Medikamente gegen Typ-2-Diabetes: Glitazone

Glitazone senken den Blutzucker, indem sie die Insulinempfindlichkeit der Körperzellen verbessern

10.03.2015

Glitazone verbessern die Insulinempfindlichkeit


Glitazone gehören zu den oralen Antidiabetika, das heißt zu den blutzuckersenkenden Medikamenten, die geschluckt werden können (oral = über den Mund) und nicht – wie beispielsweise Insulin – gespritzt werden müssen. In Deutschland ist nur noch der Arzneistoff Pioglitazon aus dieser Stoffgruppe verfügbar.

Wirkmechanismus:

Glitazone stimulieren nicht die Insulinfreisetzung in der Bauchspeicheldrüse (im Gegensatz zu den Sulfonylharnstoffen oder Gliniden), sondern sie bessern die Insulinempfindlichkeit der Körperzellen. Dadurch kann das Hormon Insulin den Zucker leichter aus dem Blut in die Zellen schleusen, wo er in Energie umgewandelt, teilweise auch gespeichert wird. Eine herabgesetzte Insulinempfindlichkeit (Insulinresistenz) ist eine der Hauptursachen des Typ-2-Diabetes.

Glitazone erzielen diese Wirkung, indem sie am Zellkern den so genannten PPAR-Gamma-Rezeptor (PPAR steht für Peroxisom-Proliferator-aktivierter Rezeptor) stimulieren. Das führt über eine Genaktivierung im Zellkern zu einer vermehrten Bildung von Eiweißstoffen, die den Zuckertransport in die Zellen fördern. In der Leber hemmen die Glitazone zudem die Zucker-Neubildung und fördern den Zuckerabbau.

Ein zusätzlicher Effekt der Glitazone ist, dass sie vermehrt freie Fettsäuren in die Fettgewebszellen schleusen und damit den Blutfettspiegel günstig beeinflussen. Außerdem gibt es Hinweise, dass auch der Blutdruck durch Glitazone leicht gesenkt werden kann.

Anwendung:

Ein Glitazon-Präparat wie Pioglitazon wird im Ausnahmefall zur Therapie des Typ-2-Diabetes verschrieben, wenn eine Ernährungsumstellung, Abbau von Übergewicht und regelmäßige Bewegung den Blutzucker nicht ausreichend senken und eine Behandlung mit dem Arzneimittel Metformin nicht möglich ist. Pioglitazon kann alleine oder in Kombination mit anderen Blutzuckersenkern eingesetzt werden. Zudem kann der Wirkstoff auch bei fortgeschrittener Nierenschwäche noch eingenommen werden, wenn zum Beispiel Metformin nicht mehr verabreicht werden darf.

Nebenwirkungen:

Manche Patienten legen an Gewicht zu, Kopfschmerzen, Ödeme oder Sehstörungen können auftreten. In seltenen Fällen kann die Leberfunktion beeinträchtigt werden. Da Pioglitazon möglicherweise das Risiko für Blasenkrebs leicht erhöht, wird es derzeit nur als Reservemedikament in speziellen Behandlungssituationen bei Diabetes eingesetzt.

Gegenanzeigen:

Pioglitazon darf nicht eingenommen werden, wenn ein Patient an Herzschwäche oder einer Lebererkrankung leidet, Blut im Urin ausscheidet sowie bei Blasenkrebs. Besondere Vorsicht ist geboten in der Schwangerschaft und in der Stillzeit, beim sogenannten polyzystischen Ovarsyndrom oder bei einem Makulaödem.

Einnahme:

Die Einnahme erfolgt mit oder unabhängig von den Mahlzeiten. Die Dosierung ist individuell vom Arzt festzulegen.

Hinweis:

Pioglitazon darf seit 2011 nur noch in begründeten Ausnahmefällen zu Lasten der gesetzlichen Krankenkassen verordnet werden. Der Arzt ist gehalten, den Patienten sorgfältig hinsichtlich möglicher Anzeichen von Blasenkrebs und Herzschwäche zu beobachten. Dazu lässt er engmaschig den Urin auf Blut testen und kontrolliert das Körpergewicht. Außerdem untersucht er, ob Schwellungen, zum Beispiel Ödeme an den Beinen, bestehen. Bei normalem Verlauf überprüft der Arzt nach drei bis sechs Monaten den Therapienutzen.

Wichtig: Diese Informationen ersetzen nicht die Lektüre des Beipackzettels. Lassen Sie sich im Zweifelsfall von Ihrem Apotheker oder Arzt beraten.


Nachrichten zum Thema Diabetes

Handy

Aktuelle Nachrichten zum Thema Diabetes