kommen. Im Anschluss erhöht man die tägliche Dosis Schritt für Schritt – und achtet dabei auch auf die Signale seines Körpers. Wer sich zu schnell zu viel zumutet, riskiert nicht nur, sich zu überfordern. Auch die Motivation bleibt dann rasch auf der Strecke.

Auch die Füße im Auge behalten

Diabetiker mit Nervenschäden sollten zudem unbedingt auf optimales Schuhwerk achten. Denn kleine Wunden oder Blasen, die beim Sport entstehen, könnten zum Ausgangspunkt langwieriger Verletzungen werden. Die Füße sollten daher jeden Tag inspiziert und gepflegt werden.

Dass die regelmäßige sportliche Aktivität sich auszahlt, werden Diabetiker im Übrigen rasch an ihrem Messgerät ablesen können. Die Wirkung, die Sport auf den Blutzucker hat, ist vergleichbar mit der eines blutzuckersenkenden Medikaments. Und das – wenn man es richtig angeht – fast ohne Risiken und Nebenwirkungen.

Worauf es bei Diabetes ankommt

  • Blutzucker kontrollieren: Vor allem wer Insulin spritzt oder Sulfonylharnstoffe nimmt (Wirkstoffe z. B. Glibenclamid, Glimepirid), hat ein erhöhtes Risiko für Unterzuckerungen. Daher, besonders anfangs, den Blutzucker häufiger kontrollieren. Das ist auch deshalb wichtig, weil eine Unterzuckerung sich mit ähnlichen Zeichen äußert (etwa Schwitzen, Herzklopfen) wie körperliche Anstrengung.
  • Dosis anpassen: Besprechen Sie mit Ihrem Arzt, ob Ihre Tabletten- und/oder Insulindosis vor dem Sport verringert werden sollte.
  • Kohlenhydrate bereithalten: Halten Sie Traubenzucker-Täfelchen oder zuckerhaltige Getränke (Cola, Saft) bereit – falls es beim Sport zu einer Unterzuckerung kommt.

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