Wie wende ich das Glukagon-Notfallset richtig an?

Mit einem Glukagon-Spritzenset können Laien Erste Hilfe leisten, wenn ein Diabetiker wegen einer schweren Unterzuckerung bewusstlos geworden ist. Das Video zeigt, wie es geht. Dazu erfahren Sie, wer das Set benötigt, wie es wirkt und wann nicht

von Daniela Pichleritsch, 30.08.2018
Anwendung des GlukagonKit

Das Glukagon-Notfallset besteht aus einer Spritze mit Lösungsmittel und einer Ampulle mit Glukagon-Pulver


Wichtig:

- Bei einer schweren Unterzuckerung mit Bewusstlosigkeit immer den Notarzt verständigen (Notruf 112).

- Ein Arzt sollte abklären, wie es zu der schweren Unterzuckerung kam und wie sich dies in Zukunft vermeiden lässt.

Wer braucht ein Glukagon-Notfallset?

Menschen mit Diabetes, die zu schweren Unterzuckerungen neigen. Das Glukagon-Set verordnet der Arzt. Es ist in der Apotheke erhältlich. Das Set sollte man immer dabei haben, wenn kein Notarzt verfügbar ist, etwa auf Flugreisen.

Wichtig: Angehörige, Freunde oder Kollegen müssen wissen, wo sich das Notfallset befindet. Wie es anzuwenden ist, zeigt auch die Anleitung im Deckel der Packung und im Beipackzettel. Falsch machen kann man dabei praktisch nichts.

Wie wirkt Glukagon?

Das Hormon Glukagon ist der Gegenspieler des Insulins. Es bringt die Leber dazu, Zucker aus ihren Speichern ins Blut abzugeben. Dadurch steigt der Blutzucker normalerweise innerhalb von etwa zehn Minuten wieder und der Bewusstlose erwacht.

Was ist nach der Injektion wichtig?

Wenn der Betroffene wieder bei Bewusstsein ist, braucht er gleich etwas Zuckerhaltiges zu essen oder zu trinken. Zum Beispiel Saft, Cola (keine Light-Produkte!) oder Traubenzucker. Das erhöht den Blutzucker rasch, beugt einer erneuten Unterzuckerung vor und füllt die Zuckerspeicher der Leber wieder auf.

Je nach Ursache der Unterzuckerung kann es auch sinnvoll sein, zusätzlich noch etwas zu essen, das den Blutzucker langsamer steigen lässt, etwa ein belegtes Brötchen oder einen Schokoriegel.

Um rechtzeitig zu erkennen, ob sich ein weiteres Zuckertief anbahnt, sollte der Blutzucker nach dem Erwachen engmaschig kontrolliert werden, etwa alle 15 Minuten. Falls nötig: erneut Kohlenhydrate essen oder trinken. Glukagon kann kurzfristig leichte Übelkeit und Bauchweh verursachen. Das ist normal.

Wann hilft die Notfallspritze nicht?

Wenn die Zuckerspeicher der Leber leer sind, etwa nach ausgiebigem Sport oder Alkoholgenuss. Für Menschen mit Typ-2-Diabetes, die noch eigenes Insulin produzieren und Sulfonylharnstoffe einnehmen (zum Beispiel Glibenclamid und Glimepirid) ist das Notfall-Set nicht zugelassen. Sie sollten möglichst vom Notarzt versorgt und anschließend in der Klinik überwacht werden, da der Blutzucker auch noch Stunden später wieder sinken kann.

Wie lange hält das Glukagon-Set?

Bei Raumtemperatur (unter 25 Grad) ist es 18 Monate haltbar. Daher bitte regelmäßig austauschen.

 


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