Glück auf Rezept mit Dr. med. Eckart von Hirschhausen

Ich war richtig glücklich, als mein dreijähriger Enkel Sam, heimlicher Spitzname "Terrorist", endlich seine Feuerwehruniform auszog und im Schlaf sein wahres Gesicht zeigte, schreibt Hans-Jürgen

von Dr. Eckart von Hirschhausen, 08.11.2016

Dr. med. Eckart von Hirschhausen, Arzt und Kabarettist, analysiert für Leser des Diabetes Ratgeber individuelle Glücksmomente und stellt für jeden das passende Glücksrezept aus:

Lieber Hans-Jürgen,

mein Kabarettkollege Dieter Nuhr hat einen Spruch im Repertoire: "Jesus sagte, lasset die Kinder zu mir kommen. Aber der hatte auch keine Boxen für 2.000 Euro."

Wir können nur raten, wie "Terrorist" zu seinem Spitznamen gekommen ist. Kleine Kinder können richtig nerven, aber im entscheidenden Moment setzen sie ein Lächeln auf, und Frust und Ärger schmelzen dahin. Dass Kinder nur glücklich machen, ist ein Mythos. Die Kleinkindphase und die Pubertät sind Belastungen für Eltern, Beziehung und Umfeld. Gut, wenn verständige Großeltern die Kinder mal nehmen – und wieder zurückgeben.

Als ehemaliger Kinderneurologe kann ich Sie beruhigen: Kinder, die früh "anstrengend" sind, bleiben es nicht zwangsläufig. Im Gegenteil, sie sind die Neugierigen, die die Welt erkunden und sich dadurch weiterentwickeln. Mehr Sorgen macht man sich aus ärztlicher Sicht um Kinder, die wenig eigenen Antrieb haben.

Sie schreiben, Ihr Leben mit den Enkeln sei eine Kette voller Glücksmomente: "...als mein neunjähriger Enkel ein paar schwer misshandelte Traubenzucker-Rundlinge aus seiner Hosentasche kramte und sagte: ‚Die hab ich für dich in der Apotheke geschnorrt‘." Oder: "Sagt man Amy 'nein', legt sie das Objekt ihres Interesses zwar wieder zurück an seinen Platz, aber ihr waidwunder Blick sagt: 'Ich weiß, dass ich das nicht anfassen darf, aber es kommt so über mich, da bin ich hilflos.' Und gegen diesen Blick bin ich ebenfalls machtlos."

Völlig die Erziehung aufgeben sollten Sie natürlich nicht, sonst wird aus einem charmanten Terroristen ein Tyrann, der keine Grenzen mehr kennt. Zu Recht mahnt ein aktueller Bestseller, wie das reine Gewährenlassen den Kindern keinen Gefallen tut. Mein liebster Satz von Ihnen erinnert daran, dass man einem schlafenden Menschen eigentlich nie böse sein kann, denn unser aller "wahres Gesicht" ist friedlich, schutzbedürftig und hoffnungsvoll: Heute Nacht geht die Welt nicht mehr unter – in Australien ist schon Morgen!