Ich war richtig glücklich, als ...

... mein Kater Chilly zu mir kam. Es war Liebe auf den ersten Blick. Er hat mich noch nie enttäuscht, was Menschen pausenlos tun, meint Gisela G. aus Kassel

von Dr. Eckart von Hirschhausen, 08.11.2016

Dr. med. Eckart von Hirschhausen, Arzt und Kabarettist, analysiert für Leser des Diabetes Ratgeber individuelle Glücksmomente und stellt für jeden das passende Glücksrezept aus:

Liebe Gisela,

"wer die Menschen kennt, liebt die Tiere". Ich weiß nicht, von wem dieser Satz stammt, aber ich sträube mich wie ein Kater, in Tieren die besseren Menschen zu sehen. Der grummelnde Schopenhauer meinte ja: "Glück ist Unglück, was man nicht hat." Das klingt so lebensbejahend wie: Ich habe keine Freunde, aber dafür habe ich auch noch nicht alle kennengelernt, die ich nicht leiden kann! Viele, von den Mitmenschen enttäuscht, vertrauen sich einem Tier an. Und die Bindungen, die dabei entstehen, sind "übermenschlich".

Ich war neulich in einer Talkshow mit Andrea Kutsch, die eine Akademie für Pferdesprache gegründet hat. Ihre zentrale Botschaft war: Pferde sind Herden- und Fluchttiere und verstehen Körpersprache ganz anders, als wir sie meinen. Geht man frontal auf sie zu, wirkt es bedrohlich, das Pferd flieht. Gehe ich seitlich einen Bogen, kann mich das Pferd als Anführer akzeptieren. Am meisten wunderte sie sich, mit welchem Selbstverständnis Menschen ständig "beruhigend" auf die Pferde einreden und das Gefühl haben, damit zum Verständnis zwischen Mensch und Tier beizutragen. "Für die Pferde macht das überhaupt keinen Sinn!"

Nur gut, dass wir manchmal nicht wissen, was die Tiere wirklich über uns denken. Eine goldene Regel lautet: Behandle andere so, wie du selbst behandelt werden möchtest. Vielleicht gibt es aber noch eine "goldenere" Regel: Behandle andere so, wie sie behandelt werden möchten. Und das ist für eine Katze etwas anderes als für einen Menschen, für ein Kind anders als für einen Erwachsenen, für einen Mann etwas anderes als für eine Frau. Und wenn ich im Gegenüber ein eigenes Wesen sehe mit eigenen Bedürfnissen und Verhalten, dann ist auch die Enttäuschung nicht so groß, wenn etwas anderes passiert, als ich mir wünsche. In diesem Sinne hoffe ich, dass Sie bei aller Liebe zu Ihrem Kater sich nicht ein-Igeln, sondern auch den fauchenden und katzenbuckligen Menschen um sich herum als Mit-Mensch erhalten bleiben.