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Führerschein: Autofahren mit Diabetes

Mit Diabetes ans Steuer? Das ist bei guten Zuckerwerten und verantwortungsbewusstem Fahren kein Problem. Welche Regelungen es gibt, wie Sie Unterzucker vorbeugen

von Stephan Soutschek, aktualisiert am 29.04.2016
Frau im Auto zeigt sich zuversichtlich

Für gut eingestellte Diabetespatienten ist Autofahren in der Regel kein Problem


Die meisten Menschen mit Diabetes fahren ohne größere Probleme Auto. Unterzuckerungen können am Steuer jedoch zum Problem werden. Sinkt der Blutzuckerspiegel zu tief, lassen in der Regel Aufmerksamkeit, Konzentration und Reaktionsvermögen nach. Im Straßenverkehr entstehen so schnell gefährliche Situationen.

Wer Diabetes hat und weiß, dass er zu Unterzuckerungen neigt, muss dafür sorgen, dass die Werte am Steuer nicht zu tief sinken. Kann jemand die entsprechenden Warnzeichen nicht wahrnehmen, darf er nicht Auto fahren.

Sechs Tipps, um Unterzucker am Steuer zu vermeiden

1. Messen Sie vor Fahrtantritt den Blutzucker. Essen Sie bei einem zu tiefen Wert ein bis zwei BE/KE schnelle Kohlenhydrate und fahren Sie erst los, wenn der Blutzucker wieder gestiegen ist.

2. Notieren Sie den Blutzuckerwert und die gegessene Kohlenhydratmenge. Damit dokumentieren Sie den verantwortungsbewussten Umgang mit dem Diabetes, falls dieser nach einem Unfall zum Thema wird.

3. Bewahren Sie Traubenzuckerplättchen, Beutel mit Flüssigtraubenzucker oder andere schnelle Kohlenhydrate griffbereit neben dem Fahrersitz auf. Gut geeignet ist zum Beispiel das Fach in der Fahrertür.

4. Nehmen Sie Müsliriegel, Obst oder andere Snacks als "Notreserve" mit. Diese können Sie im Handschuhfach verstauen. Schnelle Kohlen­hydrate wie Traubenzucker aber unbedingt in Griffweite lagern.

5. Machen Sie bei längeren Fahrten alle zwei Stunden eine Pause. Kontrollieren und dokumentieren Sie den Blutzucker.

6. Halten Sie bei den geringsten Zeichen einer Unterzuckerung an und nehmen Sie Traubenzucker oder andere schnelle Kohlenhydrate zu sich. Erst weiterfahren, wenn der Blutzucker gestiegen ist und die Unterzucker-Symptome abgeklungen sind. Nach einer hal­ben Stunde noch einmal anhalten, um erneut zu messen. Werte notieren nicht vergessen.

Auflagen für den Führerschein bei Diabetes

Wegen des Unterzucker-Risikos gelten für Diabetiker, die den Führerschein erwerben wollen, bestimmte Auflagen. Die Begutachtungsleitlinien der Bundesanstalt für Straßenwesen legen fest, in welchen Fällen ein Patient mit Diabetes nicht fahrtauglich ist. Dabei kommt es auf das persönliche Unterzuckerrisiko sowie auf die Art des Fahrzeugs an.

  • Keine Einschränkungen gibt es für Menschen mit Diabetes, die ein niedriges Unterzuckerungsrisiko haben und ein Fahrzeug der Klasse 1 – also Auto oder Motorrad – fahren.
  • Wer anfällig für Unterzucker ist, kann Fahrzeuge der Klasse 1 fahren, wenn sein Stoffwechsel durch einen Arzt gut eingestellt ist und er geschult wurde. Mit einem erhöhten Unterzuckerungsrisiko verbunden sind Therapien mit Insulin, Sulfonylharnstoffen und ihren Analoga. Außerdem rät die Leitlinie zu Stoffwechselkontrollen. Den Blutzuckerspiegel also vor Fahrtbeginn messen.
  • Wer mit Diabetes ein Fahrzeug der Klasse 2 – LKW, Bus, Taxi – steuern möchte, muss nachweisen, dass sein Stoffwechsel in den letzten drei Monaten stabil war, selbst wenn er kein erhöhtes Risiko für Unterzuckerungen besitzt. Wer mit einer gesunden Ernährung oder viel Bewegung seine Werte in den Griff zu kriegen versucht, sollte sich durch einen Facharzt für Innere Medizin oder einen Diabetologen begutachten lassen. Wer Medikamente mit geringem Unterzucker-Risiko einnimmt, für den sind regelmäßige ärztliche Kontrollen und eine fachärztliche Nachbegutachtung Pflicht.
  • Bei einer Therapie mit Sulfonylharnstoffen oder Insulin ist neben den ärztlichen Kontrollen eine fachärztliche Begutachtung im Abstand von drei Jahren vorgeschrieben, wenn ein Diabetiker Fahrzeuge der Klasse 2 führen möchte.

Allgemein gilt: Wer in den letzten zwölf Monaten eine schwere Unterzuckerung hatte, bei der er auf fremde Hilfe angewiesen war, ist laut Bundesanstalt für Straßenwesen nicht fahrtauglich. Er darf erst dann wieder fahren, wenn er nachweisen kann, dass er seinen Stoffwechsel unter Kontrolle hat und Unterzuckerungen wahrnehmen kann.

Auch typische Folgeerkrankungen eines Diabetes können die Fahrtauglichkeit einschränken. Etwa, wenn Betroffene infolge eines Netzhautschadens (Retinopathie) schlecht sehen, sowie bei einer Niereninsuffizienz oder bestimmten Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Im Zweifelsfall immer den Arzt fragen, ob etwas dagegen spricht, sich hinter das Steuer zu setzen.

Gutachten über Fahrtauglichkeit

Wer seinen Führerschein schon hat und erst dann an Diabetes erkrankt, muss die Erkrankung der Behörde nicht melden. Auch beim Umtausch in den neuen EU-Führerschein müssen keine Gesundheitsfragen beantwortet werden.

Erfährt die Fahrerlaubnis-Behörde, dass jemand Diabetes hat (etwa infolge eines Unfalls), kann sie den Betreffenden aufforden, in einem ärztlichen Gutachten nachzuweisen, dass er fahrtauglich ist. Dazu wenden sich Patienten am besten an einen Diabetologen mit verkehrsmedizinischer Zusatzqualifikation. Die Arztsuche der Deutschen Diabetes Gesellschaft bietet einen entsprechenden Filter an. Wichtig: Der Gutachter darf nicht der behandelnde Arzt sein.

Therapiewechsel kann sich lohnen

Bei Medikamenten wie Sulfonylharnstoffen gilt ein erhöhtes Risiko für Unterzuckerungen. Patienten können sich in diesem Fall bei ihrem behandelnden Arzt erkundigen, ob ein Therapiewechsel möglich ist.

Vorsicht: Nach einer Therapieänderung, etwa wenn das Medikament gewechselt oder die Dosis erhöht wurde, sollten Patienten vorerst auf Autofahren verzichten. Zum einen können nach einer Umstellung vermehrt Unterzuckerungen auftreten. Zum anderen sind vorübergehende Sehstörungen möglich, wenn die Zuckerwerte lange hoch waren und dann sinken.

Gespür für Unterzucker schulen

Vor allem bei älteren und langjährigen Diabetespatienten können typische Unterzucker-Warnzeichen wie Zittern oder Schwitzen trotz tiefer Werte ausbleiben. Wer vermutet, dass bei ihm die Unterzucker-Wahrnehmung gestört ist, sollte unbedingt mit seinem Arzt darüber reden. In speziellen Kursen können Patienten lernen, auf die Hinweise ihres Körpers wieder besser zu achten.


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