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Tipps für eine entspannte Weihnachtszeit

Unsere Experten erklären Ihnen, wie Sie gut durch die Advents- und Weihnachtszeit kommen: ohne Stress und bei bester Gesundheit

von Dr. Sabine Haaß, 11.12.2019
Junge fährt Weihnachtsbaum Lustig

Mit dem ersten Advent hat sie wieder begonnen: die stade Zeit. Stad bedeutet im süddeutschen Raum still. Doch für viele Menschen ist der Dezember alles andere als das. Geschenke besorgen, Plätzchen backen, sich um das Festessen und die Gestaltung der Feiertage kümmern und es dabei jedem recht machen wollen. Da ist der Stress programmiert.

Versuchen Sie es dieses Jahr doch mal anders. Planen Sie rechtzeitig, gönnen Sie sich Pausen, verteilen Sie Aufgaben. Wie das geht und wie Sie sich helfen, wenn Sie trotzdem in Stress geraten, erklärt Ihnen ein Psychologe. Außerdem haben wir zwei Spezialisten gefragt, wie Magen und Darm das weihnachtliche Schlemmen am besten überstehen.

Dr. Tobias Stächele

Gute Nerven — Stress ade!

An sich bedeutet Stress nichts Negatives. Wer weiß, dass viel zu erledigen ansteht, zum Beispiel in den Adventswochen, "aktiviert" seinen Körper automatisch, sagt Dr. Tobias Stächele, Psychologe und Stress-­­Spezialist an der Universität Freiburg. Erhöhte Aufmerksamkeit und Leistungsfähigkeit sorgen dann für die nötige Energie. Erst wenn die Anforderungen überhandnehmen, wenn es keine Pausen mehr gibt, wird Stress belastend. Und lässt übrigens auch den Blutzucker steigen. "Wichtig ist es, eine Balance zu schaffen", erklärt Stächele. Für die Weihnachtszeit heißt das konkret: Machen Sie sich rechtzeitig einen Plan.

Gönnen Sie sich Pausen

Überlegen Sie, was Ihnen für die Vorbereitung und den Ablauf der Feiertage wichtig ist, worauf Sie nicht verzichten wollen, aber auch, wie viel Zeit Sie zur Verfügung haben. Tragen Sie Aufgaben und Termine ebenso ein wie regelmäßige Pausen. Und nehmen Sie diesen Plan dann auch ernst.

Verbinden Sie Ihre Auszeiten mit etwas, das Stress zum Abklingen bringt: einer Tasse Tee, Ihrem Lieblingsbuch oder stimmungsvoller Adventsmusik. "Bauen Sie vor der Mußezeit noch einen körperlichen Ausgleich ein, etwa einen Spaziergang", rät Stächele. "Erst danach setzen Sie sich in Ruhe hin."

Verteilen Sie Aufgaben an andere

Gestalten Sie die Feiertage dieses Jahr doch mal ein bisschen anders. Klären Sie vorab, welche Erwartungen Ihre Lieben an Sie haben — und umgekehrt. Treffen Sie Absprachen: Planen Sie im Voraus Pausen, in denen Sie sich zurückziehen, wenn es Ihnen zu viel wird. Fragen Sie nach, ob es auch reicht, wenn Sie zwei statt fünf Sorten Plätzchen mitbringen. Oder ob es unbedingt für alle Geschenke geben muss und nicht nur für die Kinder. Vereinbaren Sie, dass jeder einen Gang zum Menü oder einen Kuchen beisteuert. "Aber sprechen Sie Ihre Wünsche rechtzeitig an, damit sich niemand überfahren fühlt", sagt Stächele. "Denn Zeitknappheit macht Stress!"

Akuten Stress kann allerdings die beste Planung nicht verhindern: etwa beim Warten in der langen Schlange an der Kasse oder auf den verspäteten Zug. Stächele empfiehlt: Wenn Sie merken, dass Ihre Nerven blank liegen, machen Sie kleine Muskelan- und -entspannungsübungen (siehe ­Kasten). "Dann spüren Sie Ihren Körper wieder und können klarer denken", sagt Stächele. Zum Beispiel überlegen, wie Sie diese "geschenkten" Minuten für sich verwenden. Und wenn der Stress nachlässt, sinkt auch Ihr Blutzucker.

So können Sie sich rasch entspannen

  • Ziehen Sie die Schulterblätter zusammen, stellen Sie sich auf die Zehenspitzen, spannen Sie die Pobacken an. Dazwischen lockern Sie die Muskeln wieder.
  • Atmen Sie ein paar Mal durch die Nase ein und durch den Mund aus. Zählen Sie dabei jeweils bis fünf.
Weihnachten Schlafen

Gute Gesundheit – Schlemmen ohne Reue

Interview: Was wirklich hilft, wenn man zu viel gegessen hat, erklärt Gastro­enterologe und Diabetologe Dr. Harald Fischer, Ärztlicher Leiter der Klinik Rosenberg in Bad Driburg

Die Weihnachtsgans liegt häufig im Magen. Warum ist das so?

Fett wird nur sehr langsam verdaut. Je höher der Fett­anteil, desto länger bleibt die Nahrung im Magen. Beim Gänsebraten können das bis zu sieben Stunden sein.

Viele schwören da auf ein Gläschen Schnaps ...

Dass Alkohol die Verdauung anregt, ist ein Mythos! Durch den Schnaps wird das verspeiste Essen weder schneller aufgespalten noch weiterbefördert. Alkohol entspannt die Muskulatur, auch die des Magens, und vermindert dadurch vielleicht das Völlegefühl. In größeren Mengen — wenn Sie etwa zum Essen Wein trinken und dann noch einen Schnaps hinterher — verzögert er Studien zufolge aber die Magenentleerung.

Günstig auswirken kann sich allenfalls ein Aperitif vor dem Essen, zum Beispiel ein Sherry oder Campari. Aber wegen der Bitterstoffe, nicht wegen des Alkohols.

Wie wäre es stattdessen mit Kaffee oder Espresso?

Danach entleert sich zwar der Magen nicht schneller, beides regt aber die Darmbewegung an. Und das Koffein ist ein Muntermacher. Weil der Darm nach dem Essen etwa 70 Prozent des Blutes zur Verdauung abzieht, steht dem Gehirn weniger als sonst zur Verfügung, wir sind müde. Kaffee stimuliert den Sympathikusnerv und lässt uns wieder wach werden.

Kann auch ein Spaziergang etwas ­ausrichten?

Bewegung fördert die Peristaltik von Magen und Darm und damit den Weitertransport des Speisebreis. Und, ganz wichtig bei Diabetes, sie senkt den Blutzucker — ihr Einfluss wird oft unterschätzt! Wer beim Essen, gerade an Weihnachten, doch mal über die Stränge schlägt, kann mit einer halben bis einer Stunde Bewegung viel wettmachen.

Wer Diabetes hat, verdaut sowieso viel langsamer. Stimmt das?

Tatsächlich können Nervenschäden durch den Diabetes auch Magen und Darm betreffen und bewirken, dass Gegessenes länger im Magen bleibt. So eine Magenlähmung oder Gas­troparese kommt jedoch selten vor. Und dann vor allem bei Menschen, die nach langer ­Diabetesdauer bereits Nervenschäden an den Beinen oder andere Folgekrankheiten haben. Der Arzt kann eine Gastroparese anhand spezieller Unter­suchungen feststellen. Was aber viele Diabetiker nicht wissen: Schon kurzfristig erhöhte oder auch dauerhaft schlechte Blut­zuckerwerte allein verlangsamen die Magen-Darm-­­Bewegungen. Wer also seinen Blutzucker gut im Griff hat, tut auch etwas für seine Verdauung!

Ausschlafen

Magenwohl: Das rät die Apothekerin

Wie Sie Verdauungsbeschwerden an den Festtagen verhindern, sagt Ihnen Apothekerin Barbara Maisch aus Sulzbach-Rosenberg: "Magen und Darm müssen über die Weihnachtstage Schwerarbeit leisten. Um Beschwerden vorzubeugen, können Sie aber einiges tun. Verwenden Sie Gewürze, die das Essen bekömmlicher machen: Beifuß oder Majoran zum Braten, Bohnenkraut zu Bohnen, Kümmel zum Kohl. Oder würzen Sie kräftig mit Paprika, Chili und Ingwer. Deren Scharfstoffe fördern die Verdauung und regen den Gallenfluss an. Plagt Sie dennoch Sodbrennen, helfen kurzfristig Antazida. Sie neutralisieren überschüssige Magensäure. Länger wirken Tabletten mit den Wirkstoffen Omeprazol, Pantoprazol oder Esomeprazol, die die Säurebildung hemmen. Niedrig dosiert gibt es sie wie Antazida rezeptfrei in der Apotheke. Völlegefühl lindern Tees aus Pfefferminze, Fenchel und Kümmel oder Tropfen und Tees mit Bitterstoffen wie Löwenzahn, Enzian und Tausendgüldenkraut. Diese Tees bitte nicht süßen — sonst ist der Effekt weg!"

Feiern ohne ­Gewissensbisse

Ob über Weihnachten, Ostern, am amerikanischen Erntedank- oder am persischen Neujahrsfest: Wenn gefeiert wird, nehmen Menschen zu. Das haben Forscher in etlichen Studien festgestellt. Die Gründe sind offensichtlich: leckeres Essen, kalorienreiches Gebäck, ausgedehntes gemeinsames Tafeln, wenig Bewegung.

Warum soll man die Feste nicht feiern, wie sie fallen? Nach Weihnachten bleibt fast ein volles Jahr Zeit, um die angesetzten Pfunde wieder loszuwerden. Etwa indem man auf Snacks verzichtet oder sich mehr bewegt.

Was Sie an den Feiertagen tun können: Essen Sie langsam, und genießen Sie jeden Bissen ganz bewusst. Dann nehmen Sie auch das Sättigungssignal des Gehirns nach etwa 20 Minuten besser wahr — und brauchen keinen Nachschlag mehr.

Nothilfe an den Feiertagen

Ärztlicher Bereitschaftsdienst:
Tel. 116 117 (kostenlos)
Apotheken-Notdienst:
• Tel. 0 800/00 22 833 (Festnetz, kostenlos)
• Tel. 22 833 (mobil,
   69 Cent pro Minute/SMS)
www.aponet.de


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