4 Fakten über die Wechseljahre

Mit den Wechseljahren tritt ein neuer Abschnitt im Leben einer Frau ein. Das hat auch Auswirkungen auf den Diabetes. Spannende Fakten zum Klimkaterium

von Dr. Sabine Haaß, 26.08.2016

So viele Frauen in den Wechseljahren gab es noch nie in Deutschland! Denn die Babyboomer, also die geburtenstarken Jahrgänge, sind nun in dem Alter, in dem der hormonelle Wandel ansteht.

Gleich vorweg: Die Wechseljahre sind keine Krankheit, sondern eine natürliche Phase im Leben. Gerade Frauen mit Diabetes sollten aber wissen, was nun passiert. Hier ein paar überraschende Fakten:

Fakt 1: Bei Frauen mit Diabetes kann der Wechsel ein paar Jahre früher beginnen.

Warum? Das ist nicht geklärt. Vermutlich hängt es damit zusammen, dass Diabetes auf den gesamten Stoffwechsel wirkt, also auch auf die weiblichen Hormone. Vereinfacht gesagt verläuft das Klimakterium, wie Experten die Wechseljahre nennen, in mehreren Phasen. In der sogenannten Perimenopause versiegt allmählich die Hormonproduktion in den Eierstöcken. Jetzt wird der Zyklus unregelmäßig, die Fruchtbarkeit geht zurück. Meist beginnt dies um das 40. Lebensjahr. Als Menopause bezeichnen Experten die letzte Regelblutung. Meist liegt sie um das 50. Lebensjahr. In den Jahren davor und danach klagen einige Frauen über Hitzewallungen, Schlafstörungen oder Verstimmungen. Aber sind daran wirklich die Wechseljahre schuld?

Fakt 2: Vieles, was wir für Probleme mit dem Wechsel halten, hat gar nichts damit zu tun.

Niedergeschlagenheit, Gewichtszunahme, Schlafprobleme, Gelenkschmerzen: Viele vermeintlich typische Wechseljahresbeschwerden hängen womöglich einfach damit zusammen, dass wir älter werden. Zu diesem Ergebnis kam eine Studie aus Dresden. Auch dass viele Frauen jetzt zunehmen, hängt eher mit dem Alter zusammen: Der Körper braucht mit fortschreitendem Alter weniger Kalorien. Lediglich Hitzewallungen und Schweißausbrüche seien unmittelbar den Wechseljahren zuzuschreiben, so die Studie. "Andererseits begünstigt dies natürlich Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen und Erschöpfung", sagt Gynäkologin Prof. Petra Stute vom Inselspital in Bern.

Beschwerden lindern

Manche Frauen haben Glück und spüren von ihren Wechseljahren überhaupt nichts. Vielen jedoch machen die unterschiedlichsten Symptome zu schaffen. Das kann helfen:

  • Hitzewallungen: Kleiden Sie sich nach dem "Zwiebelschalenprinzip", sodass Sie bei einer Hitzewallung etwas ausziehen können. Legen Sie sich bei einer Hitzewallung einen kühlen Waschlappen in den Nacken. Vorbeugend wird Salbei eine günstige Wirkung zugeschrieben. Rauchen kann Hitzewallungen übrigens verschlechtern – deshalb am besten aufhören.
  • Scheidentrockenheit: Hier können Befeuchtungsgele bzw. Gleitmittel aus der Apotheke helfen.
  • Schlafstörungen: Halten Sie sich an regelmäßige Schlafenszeiten, vermeiden Sie Nickerchen, und trinken Sie am späteren Nachmittag keinen Kaffee. Präparate mit Lavendel, Hopfen und Baldrian versprechen Linderung.

Wichtig: Sprechen Sie mit Ihrem Arzt, und lassen Sie sich in der Apotheke beraten, welche pflanzlichen Präparate für Sie am besten geeignet sein könnten.

Fakt 3: In den Wechseljahren können die Blutzuckerwerte durcheinandergeraten.

Der Grund: Weibliche Hormone beeinflussen die Insulinempfindlichkeit der Zellen. "Davon sollte man sich aber nicht verrückt machen lassen", sagt die Internistin Prof. Petra-Maria Schumm-Draeger, Chefärztin am Klinikum München-Bogenhausen. Wichtig sei es nun, den Blutzucker öfter zu kontrollieren und eventuell die Therapie anzupassen. Und dabei entspannt zu bleiben. Denn Stresshormone können sich ebenfalls auf den Blutzucker auswirken. Wechseljahre bedeutet nämlich beileibe nicht, dass es dauernd zu Problemen kommt. Zudem verlaufen die Wechseljahre in Schüben, will heißen: Es gibt Phasen, da zeigen sich Symptome vermehrt – und solche, in denen nichts zu spüren ist. Studien zufolge leidet ein Drittel der Frauen unter den Wechseljahren gar nicht, ein Drittel spürt leichte Auswirkungen, und lediglich ein Drittel fühlt sich stärker beeinträchtigt. Was können Betroffene tun?

Fakt 4: In manchen Fällen lohnt es sich, über eine Behandlung mit Hormonen nachzudenken.

Hormone gegen starke Wechseljahresbeschwerden – das ist so eine Sache: Im Jahr 2002 hatte eine große amerikanische Studie ergeben, dass Frauen, die jahrelang eine Hormontherapie erhielten, ein höheres Risiko hatten, Brustkrebs oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu bekommen. Deshalb rieten Experten lange, Hormone, wenn überhaupt, nur kurz einzunehmen – und nur bei starken Beschwerden. "Mehrere Studien zeigen, dass die Gabe von Östrogen den Stoffwechsel günstig beeinflusst und in manchen Fällen bei Herz-Kreislauf-Problemen nützlich sein kann", sagt Gynäkologe Professor Joseph Neulen von der Universitäts-Frauenklinik Aachen. Also: Hormone ja oder nein? Das lässt sich nicht pauschal beantworten. Ob eine Frau von einer Hormonersatztherapie profitiert, muss sie mit ihrem Arzt besprechen. Für Frauen, die Brust- oder Gebärmutterkrebs hatten, eignet sich die Behandlung nicht. "Auch bei starkem Übergewicht oder Bluthochdruck sollte man sorgfältig abwägen", sagt Diabetologin Schumm-Draeger. "Wenn eine Frau aber so schlimme Beschwerden hat, dass sie ihren Alltag nicht mehr bewältigen kann, ist eine Hormontherapie das geringere Übel."


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