Mehr Lebensqualität mit Insulinpumpe

Insulinpumpen können vor allem bei Typ-1-Diabetes den Alltag erleichtern. Die Krankenkassen übernehmen die Kosten aber nur in bestimmten Fällen

aktualisiert am 19.02.2018
Insulinpumpe

Moderne Insulinpumpen können ähnlich wie Handys am Gürtel getragen werden


Wie funktioniert eine Insulinpumpe?

Insulinpumpen sind kleine Geräte, die Menschen mit Diabetes laufend mit Insulin versorgen. Patienten tragen sie ständig, etwa am Hosenbund. Über einen dünnen Schlauch und eine Stahl- oder Teflonkanüle, die unter die Haut gelegt wird, meist am Bauch, gelangt das Insulin in das Unterhautfettgewebe.

Insulinpumpen geben wie die Bauchspeicheldrüse rund um die Uhr kleine Mengen Insulin ab, um die Grundversorgung des Körpers zu decken – den sogenannten Basalbedarf. Das zu den Mahlzeiten zusätzlich benötigte Insulin, den Bolus, ruft der Patient per Knopfdruck oder über das Menü der Pumpe ab. Die Insulinabgaben lassen sich programmieren.

Die Geräte können Patienten zu mehr Lebensqualität und Freiheit im Alltag verhelfen. Bei der Insulinpumpe entfällt das Spritzen mit dem Pen, was viele Patienten als Erleichterung empfinden. Auch spontan Sport treiben oder Mahlzeiten einnehmen ist mit der Pumpe ohne Probleme möglich. Bei der Pumpe lässt sich die abgegebene Insulinmenge spontan einstellen und genau dosieren. Das führt dazu, dass die Werte in der Regel weniger stark schwanken, weniger Unterzuckerungen auftreten und der Stoffwechsel insgesamt besser eingestellt ist.

Wer erhält eine Insulinpumpe?

Patienten, die eine Insulinpumpe nutzen möchten, müssen in Absprache mit Ihrem Arzt einen entsprechenden Antrag bei der Krankenkasse stellen. Diese übernehmen nur in bestimmten Fällen die Kosten. Deswegen unbedingt vorab erkundigen, welche Bedingungen die Kasse stellt. In der Regel müssen Patienten bei einem Antrag die Blutzuckerverläufe und gegessenen BE-/KE-Werte der vergangenen drei Monate genau dokumentieren.

Aussichten auf Erfolg bestehen vor allem bei Patienten mit Typ-1-Diabetes, bei denen die Blutzuckerwerte mit der intensivierten konventionellen Insulintherapie nicht in den Griff zu kriegen sind, die häufige und schwere Unterzuckerungen erleiden, sowie bei einer Schwangerschaft. Kinder mit Typ-1-Diabetes erhalten oft leichter als Erwachsene eine Insulinpumpe.

Menschen mit Typ-2-Diabetes, die Insulin spritzen, können ebenfalls an eine Pumpe gelangen, wenn andere Therapieversuche bei ihnen nicht greifen.

Moderne Insulinpumpen sind unauffällig

Insulinpumpen sind in der Regel nicht größer als ein Handy und wiegen nicht mehr als eine Tafel Schokolade. Sie können in der Hosentasche verborgen, am Gürtel befestigt oder an einer Kordel um den Hals getragen werden und nachts frei im Bett liegen. Insulinpumpen sind robust und stoßfest, einige haben einen Wasserschutz. Sie können bei Bedarf mit einem einfachen Handgriff vorübergehend abgelegt werden, beispielsweise beim Duschen. Zudem gibt es schlauchlose Einmal-Pumpen (sogenannte Patch-Pumpen).

Am Anfang steht eine intensive ambulante oder stationäre Schulung. Auch die Therapie selbst erfordert viel Disziplin und Motivation. Dazu gehören auch die regelmäßige Kontrolle und Dokumentation der Blutzuckerwerte. Der Pumpenträger muss zudem den Katheter (das Infusionsset) gemäß Gebrauchsanweisung und aus hygienischen Gründen regelmäßig wechseln: die Kanüle zum Beispiel je nach Material und bei unauffälliger Haut an der Einstichstelle alle ein bis zwei oder drei Tage, ist sie entzündet, sofort. Das benötigte Insulin gibt es in vorgefüllten Patronen, oder es wird aus einer normalen Insulinampulle in eine spezielle Pumpenampulle aufgezogen.

Vorteile und Nachteile der Insulinpumpentherapie

Vorteile

  • Die Insulinpumpe kann die Lebensqualität von Menschen mit Diabetes erhöhen und eine stabilere Einstellung des Blutzuckers mit besseren HbA1c-Werten und weniger Unterzuckerungen ermöglichen.
  • Das bei der Intensivierten Insulintherapie (ICT) notwendige dauernde Spritzen entfällt. Die Pumpe kann unauffällig unter der Kleidung oder per Fernbedienung bedient werden.
  • Die Pumpe hilft, den Alltag freier zu gestalten: Patienten können entscheiden, was, wann, wie häufig und wie viel sie essen möchten, morgens ausschlafen und spontan Sport treiben.

Nachteile

  • Die Pumpe muss kontinuierlich am Körper getragen werden. Sie kann nur kurzzeitig abgekoppelt werden, wenn sie bei bestimmten Aktivitäten stört, wie zum Beispiel beim Baden.
  • Patienten müssen dazu bereit und in der Lage sein, sich selbstständig mit ihrer Therapie im Alltag zu befassen und auseinanderzusetzen.
  • Die Pumpentherapie ist relativ teuer. Patienten, die bei ihrer Kasse einen entsprechenden Antrag stellen, müssen sich unter Umständen auf ein langes und aufwendiges Verfahren einstellen.
  • Bei mangelnder Hygiene oder zu langer Tragedauer des Katheters kann sich die Einstichstelle entzünden.
  • Wenn der Pumpenträger über längere Zeit kein Insulin mehr erhält, zum Beispiel weil die Pumpe nicht richtig funktioniert, die Kanüle herausgerutscht oder verstopft ist, kann es zu einer Übersäuerung des Blutes (Ketoazidose) kommen.
Insulinpumpe

Die Bestandteile einer Insulinpumpe im Überblick:

1. Der Motor drückt über die Gewindestange den Stopfen der Insulinampulle nach vorne, sodass Insulin abgegeben wird
2. Das Display zeigt die Uhrzeit und die stündliche Insulinabgabe an
3. Die Ampulle enthält den Insulinvorrat
4. Die Batterie versorgt die Pumpe mit Energie
5. Der Adapter verbindet die Insulinampulle mit dem Katheter
6. An der Katheterkupplung kann die Pumpe vorübergehend abgekoppelt werden
7. Der Katheter besteht aus einem dünnen Schlauch und einer unter der Haut liegenden Kanüle, über die das Insulin in den Körper gelangt
8. Über die Bedienungstasten beziehungsweise bei neueren Modellen über das Menü, teils auch Fernbedienung, wird die Pumpe programmiert und das zu den Mahlzeiten benötigte Insulin abgerufen.


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