Was tun bei Verstopfung?

Oft bringen Hausmittel die Verdauung bei einer Verstopfung wieder in Gang. Doch was, wenn sie auch nicht helfen?

von Andrea Grill, 15.08.2018
Nichts geht mehr: Auch Nervenschäden können bei Diabetes Grund für eine Verstopfung sein

Nicht jeder Stopp ist Verstopfung

Zwei Tage Toilettenpause? Kein Grund zur Panik! "Viele Menschen glauben, dass bei ihnen nur dann alles stimmt, wenn sie einmal pro Tag auf die Toilette müssen", sagt Gastro­enterologe Dr. Thomas Eisenbach. In seiner Praxis in Leverkusen klärt er die Patienten über diesen Irrglauben auf: Zwischen dreimal pro Tag und dreimal pro Woche ist alles okay — ­­vorausgesetzt, der Toilettengang macht keine Beschwerden. "An chronischer Verstopfung leidet, wer über Wochen beim Stuhlgang mühsam pressen oder gar mit den Händen nachhelfen muss, einen harten und klumpigen Stuhl hat oder das Gefühl, dass nicht alles rauskommt." Von solchen Problemen seien immerhin etwa 15 Prozent aller Menschen in Europa betroffen, in höherem Lebensalter sogar 20 Prozent.

Suche nach der Ursache

Akute Verstopfung hat oft ganz banale Gründe. Auf Reisen tritt der Darm zum Beispiel gerne mal für ein paar Tage in den Streik. "Beleidigt reagiert er auch, wenn man den Drang zur Toilette unterdrückt", sagt Thomas Eisenbach. Schichtarbeiter, LKW-Fahrer oder Berufstätige im Außendienst schildern ihm oft ihr Problem: Sie können nicht aufs Klo gehen, wenn sie müssen. Und ist dann endlich Zeit und Gelegenheit, geht nichts voran. Bei chronischer Verstopfung gibt es jedoch meist nicht den einen Anlass, sondern es kommen viele Ursachen zusammen.

Einfluss der Zuckerkrankheit

Diabetes kann die Verdauung ausbremsen, weil hohe Glukosewerte die Nerven schädigen können. Eine solche Neuropathie legt mitunter auch den Darm lahm. Der ist nämlich nicht nur ein passiver Schlauch, sondern reagiert auf Signale von Nervenzellen, indem er den Nahrungsbrei weitertransportiert. Wenn jemand mehrere Medikamente einnimmt, was bei Diabetikern oft zutrifft, hilft ein Blick auf die Arzneiliste. Bestimmte Medikamente, darunter manche Blutdrucksenker, Antidepressiva und Schmerzmittel, begünstigen eine Verstopfung. Der Wechsel auf ein anderes Präparat kann helfen. Bitte mit dem Arzt besprechen.

Bewegtes Leben, bewegter Darm

Aktivität macht den Darm mobil. "Bei Diabetikern verbessert sie zudem die Blutzuckerwerte", sagt Apothekerin Eva-Maria Unger aus Taunusstein. Schon regelmäßige Spaziergänge — übrigens besser vor als nach dem Essen — unterstützen die Verdauung. Auch wichtig: genügend trinken, etwa eineinhalb bis zwei Liter pro Tag. Die Flüssigkeit macht den Stuhl weicher und fülliger und fördert so die Darmtätigkeit. Ähnlich wirken ballaststoffreiche Lebensmittel wie Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte und Gemüse.

Hausmittel als Helfer

Es lohnt sich immer, bewährte Hausmittel auszuprobieren:

  • Morgens nach dem Aufstehen ein Glas lauwarmes Wasser trinken
  • Den Darm "takten", indem man jeden Tag zur gleichen Zeit auf die Toilette geht. Dort verbringt man ganz entspannt etwa zehn Minuten, auch wenn nichts passiert
  • Vor dem Toilettengang den Bauch mit kreisförmigen Handbewegungen im Uhrzeigersinn massieren
Viel trinken

Einnahme-ABC für Abführmittel

"Wer dem Darm am liebsten mit natürlichen Mitteln helfen möchte, sollte es mit in Wasser gequollenen Flohsamen probieren", rät Thomas Eisenbach. Zur richtigen Anwendung bitte den Apotheker fragen. Am Anfang kostet es etwas Überwindung, die glibberige Masse zu schlucken. Damit der Körper sich an die Ballaststoffgabe gewöhnen kann, beginnt man mit einer kleinen Menge und steigert diese langsam. So tastet man sich an die optimale Dosis heran, nach dem Motto "so viel wie nötig, so wenig wie möglich". Nicht ratsam ist es, Flohsamen und ähnlich wirkende synthetische Abführmittel nur zu nehmen, wenn das Problem akut ist. Denn die Mittel wirken nicht sofort. "Chronische Verstopfung ist ein Problem, das sich nur langfristig lösen lässt", sagt Eisenbach. Viele rezeptfrei erhältliche Mittel seien bei dauerhafter, sachgerechter Anwendung unproblematisch. Die Sorge, dass ein Abhängigkeits-Effekt eintreten könnte, sei unbegründet.

Von Bittersalz bis Rizinusöl: Mittel aus der Apotheke

"Abführende Mittel können auf zwei Wegen wirken", erklärt Apothekerin Eva-Maria Unger. Die einen machen den Stuhl weicher, indem sie Wasser binden oder in den Darm hineinziehen. Die anderen regen die Muskulatur des Darms an, den Stuhl weiterzutransportieren. "Je stärker ein Präparat wirkt, umso eher kann es leider auch Nebenwirkungen wie Blähungen oder Bauchkrämpfe verursachen", sagt Unger. Manche Wirkstoffe könnten bei übermäßigem Gebrauch zu einem Kaliummangel führen. Vor der Einnahme sollte man sich deshalb in der Apotheke beraten lassen.

Grenzen der Selbsthilfe

Wenn die Verdauung zeitlebens gut geklappt hat, aber auf einmal ins Stocken gerät, sollte ein Arzt nach spätestens zwei Wochen die Beschwerden abklären. Auch bei akuten, heftigen Bauchschmerzen, Blut im Stuhl oder Gewichtsverlust ist der Gang zum Arzt angesagt.

Auf die Haltung kommt es an!


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