Messen und spritzen ohne Problem

Wer sich mit den Händen schwertut oder schlecht sieht, braucht geeignete Messgeräte und Pens. Eine Übersicht

von Daniela Pichleritsch, 27.09.2010

Kurz nach dem Einschlafen wacht Franz K. wieder auf. Er zittert und schwitzt: deutliche Zeichen einer Unterzuckerung. Schnell ist dem 81-jährigen Diabetiker auch die Ursache klar: Er hat seine Pens verwechselt und zur Nacht zwölf Einheiten Mahlzeiteninsulin statt Verzögerungsinsulin gespritzt. "Ich verwende für meine Insuline baugleiche Pens, was bisher kein Problem war, da sie unterschiedliche Farben haben", sagt Franz K. "Inzwischen sehe ich aber so schlecht, dass ich die beiden Pens kaum mehr auseinanderhalten kann." Insulinspritzen und Blutzuckermessen ist gerade für ältere Menschen oft eine Herausforderung.

Hapert es mit dem Sehen, besteht nicht nur die Gefahr, dass man die Pens verwechselt. Auch die Anzeige mancher Pens und Messgeräte lässt sich allenfalls noch mit der Lupe erkennen. Tut man sich mit den Händen schwer, wird die Abgabe des Insulins zum Kraftakt. Und der Versuch, einen Teststreifen aus der Dose zu fischen, endet oft mit einem Streifensalat auf dem Boden. Von vielen Herstellern gibt es inzwischen Geräte, die die Handhabung erleichtern und damit auch das Risiko von Therapiefehlern senken. Worauf Sie bei der Auswahl achten sollten, zeigt die folgende Übersicht.

 

Diabetiker, die schlecht sehen, brauchen einen Pen mit großer, gut lesbarer Dosisanzeige. Das Einstellen der Einheiten sollte gut hör- und spürbar sein. Wichtig ist auch, dass sich nur so viele Einheiten einstellen lassen,wie noch in der Ampulle sind. Wer ein kurz und ein lang wirkendes Insulin spritzt, sollte dafür möglichst Pens unterschiedlicher Form und Farbe benutzen. Das senkt die Verwechslungsgefahr. Bei Problemen mit den Händen hilft ein Pen, der gut in der Hand liegt und einen einfach zu bedienenden Dosierknopf hat.

Bereitet der Wechsel der Insulinpatrone Schwierigkeiten, eignen sich vorgefüllte Fertigpens. Sie werden entsorgt, wenn die Patrone leer ist. Es gibt auch einen Fertigpen in Form einer Eieruhr (siehe oben). Mit dem großen Griff und anhand der großen Zahlen lässt sich die Dosis leicht einstellen. Wer schlecht sieht oder nicht richtig greifen kann, kann sich beim Wechsel der Penkanüle schnell verletzen.

Von einem Hersteller gibt es eine Kanüle mit einer besonders großen äußeren und inneren Schutzkappe. Das soll den Kanülenwechsel leichter und sicherer machen. Die Kanüle passt auf alle gängigen Pens. Ein anderer Hersteller bietet für seine Pens eine Kanüle an, die nach der Injektion automatisch ins Gehäuse zurückgezogen wird und so versehentliche Stichverletzungen verhindert. Neu und hilfreich für Vergessliche ist ein Pen, der Zeitpunkt und Dosis der letzten 16 Injektionen speichert. Wichtig: Bevor man sich für einen Pen entscheidet, sollte man bedenken, dass in die Pens der Insulinhersteller nur deren Patronen passen.

Schwache Augen freuen sich über ein Messgerät mit großer, gut lesbarer Anzeige. Bei manchen Geräten lässt sie sich beleuchten, was das Ablesen erleichtert. "Am wichtigsten ist, dass die Anzeige kontrastreich ist und die Ziffern kräftig dargestellt sind", sagt Irene Feucht, Diabetesberaterin am Bethesda- Krankenhaus in Stuttgart. Für Diabetiker, die sehr schlecht sehen oder blind sind, eignet sich ein sprechendes Messgerät. Das Messgerät sollte gut in der Hand liegen, große, gut fühlbare Tasten haben, wenig Blut benötigen und die Messung erst starten, wenn genügend Blut aufgetragen wurde.

Hilfreich sind eine automatische Codierung, große Teststreifen sowie eine große, leicht zu öffnende Streifendose. "Bei Problemen mit den Händen sollte man auch darauf achten, dass sich der Streifen leicht ins Gerät schieben lässt", sagt Irene Feucht. Bereitet die Handhabung einzelner Streifen Schwierigkeiten, eignen sich Geräte, in die eine Trommel oder Diskette mit mehreren Streifen eingelegt wird. Ein neuer Streifen lässt sich durch einen einfachen Handgriff bereitstellen.

Mit Testspitzen statt Streifen arbeitet ein neues Messgerät. Die Testspitze wird mitsamt ihrer gut greifbaren Verpackung aufgesetzt, die Verpackung abgezogen, und dann kann der Blutstropfen angesaugt werden. Bei der dazugehörigen Stechhilfe wird die Lanzette direkt aufgesteckt, ohne dass man wie bei anderen Stechhilfen eine Kappe entfernen muss.

Beim Lanzettenwechsel ist eine versehentliche Verletzung nicht möglich, weil die Lanzette samt ihrer Hülle ausgetauscht wird. Franz K. hat seine Pens übrigens behalten und sein Problem ganz kreativ gelöst. "Ich habe einfach den Pen mit dem schnellen Insulin mit einem Gummiring markiert, den ich gut tasten kann. Jetzt passiert es mir bestimmt nicht mehr so schnell, dass ich die beiden verwechsle!", sagt er.